«Ich habe für das nächste Jahr ein komisches Gefühl im Magen», sagte Peter Spuhler im letzten «Bilanz Business Talk» ( Video am Artikelende). Dem Mitgründer und Hauptaktionär von Stadler Rail passt die Mischung von weiterhin sehr expansiver Geldpolitik und schwächelnder Wirtschaft nicht.

Besonders in der Industrie hapert es. Dort «braut» sich laut Spuhler etwas zusammen. Er bezog sich im Bilanz Talk auf Trends von Firmen, welche man als «Frühzykliker» bezeichnet. Firmen also, welche die konjunkturellen Auf- oder Abschwünge als erste spüren.

Und da weiss Spuhler, wovon er redet. Er ist selber namhaft an solchen Firmen beteiligt, nämlich mit 22 Prozent am Textilmaschinenhersteller Rieter und mit 17 Prozent an Autoneum. Der Autozulieferer musste am Montag bereits seine dritte Gewinnwarnung aussprechen. Autoneum erwartet für 2019 einen Nettoverlust in hoher zweistelliger Millionenhöhe, die Aktie bewegt sich auf einem Allzeittief.

Die Automobilindustrie macht Spuhler echt Sorgen. Auch bei Bosch, wo Spuhler im Verwaltungsrat sitzt, «spürt man massiv, dass die Auftragslage rückläufig ist». In Deutschland hänge jeder achte Arbeitsplatz an der Automobilindustrie – was Spuhler zur Aussage verleitet, dass er für die Entwicklung der Industrie für das nächste Jahr generell «nicht sehr zuversichtlich» ist.

Auf Stimmenfang am Business Talk

Hintergrund der Entwicklung ist die schwächere Weltkonjunktur, die Handelskonflikte und der Brexit. Sie haben die exportabhängige deutsche Industrie in die Rezession gedrückt und die gesamte Wirtschaft belastet. Was in Deutschland passiert, sollte hierzulande genau verfolgt werden. Denn Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Schweiz.

Was Spuhler fast noch mehr beschäftigt und ihn offensichtlich auch ärgert, ist die Geldpolitik der Zentralbanken. «Die Wahnsinnigen bei der Europäischen Zentralbank überschwemmen die Märkte mit Geld», sagte Spuhler am Talk, der letzten Donnerstag aufgezeichnet wurde und am Sonntag auf SRF2 zur Ausstrahlung kam.

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Stadler Rail «vielleicht nicht das Mass aller Dinge»

Das Geld der Zentralbanken stütze die ganze Konjunktur zwar «künstlich», so Spuhler weiter. Aber er lässt keine Zweifel offen, dass dies kein gutes Ende haben kann: «Ich denke schon, irgendwann knallt es». Spuhler redet dabei von einer «Bankrotterklärung der traditionellen Geldpolitik». Die Geldmenge in den Wirtschaftsräumen habe sich in den letzten zehn Jahren vervielfacht. «Dabei habe ich im Studium vor einige Jahren mal gelernt, dass die Geldmenge nicht stärker wachsen sollte als das Wirtschaftswachstum, sonst haben wir Inflation.»

Notenbanken müssen steigenden Inflationszahlen in der Regel mit Zinserhöhungen begegnen, mitunter auch in rascher Abfolge. Das ist generell schlecht für Staaten, Firmen und Private, die hoch verschuldet sind. In einem solchen Umfeld kommt es oft auch zu Marktverwerfungen.

Positiv war Spuhler am «Bilanz Business Talk» aber dennoch ein wenig. Nämlich dann, als die Sprache auf «seine» Stadler Rail kam. «Die Auftragsbücher bei Stadler Rail sind sehr gut», sagte Spuhler stolz. «Aber vielleicht sind wir nicht das Mass aller Dinge.»

Talk in voller Länge

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