Not macht erfinderisch. Oder in diesem Fall: Not sorgt für Verbündete. Es ist in der heutigen globalisierten Welt keineswegs selbstverständlich, dass sich französische und japanische Autokonzerne zu einer Zweckgemeinschaft verbünden. Besonders die Franzosen haben ihren einstmals antijapanischen Reflex abgelegt, spätestens seit sich Ende der 90er Jahre Renault bei Nissan einkaufte. Nun geht ein zweiter grosser Franzose, der Konzern PSA (Peugeot/Citroën), mit Mitsubishi auf dem Sektor der sogenannten SUV (Sport Utility Vehicles) Hand in Hand.

«Wir wollen nicht länger abseits eines Segments stehen, das in Europa hohe Zuwachsraten aufweist», erklärt Christian Peugeot, Direktor der PSA-Konzernkommunikation, anlässlich der Präsentation des 4007. PSA habe in der Vergangenheit deshalb gezögert, weil der SUV-Markt lange Zeit als Nischenmarkt galt.

SUV-Wachstum hält weiter an

Diese Haltung hat sich gründlich geändert. In Europa konnte vergangenes Jahr mehr als 1 Mio Fahrzeuge aus diesem Segment abgesetzt werden (+13% im Vergleich zur Vorjahresperiode). Von diesem Kuchen möchte sich PSA ein möglichst grosses Stück abschneiden. Denn auch in den ersten Monaten dieses Jahres sind die Zulassungen der SUV in Europa erneut um gegen 20% gestiegen.

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Basis ist immer der Outlander

Peugeot lancierte deshalb den 4007, die Schwestermarke Citroën den C Crosser. Beide Fahrzeuge basieren auf dem Outlander von Mitsubishi mit Allradantrieb. Sie werden denn auch in Japan produziert. Damit ist PSA ein gutes Stück weiter gegangen als beispielsweise der Renault-Nissan-Konzern. Renault lässt kein einziges Fahrzeug in Japan vom Band rollen.
Die Verantwortlichen von Peugeot machen kein grosses Geheimnis aus der Fülle von Gemeinsamkeiten mit dem japanischen Partner. Der Peugeot 4007 ist technisch gesehen weitgehend eine Kopie des Outlanders, vor allem was Fahrwerk und Allradantrieb betrifft. Früher – dies sei nur nebenbei bemerkt – war vom umgekehrten Weg die Rede. In den 90er Jahren beklagten sich die Europäer lautstark über die Kopierer aus dem Land der aufgehenden Sonne ...

Immerhin: Französisches Design

Tröstlich ist zu wissen: Nicht alles ist Kopie. Die Peugeot-Designer sind in Sachen Karosseriegestaltung eigene Wege gegangen. Die Front mit dem grossen Löwenemblem auf der Kühlerhaube und der charakteristischen Lufteinlassöffnung, hinter dem vorderen Stofffänger platziert, geben dem 4007 das Peugeot-typische Gepräge.
Auch in Sachen Antrieb spielt Peugeot seine eigenen Karten aus. Im 4007 kommt der konzerneigene 2.2-l-HDi-FAP-Dieselmotor mit einer Leistung von 156 PS zum Einsatz. Wichtig ist zudem das enorme Drehmoment von 380 Nm, das bereits mit 2000 Umdrehungen erreicht wird. Dieses Aggregat ist mit einem Dieselpartikelfilter ausgerüstet, schliesslich haben die
Franzosen mit den HDi-Motoren und dem nachgeschalteten Filter im Dieselsektor Pionierarbeit geleistet.
Dank der ziemlich grosse Bodenfreiheit sowie in Kombination mit dem Drehmoment und dem Allradantrieb lässt sich der Peugeot 4007 problemlos auf unbefestigten Strassen bewegen oder als Zugfahrzeug nutzen. Für den Schweizer Markt ist auf jeden Fall wichtig, dass Peugeot nun über ein Allradfahrzeug verfügt, mit dem es sich auch auf schneebedeckten Strassen in den Alpen leichter und sicherer
fahren lässt. Der Allradantrieb stammt von Mitsubishi und ist elektronisch gesteuert. Mit einem Drehknopf lassen sich drei Antriebsversionen wählen: Frontantrieb, automatischer Allradantrieb oder Allradantrieb mit dazwischengeschalteter Differenzialsperre (für besonders schlechte Fahrbedingungen).
Der Japaner in französischem Kleid hinterlässt bei ersten Probefahrten einen guten Eindruck. Die Frage ist, ob die Kundschaft die Kooperation akzeptiert und nicht gleich den Outlander von Mitsubishi kauft.

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Ausrichtung
Der Peugeot 4007 ist in erster Linie ein für Familien geeignetes Fahrzeug. Doch die Verantwortlichen in der Schweiz hoffen auch auf Handwerker oder Sportler, die ein geräumiges Fahrzeug schätzen und beispielsweise ihre Sportutensilien (Fahrräder, Surfbretter etc.) transportieren wollen.

Marktchancen
Gemäss Peter Schär, Presseverantwortlicher von Peugeot Suisse, plant der Schweizer Importeur, dieses Jahr 200 Fahrzeuge abzusetzen. 2008 sollen es 650 Fahrzeuge sein.

Ausstattung und Preise
Vorerst sind zwei Ausstattungsvarianten (Dynamic und Platinum) erhältlich. Das Einstiegsmodell Dynamic kostet 45300 Fr., die höher positionierte
Version Platinum ist in der Basisversion zu 51300 Fr. erhältlich. Diese Preise
bewegen sich im mittleren Bereich, die Fahrzeuge sind also nicht ganz billig. Geplant ist zudem eine Version mit einem Benzinmotor von Mitsubishi für 2008.Deren Preis soll unter 40000 Fr. gedrückt werden und damit deutlich näher bei den Konkurrenzmodellen aus Japan und Korea liegen.