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Pharma- und Spitallogistik: Versorgung vor Verdienst

Zulassungen: 2010 waren in der Schweiz insgesamt 8618 Human- und Tierarzneimittel zugelassen.

Im Gesundheitswesen gefährdet die maximale Optimierung derWertschöpfungskette die Verfügbarkeit von Medikamenten.

Von Roberto Stefano
am 05.09.2012

Seit mehreren Monaten kämpfen die Spitäler in der Schweiz mit Lieferengpässen bei Medikamenten. Die Gründe hierfür sind vielfältig und nicht auf die Schweiz beschränkt. So erhöht beispielsweise die deutlich steigende Nachfrage aus den Schwellenländern den Bedarf an nicht immer einfach herzustellenden Präparaten. Gleichzeitig brachte das Aufkommen von Generika die Preise für Medikamente, deren Patent abgelaufen ist, zum Einstürzen. Für die Pharmakonzerne fehlt dadurch der ­Anreiz, für diese Produkte die Kapazitäten zu erhöhen. Daneben ist, als Reak­tion auf den steigenden Kostendruck im ­Gesundheitswesen, in der Pharma­industrie eine starke Optimierung der Wertschöpfungskette zu beobachten. Dies macht zwar für die Unternehmen betriebswirtschaftlich Sinn, kann aber die Versorgungssicherheit gefährden, wenn es nur in einem einzigen Glied der Lieferkette zu einem Ausfall kommt.

Angesichts der zunehmenden Engpässe bei Medikamenten ertönt deshalb vermehrt die Forderung nach einer verbesserten Verfügbarkeit zulasten der stetigen Optimierung. Nicht nur in der Schweiz, auch in Amerika oder in der EU beraten die Behörden darüber, wie sie eine genügende Versorgungssicherheit bei Medikamenten erreichen können.

Eine Möglichkeit zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen besteht in einer verbesserten Pharma- und ­Spitallogistik. So sieht beispielsweise Jean-Claude Clémençon, Leiter Logistik bei der Galenica-Gruppe, nach wie vor ­Optimierungsmöglichkeiten in den Logistikprozessen, welche die Verfügbarkeit der Medikamente nicht tangieren.

Erhebliches Sparpotenzial besteht laut Expertenumfragen auch in der Spitallogistik. Auf rund 2,6 Milliarden Franken schätzt der auf Standardisierung spezialisierte Fachverband GS1 die Einsparungen im Gesundheitswesen, die alleine durch eine verbesserte Koope­ration zwischen den verschiedenen ­Akteuren zu erzielen wären. Dies, obschon die Logistikprozesse in den Kliniken bereits heute sehr effizient ausgestaltet sind. Eine weitere Automatisierung der Abläufe, die darüber hinaus zur Kostenreduktion beitragen könnte, scheitert aber oftmals an fehlenden ­gesetzlichen Rahmenbedingungen oder am Widerstand des Personals in den Spitälern.

Fraglich ist allerdings auch, wie ein erhöhter Automatisierungsgrad im ­Gesundheitswesen in der Bevölkerung überhaupt Anklang finden würde. Denn wie die Abstimmung zur Managed-Care-Vorlage gezeigt hat, hängt diese noch immer stark am Status quo und ist auch bereit, dafür die Kosten zu tragen.

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