Die Ergebnisse des 1. Halbjahres 2007 liegen am unteren Ende der Analystenprognosen. Waren Sie zu optimistisch?
Peter Pauli: Unser Asien-Anteil bei der Auftragsverteilung ist relativ hoch, uns «fehlen» beim Umsatz im 1. Semester rund zwei Monate. Der sehr hohe Auftragsbestand von 470,2 Mio Fr. zeigt, dass die Ausgangslage für einen weiteren Wachstumsschub im 2. Halbjahr und auch in den kommenden Jahren sehr gut ist.

Tatsächlich sind Ihre Auftragsbücher prall gefüllt. Wie gross ist die Gefahr, dass sich Meyer Burger übernimmt?
Pauli: Natürlich birgt die Situation gewisse Risiken. Vor allem auf der Zuliefererseite sind die Herausforderungen gross. Doch wir sind sehr zuversichtlich.

Die Ebit-Marge liegt im 1. Semester 2007 bei 5%. Bis Ende Jahr soll sie bei 12 bis 14% liegen. Können steigende Rohwarenpreise Ihr Margenziel gefährden?
Pauli: Tatsächlich sind die Preise massiv gestiegen, etwa für rostfreien Stahl. Aber dank unseres Einkaufsvolumens können wir gute Preise erzielen und so unsere Margen schonen.

Ein zweites, wenn auch viel kleineres Standbein von Meyer Burger ist die Halbleitersparte. Dieser Markt schwächelt. Bedroht das Geschäft die konsolidierte Ebit-Marge?
Pauli: Nein. Wir sind angesichts unserer Auftragslage nicht ganz unglücklich darüber, dass der eine oder andere Halbleiterkunde einen Auftrag verschiebt.

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Besteht die Chance, dass die Ebit-Marge schon 2007 über 14% steigt?
Pauli: Wir sind im Projektgeschäft tätig, Schwankungen sind also völlig normal. Deshalb ist es schwierig, Prognosen abzugeben.
Welche Unternehmensziele haben Sie mittelfristig?
Pauli: Wir wollen unsere Ebit-Marge bei 14 bis 16% stabilisieren. Einen Wert von über 20% ist nicht geplant, wir wollen auf dem Boden bleiben. Der Umsatz dürfte mittelfristig um 30% pro Jahr wachsen.

Damit hat Meyer Burger bereits 2009 eine knappe halbe Mrd Fr. Umsatz in Aussicht. Welche Rolle werden Zukäufe spielen?
Pauli: Kurzfristig sind wir nicht auf Akquisitionen angewiesen. Längerfristig benötigen wir eine breitere Substanz, denn Meyer Burger hat das Wachstum nicht gepachtet. Vielmehr müssen wir davon ausgehen, dass sich das Tempo irgendwann verlangsamt. Das Unternehmen muss sich deshalb breiter aufstellen und System­anbieter werden.

Wann werden Sie akquirieren?
Pauli: Wir prüfen laufend mögliche Übernahmen. Allerdings sind deren Preisvorstellungen nach wie vor sehr hoch, deshalb hat sich bisher noch nichts ergeben.

Das Management ist mit 9,79% an Meyer Burger beteiligt. Am 23. November läuft die Lock-up-Periode ab. Was geschieht mit dem Paket?
Pauli: Wir stehen weiterhin zu diesem Unternehmen.

Es gibt also keine Verkaufspläne?
Pauli: Nein.

Ist Meyer Burger ein Übernahmekandidat?
Pauli: Gemäss kursierenden Gerüchten ist dies der Fall. In Wahrheit aber hat sich, zumindest bis heute, kein Interessent gemeldet.

Was ist mit dem Gerücht, dass Meyer Burger und Applied Mate­rials zusammengehen wollen?
Pauli: Da ist wirklich nichts dran.

Ihr Unternehmen soll zum System­anbieter werden. Werden Sie künftig die gesamte Prozesskette bei der Wafer-Herstellung abdecken?
Pauli: Das ist unser Ziel. Wir haben nach Kaufmöglichkeiten gesucht - etwa unter den Roboteranbietern - doch es hat sich nichts Geeignetes finden lassen. Deshalb kaufen wir die entsprechenden Produkte für die Prozesskette ein und modifizieren sie entsprechend.

Eine ähnliche Strategie verfolgt OC Oerlikon mit ihrer Solarsparte, allerdings mit einer anderen Technologie, der Dünnfilmtechnik. Ein ernst zu nehmender Konkurrent?
Pauli: Die Dünnfilmtechnik ist ein weiterer Wachstumstreiber, das begrüssen wir. Aber: Noch immer halten Siliziumwafer-Anbieter, die wir beliefern, rund 80% des Weltmarktes. Dünnfilmzellen-Herstellern decken rund 20% ab. Dieses Verhältnis dürfte vorläufig noch so bleiben.