Im Korruptionsskandal um den brasilianischen Ölriesen Petrobras greift die Justiz durch – und nimmt die führenden Industriellen des Landes ins Visier. Auf Drängen der Bundespolizei sollen nun auch die Spitzen des grössten Baukonzerns Odebrecht angeklagt werden.

Es geht um den Verdacht auf Geldwäsche und Korruption im Zusammenhang mit dem Kauf von Bohrinseln des Ölkonzerns Petrobras, wie die Agencia Brasileira Montagabend (Ortszeit) mitteilte. Odebrecht hat 181'000 Mitarbeiter und ist in 23 Ländern tätig. Seit Monaten wird im Rahmen der Operation Lava Jato ein Korruptionsnetz offengelegt, auch viele Politiker des fünftgrössten Landes sollen bestochen worden sein.

Manager eines Baukonzerns verurteilt

Ein Bundesgericht in Curitiba verurteilte am Donnerstag bereits mehrere Topmanager des Baukonzerns Camargo Corrêa zu Haftstrafen von bis zu 15 Jahren, wie die Agencia Brasil mitteilte. Dabei ging es um den Vorwurf der Korruption im Zusammenhang mit dem Bau mehreren Raffinerien.

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Petrobras ist das grösste Unternehmen Brasiliens mit einem Jahresumsatz von rund 140 Milliarden US-Dollar. Der frühere Petrobras-Spitzenmanager Paulo Roberto Costa wurde in dem Verfahren zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Ermittler prüfen in umfangreichen Verfahren Unregelmässigkeiten in Milliarden-Höhe.

Schmiergelder an Regierungspartei

Bei der Vergabe von Aufträgen soll systematisch Schmiergeld geflossen sein, das teilweise auch an Politiker und Parteien ging. Laut früheren Aussagen von Ex-Petrobras-Direktor Costa sollen bei überhöhten Vertragsabschlüssen des Konzerns mit anderen Firmen zwei Prozent der Vertragssumme an die Arbeiterpartei von Präsidentin Dilma Rousseff geflossen sein.

Vergangene Woche hatte der Präsident des Abgeordnetenhauses, Eduardo Cunha, offiziell seinen Bruch mit Rousseff erklärt – nachdem Anschuldigungen gegen ihn erhoben worden waren, vom Baukonzern Camargo Corrêa fünf Millionen US-Dollar für die Beschaffung von Petrobras-Aufträgen gefordert zu haben.

Nähe zu Rousseff

Cunha gehört der Partido del Movimiento Democrático Brasileño (PMDB) an, dem wichtigsten Koalitionspartner von Staatspräsidentin Rousseff. Noch ist nicht absehbar, ob durch die Affäre auch Rousseff selbst noch stärker unter Druck geraten könnte.

Der Journalist und Analyst Josias de Souza bilanzierte in seinem Blog, das Urteil des Richters Sérgio Moro sei ein «historischer Markstein» – bisher seien solche Unternehmensgrössen in Brasilien nicht derartig belangt worden.

(sda/ise/moh)