«Die Situation ist sehr gravierend: Petroplus brauchte Ende des dritten Quartals 1,5 Milliarden Dollar zur Aufrechterhaltung des täglichen operativen Geschäfts - im Moment hat das Unternehmen nur 1,1 Milliarden Dollar zur Verfügung», so Analyst Martin Schreiber von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Es sei allerdings unklar, wo das Unternehmen genaue stehe und wie gross der Liquiditätsbedarf im Moment sei, gab Schreiber zu bedenken. «Mit Produktionskürzungen, Investitionsstopps und dem Aufschub von Lieferantenzahlungen kann das Unternehmen versuchen, in den nächsten Wochen über die Runden zu kommen», sagte er.

Petroplus betreibt neben einer Anlage in Cressier (NE) vier Raffinerien in Frankreich, Deutschland, Belgien und Grossbritannien und schreibt seit Jahren rote Zahlen. Das Einfrieren von Krediten beeinträchtigt nun den Einkauf von Rohöl akut. Laut Finanzchef Joseph Watson hat Petroplus nur noch Vorräte für wenige Tage.

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Teufelskreis

Die Massnahmen wie das Herunterfahren der Produktion könnten aber einen Teufelskreis auslösen, warnt Branchenexperte Schreiber. Würde Petroplus auf diese Weise Vereinbarungen für den Erhalt von Krediten (Covenants) verletzen, zöge dies die komplette Blockierung der Kredite und damit eine Insolvenz nach sich.

Hilfe bei den Verhandlungen hat inzwischen das französische Finanzministerium angeboten und am Mittwoch verlautbaren lassen, dass einige Banken unter Umständen zumindest einen Teil der Kreditlinien wieder freizugeben bereit seien. Gewerkschaften hatten gefordert, dass der Staat bei den Banken vorstellig werde.

In vergleichbaren Situation haben Kreditnehmer laut ZKB-Experte Schreiber allerdings Mühe, die Banken zu erweichen: «Erschwerdend für Petroplus ist im Moment, dass Banken üblicherweise Kredite nicht wieder freigeben, die sie kurz davor eingefroren haben», sagte er.

Abstufungen durch S&P und Moody's

Derweil senkte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am Mittag das langfristige Kreditrating von Petroplus von «B» auf «CCC+». Im Ausblick wurde die Einschätzung auf «Creditwatch negativ» gesetzt, was aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten die Möglichkeit auf eine weitere Abstufung anzeige, teilte S&P mit.

Auch die Ratingagentur Moody's stufte das langfristige Kreditrating von «B2» auf «Caa1» zurück. Des Weiteren sei es auf «Under Review» gesetzt worden im Hinblick auf eine weitere Herabstufung, teilt Moody's mit.

Die Unterstützung aus Paris hat dem Kurs der Petroplus-Aktie dennoch etwas Auftrieb verliehen: Der Wert des Papiers legte am Morgen um 3 Prozent zu. Um 16:17 Uhr standen die Titel noch 1,21 Prozent im Plus. Am Dienstag war der Kurs um 46 Prozent und am Mittwoch weitere 10 Prozent gefallen.

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(laf/tno/rcv/sda/awp)