Für Petroplus bahnt sich Ärger aus Frankreich an. Frankreich bezweifelt, dass bei der Insolvenz des Rohölverarbeiters Petroplus alles mit rechten Dingen zugegangen ist. «Das Justizsystem muss ausleuchten, was genau passiert ist», sagte der französische Energieminister Eric Besson am Freitag dem Radiosender France Inter.

Die Umstände des Konkurses und insbesondere die Überweisungen, die am Tag davor und noch einen Tag früher stattgefunden haben, seien verdächtig. Am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft im französischen Nanterre eine Untersuchung eingeleitet. Die Behörde will herausfinden, ob Petroplus vor der Einreichung des Insolvenzantrages illegal Geld von der französischen Tochter abgezogen hat. Petroplus weist Vorwürfe eines betrügerischen Konkurses allerdings zurück.

Verzweifelt Käufer gesucht

Petroplus hatte am Dienstag Insolvenz angemeldet. Inzwischen laufen Rettungsversuche für Teile des einst grössten konzernunabhängigen Raffineriebetreibers Europas. Das Unternehmen, das mit Übernahmen stark gewachsen war und seit Jahren rote Zahlen schrieb, besitzt fünf Raffinerien in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Belgien und Grossbritannien.

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Petroplus versucht auch, Käufer für die Raffinerien zu finden. Am Werk im französischen Petit Couronne bekundete die Schweizer Rohstoffgruppe des US-Investors Gary Klesch Interesse: «Wir schauen uns Petit-Couronne an, wo es eine Reihe von Problemen gibt. Wir werden sehen, was sich ergibt,» sagte Klesch der Nachrichtenagentur Reuters.

Nach der Ankündigung schossen die Petroplus-Aktien um gut 50 Prozent in die Höhe. Die in Genf und London ansässige Klesch-Gruppe hatte vor rund zwei Jahren bereits eine Raffinerie vom britisch-niederländischen Ölkonzern Shell im holsteinischen Heide übernommen. «Diese Gesellschaft kauft Firmen auf, wo immer sie kann, und wenn möglich, indem sie vorab Staatshilfen beantragt», sagte ein Gewerkschafts-Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Wann werden die Löhne überwiesen?

Derweil warten die rund 260 Angestellten der Petroplus-Raffinierie im neuenburgischen Cressier und die 218 Mitarbeiter von Petroplus in Zug immer noch auf ihren Januarlohn. Sie können erst bezahlt werden, wenn der Antrag auf Nachlassstundung gutgeheissen wird. Diesen reichte Petroplus am Donnerstag ein.

Gemäss dem Bundesgesetz über die Arbeitslosenversicherung haben die Angestellten ein Recht auf Entschädigung, wenn der Arbeitgeber Insolvenz anmelden muss, wie Pascal Guillet von der Neuenburger Arbeitslosenkasse am Freitag auf Anfrage der sda sagte. Er bestätigte damit eine Meldung des Westschweizer Regionalradios RTN.

(muv/awp/sda/afp)