Fast 300 Stellen kamen letztes Jahr am Migros-Hauptsitz in Zürich unter den Sparhammer. Dutzende Angestellte sind schon gegangen. Zurück bleiben viele Frustrierte. BILANZ hatte Einblick in Mails von Mitarbeitenden, welche die Stimmung im Migros-Turm beschreiben. Von «Angst und Misstrauen» ist da die Rede. Seit CEO Fabrice Zumbrunnen übernommen habe, herrsche totale Unsicherheit.

Schuld an der düsteren Stimmung sei jedoch nicht der Chef, sondern dessen oberste Personal- und Kommunikationsverantwortliche Sarah Kreienbühl. Kaderleute kritisieren vor allem ihren Stil. Der Tenor: Das sei einfach nicht die Migros.

Dass sie sich innerhalb von acht Monaten zweimal vom «Migros-Magazin» interviewen lässt, sehen viele als Drang zu «Macht und Selbstinszenierung». Einige nennen sie intern Elsa – inspiriert von Walt Disneys gleichnamiger «Eisprinzessin».

Geheimdienst-Methoden

Kreienbühl muss sich nicht nur den Vorwurf der falschen Kommunikation gefallen lassen. Sie habe auch Methoden angewandt, die an Geheimdienste erinnerten. Laut «Handelszeitung» wurden Geschäftshandys nach Telefonaten mit Journalisten durchsucht. Auch E-Mail-Konten seien gescannt worden, schrieb die «Republik». Die Migros bestätigt dies, das sei aber nur bei zwei Personen gemacht worden.

Laut BILANZ-Informationen wurden die Aktionen von Kreienbühl angeordnet. In ihrem Auftrag haben sich Forensiker der KPMG der Geräte der Verdächtigen angenommen. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat wurden lediglich informiert. Man wollte wissen, wer der «Handelszeitung» und der «SonntagsZeitung» Interna über die Sparprogramme ausplauderte. Einzelne Kaderleute sollen wegen der «Stasi-Aktion» ihre Kündigung eingereicht haben, andere konsultierten einen Anwalt.

Fabrice Zumbrunnen, CEO Migros. Fotos kostas maros, am 3.10.18, Limmatstrasse 152 Zürich

Düstere Wolken: Hat Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen die falsche Personalchefin gewählt?

Quelle: Kostas Maros
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Nicht mehr im Stiftungsrat der Hear the World Foundation

Nun tritt Kreienbühl aus dem Stiftungsrat der Hear the World Foundation zurück, einer wohltätigen Organisation ihres Ex-Arbeitgebers Sonova. Aus dem Stiftungsumfeld heisst es, Kooperationspartner hätten sich wegen der schlechten Presse aus der KPMG-Aktion über Kreienbühl beschwert.

Die Stiftungsdirektorin Elena Torresani widerspricht: «Das Ausscheiden von Frau Kreienbühl ist ausschliesslich mit dem Wechsel des Arbeitgebers begründet.» Voraussetzung für ein Amt im Gremium sei eine Sonova-Anstellung. Doch Aussagen Kreienbühls deuten in eine andere Richtung: Letzten Mai liess sie das «Migros-Magazin» wissen, wie sehr es sie freue, dass sie «dieses wichtige Engagement weiterführen darf».

Der Grund für ihren Rücktritt liege «in meinem Wechsel von Sonova zu Migros», bekräftigt Kreienbühl gegenüber BILANZ. Sie hätte eigentlich per Ende 2017 aus der Stiftung zurücktreten sollen, sei aber gefragt worden, «zur Wahrung von Kontinuität» bis Ende März 2019 zu bleiben.

Überwachung eher bei börsenkotieren Unternehmen üblich

Zum Forensiker-Einsatz schreibt sie: «Die Untersuchung erfolgte in enger Abstimmung mit sämtlichen in solchen Fällen zuständigen Stellen.» Wegen der gesetzlichen Sorgfaltspflicht müsse die Migros – «wie andere Unternehmen auch» – Hinweisen auf Fehlverhalten nachgehen.

Bei vielen Konzernen gehören Leaks zur Tagesordnung. Überwachungen sind keine Seltenheit. Dies aber hauptsächlich bei börsenkotieren Unternehmen, wo Indiskretionen den Aktienkurs schwächen können. Die Migros ist bekanntlich eine Genossenschaft.