Der Spezialpapier-Hersteller Cham Paper Group baut an seinem Schweizer Standort Cham bis Anfang 2014 über 200 Stellen ab. Eine profitable Produktion sei in der Schweiz aufgrund des starken Frankens nicht mehr möglich; ein Grossteil wird nach Italien verlagert.

Wie die Cham Paper Group mitteilte, sollen ausgewählte Chamer Nischenprodukte für industrielle Anwendungen ab 2012 im norditalienischen Werk in Carmignano hergestellt werden. Spätestens bis Ende 2013 sollen dann auch die Spezialpapiere für die Tabakindustrie - heute das Chamer Hauptgeschäft - am selben Ort in der Toskana produziert werden.

Auch der Unternehmensstandort Condino im Südtirol werde weiter ausgebaut. Dieser konzentriere sich auf die Herstellung von sogenannten Glassinen, also ausgesprochen dünnen, lichtdurchlässigen jedoch luft- und wasserundurchlässigen Papieren. Die Produktionskapazitäten sollen dort bis 2014 um über 20 Prozent vergrössert werden, so die Cham Paper Group.

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Gewerkschaften empört

Weiter gewährte die Cham Paper Group auch einen Einblick in ihre aktuellen Geschäftszahlen. Diesen zufolge erwartet das Unternehmen für das laufende Jahr einen operativen Verlust (EBIT) von 10 bis 15 Millionen Franken. Dazu kämen Wertberichtigungen auf Anlagen sowie Rückstellungen für die geplanten Restrukturierungen in der Höhe von 80 bis 90 Millionen Franken.

Die Gewerkschaften Syna, Unia und der Schweizerische Papier- und Kartonarbeitnehmerverband (SPV) zeigen sich in einer ersten Reaktion «geschockt» vom Ausmass des angekündigten Stellenabbaus bei der Cham Paper Group.

Wie Syna mitteilte, hätten die Gewerkschaften der Arbeitnehmervertretung ihre Unterstützung angeboten und mit dieser für Mittwoch ein Treffen vereinbart, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

In der bis 12. Dezember laufenden Konsultationsfrist sollen «für alle Seiten befriedigende» Regelungen im Sozialplan ausgearbeitet werden. Angesichts der «gesunden Finanzsituation» des Unternehmens erachten Syna, Unia und SPV diese Forderung als gerechtfertigt. Insbesondere sei darauf zu achten, dass die 34 Lernenden ihre Ausbildung beenden könnten.

Zur ebenfalls geplanten Umnutzung eines Teils des Industrieareals in Cham, wo die Cham Paper Group derzeit den Bau von Wohnungen prüfen lässt, äusserten sich die Gewerkschaften nicht.

(laf/vst/sda)