«Das wird ein schöner Ausflug», meint Phonak-Chef Valentin Chapero ironisch zu seinen Reiseplänen am Schweizer Nationalfeiertag. Am 1. August wird er ins deutsche Düsseldorf reisen, um dort dem Oberlandesgericht zu erklären, weshalb er die dänische Konkurrentin GN Resound immer noch kaufen will. Diese Akquisition hat das deutsche Bundeskartellamt verboten. Die Schweizer Hörgeräteherstellerin hat das Urteil angefochten.
Wird die Transaktion nun ein zweites Mal verboten, dürfte sie Phonak endgültig abblasen. Für Chapero kein Problem: «Wir können auch ohne GN Resound weiterhin zweistellig wachsen.» Damit bestätigt er die Ziele des laufenden Geschäftsjahres 2007/08. «Da sind wir absolut auf Kurs», sagt er. Auch an der Börse erwartet Chapero keine grösseren Ausschläge des Kurses: «Wir haben eine Art natürliche Absicherung: Dürfen wir GN Resound nicht kaufen, werden wir wahrscheinlich ein Aktienrückkaufprogramm starten», sagt er.

*Hilfe für Schiedsrichter*
Auch wenn die weitere Entwicklung und die Marktanteilsgewinne bei den Hörsystemen weiterhin im Vordergrund bleiben sollen - Chapero hat bereits zusätzliche Wachstumstreiber identifiziert. Erstens die drahtlose Kommunikation: Phonak hat bereits zahlreiche Schiedsrichter des Weltfussballverbandes Fifa oder die Crew der Schweizer Segelyacht «Alinghi» mit solchen Kommunikationslösungen ausgestattet. «Diese Produkte könnten in Zukunft auch im Polizei- und Sicherheitsbereich zur Anwendung kommen», sagt er.
Zweitens will sich Chapero stärker um den individuellen Gehörschutz kümmern. In diesen Bereich ist Phonak 2006 eingestiegen. «Mittlerweile haben schon viele grosse Schweizer Unternehmen mit lärmigen Arbeitsplätzen solche Produkte von uns», sagt er.

*Kleine Akquisitionen möglich*
Diese Geschäfte wird das Unternehmen, das im Geschäftsjahr 2006/07 einen Umsatz von rund 1,1 Mrd Fr. erzielte, allein aufbauen müssen, da es auf dem Markt keine vergleichbaren Technologien gibt. «Kleinere Zukäufe sind trotzdem möglich, damit Phonak künftig alle Bereiche des Hörens abdecken kann», sagt Chapero.
Solche Prognosen erfreuen die Investoren: Die Aktie steht mit über 120 Fr. auf einem Allzeithoch. Seit Beginn dieses Jahres hat der Titel um 24% zugelegt, seit dem Börsengang im Jahre 1998 sogar um satte 950%.
Ab dem 1. August 2007 werden sich die Aktionäre an einen neuen Firmennamen gewöhnen müssen. Der Konzern wird neu Sonova heissen. Das soll einen klaren Unterschied zwischen der Hörgerätemarke «Phonak» und der dahinter stehenden Holding ermöglichen. Das Tickersymbol von Sonova wird «SOON» heissen.
Die Umstellung des Firmennamens ist nicht ganz billig: Sie wird «einige hunderttausend Franken» kosten, ergänzt Chapero.

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