Die Erwartungen vor der Veröffentlichung der ersten Zahlen in der 209-jährigen Geschichte von Pictet waren hoch. Die Traditionsbank aus Genf hatte sich Anfang Jahr wie drei andere Schweizer Privatbanken eine neue Rechtsform gegeben. Und hat nun als Kommanditaktiengesellschaft zum allerersten Mal einen Geschäftsbericht veröffentlicht. Ein «historischer Schritt» in der Welt der Privatbanken – schrieb das amerikanische Newsportal «Business Insider» im Vorfeld.

Die neue Geschäftsform bedeute sicherlich eine radikale Änderung für die betroffenen Privatbanken, bestätigt Credit-Suisse-Analystin Christine Schmid. «Wahnsinnig viel kann man aus dem Bericht aber nicht herauslesen», so die Expertin. Anders als bei börsenkotierten Firmen müssen die Ergebnisse nämlich weiterhin nicht nach IFRS-Standards ausgewiesen werden. Es ist deshalb klar, dass der Bericht mit 41 Seiten vergleichsweise dünn ausfiel.

Kleiner Einblick in ein verschwiegenes Geschäft

Interessant sind die Grundzahlen trotzdem. Betreute Vermögen in der Höhe von 404 Milliarden Franken, Gesamterträge von 975 Millionen und ein Reingewinn von 203 Millionen Franken.  Zum ersten Mal überhaupt erhält die Öffentlichkeit einen Eindruck von der Grösse der verschwiegenen Bankengruppe mit weltweit mehr als 3000 Mitarbeitenden.

Experten sind sich einig: Die Pictet-Gruppe ist keine Überbank und liegt mit in ihrer Grösse und Kostenstruktur im Bereich anderer Privatbanken wie etwa Julius Bär. «Pictet ist eine irdische Bank mit irdischen Problemen», kommentierte beispielsweise die NZZ und verweist auf den Mythos der sich in der langen Geschichte um die Bank gebildet hatte.

Andere Privatbanken folgen dem Beispiel

Ähnlich sieht dies auch Analystin Schmid. «Pictet ist eine ganz normale Privatbank mit guter Kapitalisierung und tendenziell eher hohen Lohnkosten, was aber nicht weiter überraschend ist.» Weder die gute Eigenkapitalquote von 21,7 Prozent, noch das eher hohe Kosten-Ertrags-Verhältnis von 75 Prozent seien aussergewöhnlich für die Bereiche, in denen Pictet geschäftet.

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Der Bericht von Pictet steht, so dünn er auch sein mag, am Anfang einer neuen Transparenz bei den Privatbanken. Am Donnerstag wird auch die 1796 gegründete Lombard Odier zum ersten Mal einen Geschäftsbericht veröffentlichen. Mirabaud und LaRoche, die sich ebenfalls eine neue Rechtsform gegeben haben, könnten schon bald folgen.

Transparenz als Preis für Sicherheit

Hintergrund für die Umwandlung der vier Privatbanken ist offenbar der Steuerstreit mit den USA. Die nach dem Partnermodell geführten «echte Privatbanken» haben damit die Konsequenzen aus dem Fall Wegelin gezogen. Damals hatte sich gezeigt, dass Banken in der Form von Kommanditgesellschaften mit voll mit Privatvermögen haftenden Gesellschaftern durch ausländische Gerichtsverfahren existenziell bedroht sein können.

Als Kategorie-1-Bank muss Pictet in den USA mit einer hohen Busse rechnen. Die Form der Kommanditaktiengesellschaft biete der Bank zusätzlichen Schutz, erklärt Rechtsprofessor Luc Thevenoz gegenüber Business Insider. «Doch der Preis dafür ist mehr Transparenz».