Adecco und ihre Mandantin L’Oreal sind von einem französischen Appelationsgericht schuldig befunden worden, eine rassistische Bewerbungskampagne durchgeführt zu haben. Die beiden Firmen sowie die Adecco-Tochter Ajilon wurden zu einer Geldbusse von je 30000 Euro verurteilt. Die verantwortliche Ajilon-Direktorin, Thérèse Coulange, erhielt eine bedingte Gefängnisstrafe von drei Monaten.
«Adecco wird in der nächsten Instanz, dem Kassationshof, Berufung einlegen», sagt Adecco-Frankreich-Sprecher Tristan d’Avezac de Moran. Auch Garnier, die Muttergesellschaft von L’Oreal, wird das Urteil anfechten.
Den Rekursprozess geführt hat die NGO SOS Racisme. Ihr müssen die drei verurteilten Firmen zudem 30000 Euro an die Prozesskosten zahlen. Ein Zivilgericht hatte Adecco vor einem Jahr freigesprochen.
Die Rassismusklage geht auf ein Rekrutierungsmemo zurück, das Adecco im Jahr 2000 im Auftrag von L’Oreal gemacht hat. Für die Promotionskampagne von Coiffeurprodukten wollte L’Oreal nur junge weisse Frauen einstellen. Die Ajilon-Direktorin sandte ein rassistisches Rekrutierungsschreiben an die Filialen. Gesucht wurden darin «Animateurinnen zwischen 18 und 22 Jahren, mit Kleidergrösse 38 bis 42 und BBR». Letztere Abkürzung steht für «bleu-blanc-rouge», eine Referenz auf die französische Flagge. Gemäss der klagenden französischen Organisation handelt es sich beim Beschrieb BBR um ein ethnisches Profilkriterium, bei dem nichtweisse Kandidatinnen diskriminiert würden.

*Doch kein Rassismus*
Laut SOS Racisme enthielt das Inserat vier Arten von Diskriminierungen: Geschlecht, Alter, Gewicht und Hautfarbe. Tatsächlich wurden die Kriterien an 300 jungen Frauen, die später rekrutiert wurden, angewendet. Weniger als 5% davon seien «Non BBR» gewesen. Unter den Bewerberinnen hätten 40% die BBR-Kriterien schon gar nicht erfüllt. Adecco betont, dass seine Antidiskriminierungs-Policy inzwischen als Bestpractice beurteilt werde.