Das achtlose Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfällen im öffentlichen Raum ist eine Unsitte, die nicht akzeptierbar ist. So weit herrscht Einigkeit. Bei der Frage, was dagegen unternommen werden kann, teilen sich aber die Meinungen. Aktuell wird zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre auf Bundesebene die Einführung eines Pfandes auf Getränkeflaschen aus Glas und PET sowie auf Getränkedosen gefordert. Ein Blick auf die Fakten zeigt jedoch, dass dieser Vorstoss untauglich ist.

Deutsche Erfahrungen negativ

Gemäss einer Studie der Universität Basel machen Getränkeverpackungen aus Alu, Glas, PET und Karton 17% des gesamten Littering (ohne Zigarettenstummel) aus. Auch im unwahrscheinlichen Fall, dass wegen des Pfandes alle Getränkeverpackungen retourniert würden, blieben also 83% des Littering (Essensverpackungen, Zeitungen usw.) weiterhin liegen.

Die Wirkungslosigkeit eines Pfandes auf Getränkeverpackungen unterstreicht das Beispiel Deutschland. Unser nördliches Nachbarland kennt seit 2003 eine Pfandpflicht auf Einwegverpackungen. Verschiedene Studien kommen aber zum Schluss, dass die Littering-Problematik fortbesteht und es zu keiner nennenswerten Reduzierung der Kosten für die Beseitigung der Littering-Abfälle kam.

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Deshalb sprechen sich die Schweizer Recyclingorganisationen gegen das Pfand aus und setzen stattdessen mit ihrem freiwilligen Engagement direkt bei der gesellschaftlichen Unsitte des Littering an. Seit vielen Jahren schalten sie grosse Anti-Littering-Kampagnen, ihre Anti-Littering-Botschafter sind in verschiedenen Schweizer Städten unterwegs und klären Litterer vor Ort über den korrekten Umgang mit Abfall auf.

Millionenschweres Pfandsystem

Zu den ausbleibenden positiven Effekten eines Pfandes kämen horrende Kostenfolgen hinzu. Wie eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) belegt, würde nur schon der Aufbau eines Pfandsystems für PET-Flaschen Kosten in zweistelliger Millionenhöhe verursachen. Die jährlichen Betriebs- und Organisationskosten würden sogar weit über 100 Mio Fr. liegen.

Zu finanzieren hätten dies auch diejenigen Konsumentinnen und Konsumenten, die ihre Abfälle stets korrekt entsorgen. Der Recyclingbeitrag, der heute im Verkaufspreis jeder PET-Flasche enthalten ist, könnte sich verachtfachen.

Eine weitere Folge der Einführung eines Pfandsystems wäre die Zerstörung der heutigen Sammelsysteme, die bestens funktionieren und höchst erfolgreich sind. Sie sorgen für Recyclingquoten, die Spitzenwerte erreichen und sogar Länder mit Pfandregelungen übertrumpfen. Die Quoten für Aluminium und Glasflaschen liegen in der Schweiz bei weltrekordverdächtigen 91 bzw. 95%, bei PET-Flaschen bei 80%.

Ob diese Quoten mit einem Pfandsystem übertroffen würden, ist fraglich. Die bestehenden dichten Sammelstellennetze würden aufgelöst, Getränkedosen und Getränkeflaschen könnten nur noch bei den Verkaufsstellen zurückgebracht werden. Ausserdem würden den Gemeinden jährliche Entschädigungszahlungen für Dosen und Glasflaschen von mehr als 20 Mio Fr. entgehen.

Im Gegensatz dazu kann man PET-Flaschen heute dank der mehr als 20 000 freiwilligen Sammelstellen auch dort in den Sammelcontainer werfen, wo die Getränke konsumiert werden. Die Vorzüge dieses Recyclingsystems stossen im Ausland auf grosse Anerkennung. So schrieb die renommierte deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» kürzlich: «Dass es auch anders geht als in Deutschland, zeigt die Schweiz. Auch dort werden Einwegflaschen gesammelt. Ganz ohne Pfand, ohne Zählzentren, ohne Discounterbonus. Die Schweizer stellen einfach PET-Sammelbehälter auf: In ihren Büros, Parks und sogar auf ihren Berggipfeln. Ganz einfach - zu einem Viertel der Kosten.» Das soll auch in Zukunft so bleiben.