Phoenix Mecano hat den grössten Einbruch in der Firmengeschichte hinter sich. Ist der Turnaround geschafft?

Benedikt Goldkamp: Die vorläufigen Zahlen, die wir bereits präsentiert haben, zeigen deutlich, dass das Unternehmen wieder Wert generiert. In einem schwierigen Marktumfeld hat Phoenix Mecano eine ordentliche Leistung erbracht.

Was heisst ordentlich?

Goldkamp: Wir sind aus einem Loch herausgekommen und haben die Verbesserung mit Dynamik erwirken können, und zwar in allen Sparten des Unternehmens. Auch wenn wir in vielen Bereichen noch nicht bei unserem Potenzial angekommen sind, betrachte ich die Leistung als einen Meilenstein.

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Inwieweit haben die 2003 eingeleiteten Massnahmen zur Kostenreduktion dabei geholfen, Phoenix Mecano aus der Krise zu führen?

Goldkamp: Es ist uns gelungen, in erster Linie durch den operativen Erfolg, die Nettoverschuldung von 93 auf 61 Mio Euro zu reduzieren. Wir haben aber auch tatsächliche Restrukturierungen durchgeführt und unsere internen Abläufe verschlankt, unprofitable Produktlinien aussortiert und auch Wertschöpfung ausgelagert.

Verstehen Sie unter Kosten einsparen auch Verlagerungen vor allem weiter Richtung Osten, wie es Phoenix Mecano auch in der Vergangenheit immer wieder getan hat?

Goldkamp: Mit gewissen Abstrichen. Eine Produktionsverlagerung von Frankreich oder Deutschland beispielsweise Richtung Ungarn ermöglicht einem Unternehmen heute ein Einsparungspotenzial beim Lohn um den Faktor sechs. Geht man nun weiter Richtung Osten, so ermöglicht dies nochmals eine Lohnkostenreduktion um den Faktor zwei oder drei; aber von einer sehr viel niedrigeren Basis. Das heisst, nicht bei allen Produktionsschritten, die bereits eine Verlagerung erfahren haben, kommt es automatisch zu einer weiteren Verschiebung. Es hängt grundsätzlich davon ab, wie lohnintensiv ein Fertigungsschritt ist.

Es ist aber schon so, dass auch Phoenix Mecano heute Produktionskapazitäten in Asien aufbaut.

Goldkamp: Das eine schliesst das andere nicht aus. Neben Kostenerwägungen für manuelle Arbeit geht es hier aber vor allem auch darum, dass eine lokale Produktion dort wichtig wird, wo es sich um die Erschliessung neuer Märkte handelt. Diese beiden Faktoren haben dann auch dazu geführt, dass wir zum Beispiel eine Tochtergesellschaft in Schanghai aufgebaut haben, wo wir diese Woche unsere erste Fabrik einweihen.

Wie viel Kosten muss Phoenix Mecano pro Jahr einsparen?

Goldkamp: Im Komponentengeschäft muss Jahr für Jahr ein Preiszerfall mit einkalkuliert werden, der im Schnitt bei 2 bis 3% liegt. In Rezessionsjahren können es für bestimmte Produkte durchaus auch einmal 7 bis 10% sein. Dabei spielt dann auch eine Rolle, wie sich das Währungsgefüge verschiebt, ob also der Wettbewerb eher aus dem Dollarraum oder aus Euroland kommt und den Markt beeinflusst.

Es dürfte aber allgemein schwieriger werden, diesen Preiszerfall längerfristig alleine über Kostenanpassungen auszugleichen.

Goldkamp: Kosteneinsparungen sind das eine. Aber wir versuchen, Preisanpassungen natürlich auch über Volumensteigerungen auszugleichen. Das Schöne ist dabei, dass der Trend zum Outsourcing für uns als Zulieferer automatisch eine gewisse Volumensteigerung beinhaltet. Was allerdings nicht heisst, dass durch eine Volumensteigerung gleichzeitig auch der Umsatz steigt.

Nun führen Preisanpassungen oder Volumensteigerungen allerdings noch nicht automatisch dazu, dass sich die Margen verbessern lassen.

Goldkamp: Volumensteigerungen führen im Normalfall zu erhöhten Margen. Wir befinden uns aber heute noch nicht wieder auf dem Niveau des Jahres 2000. Allerdings rechnen wir für dieses Jahr schon damit, dass wir solche Volumensteigerungen wieder erzielen können, womit auch die Margen wieder ansteigen werden.

Im vierten Quartal lag das Auftragsvolumen 10% über der entsprechenden Vorjahresperiode. Mit welcher Umsatzsteigerung rechnet Phoenix Mecano im laufenden Jahr?

Goldkamp: Wir gehen von einem mittleren einstelligen Umsatzwachstum aus. Sollte sich allerdings die Investitionsgüterindustrie im laufenden Jahr weiter erholen, so könnten wir durchaus auch im hohen einstelligen Bereich liegen.

Könnten es auch 10% sein?

Goldkamp: 10% sind nicht auszuschliessen. Aber das wäre dann schon ein sehr schönes Jahr.

Was heisst dies für die Ertragsseite?

Goldkamp: Wir gehen davon aus, dass wir den Ertrag überproportional zum Umsatzvolumen steigern werden.

Mit anderen Worten: Wenn es der Maschinen- und Elektroindustrie 2004 besser geht, wird Phoenix Mecano überproportional profitieren?

Goldkamp: Wir werden profitieren. Annähernd zwei Drittel unserer Aktivitäten laufen in diesen Bereichen. Aber nicht derjenige, der die optimistischsten Prognosen abgibt, gewinnt am Ende den ersten Preis.

Haben Sie denn die Benchmark, die bei Phoenix Mecano früher bei einer Ebit-Marge von 14 bis 15% lag, nach unten korrigiert?

Goldkamp: Bei der Elektrotechnik, wo der Wettbewerb aus Asien im Preisgefüge zu gewissen Abstrichen geführt hat, ist davon auszugehen, dass wir bei entsprechender Konjunkturentwicklung auch wieder in diese Margen-Regionen vordringen können. Im Gehäusebereich, der rund ein Drittel unseres Umsatzes ausmacht, liegen wir übrigens bis heute in der Grössenordnung der goldenen 90er Jahre.

Wie kompensiert Phoenix Mecano den Druck von Fernost im Bereich der elektrotechnischen Komponenten?

Goldkamp: Indem wir Produktion in diese Länder auslagern.

Kann man damit sagen, dass die Währungssituation heute als grösster Verlagerungstreiber wirkt?

Goldkamp: Wenn sich der Dollar weiter auf dem heutigen Niveau bewegt, dann kann man dies so sagen. Längerfristig gibt es dann keine andere Hedging-Form, als in Länder mit günstigerer Währungssituation zu gehen. In entsprechender Richtung laufen unsere Aktivitäten.

Welche Auswirkungen hat denn der Dollareffekt ganz generell für Phoenix Mecano?

Goldkamp: Da unser Umsatzanteil im Dollarraum nur knapp 20% beträgt, spüren wir die Auswirkungen zum Glück nicht so stark wie andere. Auf der anderen Seite haben aber auch wir eben aus Kostengründen einen Teil unserer Produktion in diese Länder verschieben müssen. Es bleibt heute immer noch für uns eine Dollardifferenz von rund 8 Mio übrig, die wir jedoch mittelfristig durch weitere Produktionsverlagerungen kompensieren können.

Welche Ziele haben Sie sich für Phoenix Mecano gesetzt?

Goldkamp: Aus den provisorischen Zahlen, die wir für 2003 abgeliefert haben, leitet sich eine Ebit-Marge von gut 7% ab. Für 2004 werden wir zwar voraussichtlich noch keine zweistellige Ebit-Marge erreichen. Aber wir wollen diesem Ziel näher kommen, sodass wir 2005 auch wieder eine zweistellige Marge für den Gesamtkonzern ausweisen können.

Die Rede war bisher vor allem von organischem Wachstum. Wie steht es mit Akquisitionen?

Goldkamp: Akquisitionen sind immer ein Thema. Wobei wir uns als Unternehmen immer bemüht haben, nicht mehr abzubeissen, als wir auch kauen, schlucken und verdauen können. Von der Eigenkapitalquote, der Nettoverschuldung und dem Cashflow her sind wir aber sicherlich in der Lage, auch wieder Akquisitionen zu tätigen. Aber wir wollen uns dabei nicht unter Druck setzen.

Ist auch eine grössere Akquisition denkbar?

Goldkamp: Mehr im Sinne einer Ergänzung. Generell gibt es für ein Unternehmen unserer Grösse aber immer wieder Gelegenheiten, da unsere klassischen Akquisitionsziele vor allem in privater Hand sind, die dann häufig wegen Nachfolgeregelung auf den Markt kommen. Aber dann muss das Timing stimmen. Wenn jemand in Rente geht, dann müssen wir uns natürlich rechtzeitig dort positionieren.


Profil: Steckbrief

Name: Benedikt Goldkamp

Geboren: 29. Januar 1969

Wohnort: Lufingen

Familie: Verheiratet, drei Kinder

Karriere:

1992-1993 Auditor KPMG

1993-1994 Produktmanager Phoenix Mecano USA

1996-1997 Berater McKinsey

1998-1999 Geschäftsführer Phoenix Mecano Ungarn

1999-2000 Geschäftsführer PTR (Stecker und PCB-Terminals)

2000 Mitglied der Geschäftsleitung Phoenix Mecano AG

seit 1.7.2001 Delegierter des Verwaltungsrates Phoenix Mecano


Phoenix I Letzter Kurs: Fr. 428

(in Mio Euro) 2003 2002 %

Umsatz 326 320 2

Ebitda* 44 28 56

Reingewinn* 14 38

Cashflow* 35 19 88

* Schätzung LODH

Fazit: Phoenix Mecano hat die Erwartungen der Analysten fürs letzte Jahr nicht erfüllen können. Es war mit einem höheren Reingewinn gerechnet worden. Nach dem starken Anstieg des Titels im Vorjahr (über 130%) ist die Luft im Moment draussen.


Phoenix Mecano: Zurück in der Gewinnzone

Phoenix Mecano besteht aus vier Geschäftseinheiten, die zum einen elektrotechnische und mechanische Komponenten herstellen und zum anderen im Bereich Gehäusetechnik und im Contract Manufacturing tätig sind. Wichtigster Abnehmer ist die Maschinenindustrie. Nach einem Verlust im Jahr 2002 wird die Unternehmensgruppe aller Voraussicht nach für 2003 wieder einen Ebit von 23 Mio Euro ausweisen können. Definitive Zahlen wird die Gesellschaft im April präsentieren.

Rund 85% des Umsatzes von 326 Mio Fr. im Jahr 2003 erzielt Phoenix Mecano nach wie vor in Europa. Wichtigster Abnehmer ist die Maschinenindustrie. 10% des Umsatzes werden im Telekom-Zulieferer-Business erwirtschaftet.