Sie haben Anfang Januar Ihre Stelle als CEO angetreten, als die Wirtschaftskrise die Reisebranche vollends getroffen hatte. Kuoni hat darauf Ende Januar mit einem Investitions- und Kostensenkungsprogramm reagiert. Trotzdem weist der Konzern nach dem 1. Halbjahr einen Verlust von 51 Mio Fr. aus. Weltweit wurden bislang einige hundert Stellen abgebaut. In der Schweiz wurde Anfang September Kurzarbeit eingeführt. Daneben verzichten die Geschäftsleitung und über 200 Top-Kader dieses Jahr auf ein halbes Monatsgehalt. Hatten Sie auch Erfolgserlebnisse?

Rothwell (lacht): Das klingt wirklich nicht allzu gut, so wie Sie es zusammenfassen. Das ist zwar faktisch korrekt. Realistisch lebe ich seit neun Monaten mit der Wirtschaftskrise, doch diese begann ja auch schon vor meinem Antritt.

Mit welchen Zielen haben Sie Ihre Arbeit aufgenommen und inwiefern hat Sie die Realität mittlerweile überholt?

Rothwell: Als ich meinen Vertrag im April 2008 für Januar 2009 unterschrieben hatte, gab es keine Zeichen einer Krise oder einer Pandemie. Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen, dass unser Geschäft signifikant besser wird, als es heute, verursacht durch die äusseren Einflüsse, ist. Auf der anderen Seite erlaubt uns dies, Dinge zu tun, die wir in einem normalen Jahr nicht hätten tun können. Nun treffen wir die bedeutenden und nicht einfachen Entscheidungen, die wir zu treffen haben.

Ihre Erfolgsmomente?

Rothwell: Wir nehmen radikale Veränderungen in unserer Organisationsstruktur vor, wobei die Erfolge nicht nur mittelfristig an der Profitabilität zu den ertragsreichen Vorjahren gemessen werden, sondern an den Resultaten der zahlreichen Projekte, die im letzten Januar schon gestartet wurden und gut unterwegs sind. All dies macht uns gesünder und stärker.

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Was sind das für radikale Veränderungen?

Rothwell: Sie betreffen vor allem die Art, wie wir unser Geschäft managen. Am Hauptsitz waren wir mehr eine Konsolidierungsholding, die die strategischen Rahmenbedingungen vorgegeben und sich weitgehend aus den operativen Märkten rausgehalten hatte. Heute sorgen wir mit einer Zentralisierung und Standardisierung dafür, dass alles nur noch einmal gemacht wird; und zwar besser, schneller, günstiger. Beispiel Internet: Wir brauchen nicht mehr 30 Lösungsansätze von 30 Geschäftseinheiten, sondern in unserem Fall zwei Versionen – eine zur Inspiration und eine für Transaktionen.