Der US-Pharmariese Pfizer ködert den britischen Rivalen AstraZeneca mit der Aussicht auf eine erneute Aufstockung seiner 106 Milliarden Dollar schweren Übernahmeofferte. Zum Beginn der zweitägigen Anhörung von Pfizer-Chef Ian Read vor britischen Parlamentariern rief der amerikanische Konzern die AstraZeneca-Führung erneut zu Gesprächen auf. Diese könnten dazu beitragen, «optimale Abschlussbedingungen» zu erzielen.

AstraZeneca reagierte kühl: Die Erklärung des Viagra-Herstellers enthalte keinen neuen Vorschlag. Konzernchef Pascal Soriot ergänzte allerdings, sollte ein überzeugendes Angebot auf den Tisch kommen, sei er verpflichtet, sich dieses auch anzuschauen. Das bisherige lehnt das Management der Briten als zu niedrig ab und begründet dies mit vielversprechenden künftigen Medikamenten.

Pfizer-Chef Read schloss auch eine feindliche Übernahme nicht aus. Als nächster Schritt stünden ihm verschiedene Optionen zur Verfügung. Ein wichtiges Motiv für die angestrebte Fusion sei die höhere Schlagkraft des kombinierten Unternehmens in einem immer härteren Wettbewerb. Nennenswerte Hindernisse durch Wettbewerbshüter sehe er in keinem Land, fügte er hinzu.

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An der Londoner Börse verteuerten sich AstraZeneca-Aktien in der Hoffnung auf ein höheres Angebot um 0,7 Prozent auf gut 46 Pfund. Damit notieren sie deutlich unter der bisherigen Offerte von 50 Pfund je Aktie. Insidern zufolge dürfte es nach der Anhörung noch diese Woche ein neues Angebot geben.

Kommen neue Medikamente zu spät auf den Markt?

Pfizer hat es Experten zufolge vor allem auf neue Krebsmittel von AstraZeneca abgesehen. Die Briten verweisen auf eine Reihe von Studienergebnissen, die die Eigenständigkeit und die guten Aussichten des Konzerns unterstreichen sollen. AstraZeneca-Chef Soriot sagte, durch die Übernahmeschlacht werde die Forschung gestört und lebensrettende Mittel könnten später auf den Markt kommen. «Was werden wir Menschen sagen, deren Vater zum Beispiel an Lungenkrebs gestorben ist, weil es bei einem unserer Medikamente Verspätungen gab?» Kostensenkungen und Steuerersparnisse seien im Vergleich dazu nicht wichtiger.

Weiterhin starke Vorbehalte

Auf der Insel gibt es starke Vorbehalte gegen Pfizers Pläne. Die Übernahme wäre die grösste eines britischen Unternehmens durch einen Käufer aus dem Ausland. Das Vorhaben schürt Ängste vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und einer Schwächung der britischen Pharmaforschung. Dem begegnete der New Yorker Konzern bisher mit einer Reihe von Beschäftigungs- und Standortversprechen. Der britische Wirtschaftsminister Vince Cable sagte, sie müssten bedeutend und verbindlich sein, sonst könnte die Regierung einschreiten. Pfizer hatte zuletzt zugesagt, im Falle einer Annahme der vorliegenden Offerte AstraZenecas Forschungszentrum in Cambridge fertigzustellen, an einem Werk in Nordwesten Englands festzuhalten und ein Fünftel des Forschungspersonals in Grossbritannien zu beschäftigen.

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Auch die Parlamentarier dringen auf verbindliche Festlegungen. Der Abgeordnete Willie Bain verwies auf Stellenstreichungen und Geschäftsverkäufe von Pfizer nach Übernahmen in der Vergangenheit. Die grösste britische Gewerkschaft schaltete eine Anzeige in der führenden Gratiszeitung des Landes mit der Warnung, Pfizer sei das «falsche Rezept für Grossbritannien».

Die Parlamentarier können Firmenzukäufe zwar nicht blockieren. Aber ihre Befragungen beeinflussen mitunter die öffentliche Meinung. Das haben etwa Banken, Energiekonzerne und der Medien-Mogul Rupert Murdoch bereits deutlich zu spüren bekommen. Ein zweiter Ausschuss kommt am Mittwoch zusammen. Dann soll es vor allem um die wissenschaftlichen Aspekte des möglichen Deals gehen.

(reuters/chb)