AUSSTELLUNG.

Mit einer fulminanten Picasso-Ausstellung verabschiedet sich Museumsleiter Andreas Meier nach vier Jahren vom Seedamm-Kulturzentrum in Pfäffikon SZ. Gezeigt werden 20 Originalwerke (darunter 13 Ölgemälde) und 170 Radierungen, Linolschnitte und Lithografien – allesamt Hauptwerke der Picasso-Sammlung aus dem Sprengel Museum in Hannover. Bernhard Sprengel, der nach dem Tod seines Vaters 1940 Inhaber und Geschäftsführer der Schokoladefabrik Sprengel & Co. wurde, hatte sich damals, den Zeitumständen zum Trotz, für «entartete» Kunst engagiert und nach dem Krieg systematisch eine Kunstsammlung von Beckmann bis Picasso aufgebaut.

Ungebrochene Popularität

Der Erfolg von Pablo Picasso ist auch 35 Jahre nach seinem Tod ungebrochen. Während andere Visionäre wie Marcel Duchamp oder Wassily Kandinsky nie wirklich populär waren, verkörpert Picasso bis heute den Inbegriff des erfolgreichen Malers des 20. Jhs. Trotz unzähliger Reproduktionen haben seine Werke nichts von ihrer Faszination eingebüsst. Seine Fähigkeit, mit einem einzigen Strich Neues zu kreieren, ist unerreicht geblieben.Hauptthema und gleichzeitig das Rückgrat der Schau bildet die Druckgrafik, die ein eigenständiges Werk innerhalb von Picassos Gesamtœuvre mit Malerei, Plastik und Keramik darstellt. Die Originalwerke aus sämtlichen Schaffensabschnitten erlauben einen interessanten Vergleich zwischen Malerei und Druckgrafik. Die grossen Themen des Künstlers – Maler und Modell, das Frauenporträt, der Stierkampf, mythologische Szenen, Stillleben und Paraphrasen zur Kunst – sind in umfassenden Werkgruppen vertreten. Der Besucher begegnet der ausserordentlichen Stilvielfalt eines Künstlers, der sich in den gleichen Themen immer neu gewandelt und erfunden hat. «Kontinent Picasso» – so hat der Kunsthistoriker Werner Spies das immense Werk von über 10000 Gemälden, 50000 Zeichnungen und über 3000 druckgrafischen Blättern bezeichnet. Die Auseinandersetzung damit geschieht heute meist über eine bestimmte Schaffensperiode oder ein Thema. Noch immer bildet dabei die vielfältige Druckgrafik einen attraktiven Zugang zum Gesamtwerk«Le repas frugal» von 1904 steht am Anfang des Druckgrafik-Werkes des damals 23-jährigen Künstlers. Es entstand, als sich Picasso mit seiner ersten Pariser Ausstellung und der anschliessenden Stilphase der blauen Periode bereits einen Namen gemacht hatte. Seinen frühen malerisch-plastischen Stil gab er jedoch bald zugunsten eines linearen Stils auf. Zu den wenigen weiteren frühen Bildern, die ausgestellt sind, gehört auch das Meisterwerk «Trois femmes» (1908) aus Picassos früher kubistischer Periode.

Berühmte Radierungsfolgen

Bis in die 20er und 30er Jahre beschäftigte sich Picasso mit dem Kupferstich, mit der Radierung, Aquatinta und weiteren Tiefdrucktechniken. Dreimal hat der Galerist und Verleger Ambroise Vollard eine grössere Anzahl von Platten zu einem Zyklus zusammengefasst und ediert, so die «Suite des Saltimbanques», die Suite zu Balzacs «Lœuvre inconnu» und schliesslich die berühmten 100 Blätter der «Suite Vollard», entstanden von 1930 bis 1937 und herausgegeben 1939, kurz vor dem Tod des Verlegers, den Picasso in der Suite porträtiert hat. Von dieser Suite sind nun rund 25 Blätter zu sehen.In den 40er und 50er Jahren zog der Künstler die Lithografie den Tiefdrucktechniken vor; ab 1960 experimentierte er auf ganz neue Weise mit dem mehrfarbigen Linolschnitt. Die Schau verzichtet auf eine strenge Chronologie, sondern gruppiert die Themen innerhalb verschiedener Zeitabschnitte. Gleich zu Beginn steht der Besucher zuerst dem Schaffen des bereits über 80-Jährigen gegenüber: Ihn empfängt eine mehrfach überarbeitete Serigrafie «Der Maler» (1964), die in die immer wieder variierte Maler-und-Modell-Thematik gehört. In den späten Grafiken verschmilzt die Maler-und-Modell-Thematik mit der Gauklerthematik. Mittendrin, meist nur klein und in ironischer Selbstdarstellung, der bereits 87-jährige Künstler. Picassos Lebensbejahung liess ihn bis ins hohe Alter kreativ bleiben. Die bis zuletzt anhaltende, technisch-gestalterische Neufindung macht sein Werk dabei so spannend.

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