Ein Jahr nach dem Pferdefleischskandal berichtet der Tierschutzbund Zürich (TSB) noch immer von gequälten Pferden. An die Detailhändler Aldi, Avec, Denner, Migros und Spar richtet er deshalb die Forderung: Sie sollen nur Pferdefleisch aus Ländern importieren, welche die EU- und Schweizer Standards bezüglich Haltung, Transport und Schlachtung einhalten.

Vor einem Jahr berichtete der TSB über schlechte Bedingungen der Pferdefleischproduktion in den USA, Kanada, Mexiko und Argentinien. Neuste Kontrollen hätten ergeben, dass die Situation «unverändert inakzeptabel» sei, schreibt der TSB. Noch immer würden Pferde «systematisch gequält, vernachlässigt und nicht ausreichend versorgt».

Die rechtliche Einflussnahme auf die Produktionsländer in Übersee sei unrealistisch, schreibt der TSB. Er schlägt deshalb den Schweizer Detailhändlern vor, entweder ganz auf Pferdefleisch zu verzichten wie Volg und Lidl oder aber auf einen europäischen Lieferanten auszuweichen wie Coop.

Migros-eigener Pferdemastbetrieb

Wie eine Migros-Sprecherin auf Anfrage sagte, genügen die Bedingungen des heutigen Lieferanten in Kanada den Anforderungen des Tierschutzes tatsächlich nicht. Seit letztem Jahr baue man deshalb vor Ort einen neuen Pferdemastbetrieb auf, der im Sommer fertig sei.

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Interne Fachleute und externe Kontrollstellen würden prüfen, ob das Tierwohl den Anforderungen entspreche, heisst es in einer Mitteilung. Sollten die Vorgaben bezüglich Tierhaltung, Transport, Schlachtung und Rückverfolgbarkeit nicht erreicht werden, werde Migros «die Verbindung nach Kanada abbrechen».

Spar hat gemäss einer Mediensprecherin nach den Hinweisen vor einem Jahr Abklärungen getätigt und «keine gravierenden Mängel festgestellt». Aufgrund der neuen Vorwürfe sei nun der Pferdefleisch-Import bis auf weiteres gestoppt worden. Pferdefleisch sei ohnehin nicht im Standardangebot gewesen, sondern nur vier bis fünf Mal jährlich bei Aktionen verkauft worden.

Ein Sprecher von Aldi Suisse erklärte auf Anfrage, es werde «so bald als möglich und spätestens im Sommer 2014» ausschliesslich Pferdefleisch importiert, das von der unabhängigen Organisation SGS zertifiziert ist. Der kanadische Schlachthof Viande Richelieu werde dann eingehend, wiederkehrend und unangemeldet kontrolliert.

In den Avec-Läden werden gemäss einer Valora-Sprecherin in äusserst kleinem Umfang Pferdefleischprodukte verkauft, die von der Skin Packing SA geliefert werden. Seit letztem Februar seien vor Ort verschiedene Kontrollen durchgeführt worden, um zu garantieren, dass die Tiere gut behandelt werden.

Einer der grössten Importeure kanadischen Pferdefleisches ist die Basler GVFI International, gegen die der Tierschutzbund Zürich in einem anderen Fall Ende 2013 Anzeige eingereicht hatte. Dabei geht es um gestohlene Pferde, die im Schlachthof landeten.

(sda/chb)