Nur wenig wusste man bislang. In Stans wurde jahrelang  unter grösster Geheimhaltung am Projekt gearbeitet. Und so stieg die Spannung in der Branche immer weiter. Das neue Modell werde PC-24 heissen, ein Businessflieger sein und einen Düsenantrieb aufweisen, verrieten die Pilatus Flugzeugwerke bisher nur. Nun lüfteten sie endlich das Geheimnis. An der Ebace, der weltgrössten Messe für die Geschäftsfliegerei in Genf, stellten sie den PC-24 heute nun erstmals der Öffentlichkeit vor.

Der neue Flieger aus Schweizer Produktion wird vier bis sechs Passagieren Platz bieten. Er wird bis 13'700 Meter hoch und 787 Kilometer pro Stunde schnell fliegen können. Gerade diese Geschwindigkeit ist für Geschäftsreisende wichtig, da sie möglichst schnell ans Ziel kommen müssen. Das bisherige Businessmodell von Pilatus, der PC-12, erreicht nur 520 Stundenkilometer. Und er hat einen Düsenantireb - eine Premiere für Pilatus. Alle anderen Modelle der Stanser sind Propellerflieger.

Absetzen auf 820 Metern

Doch der PC-12 und der PC-24 haben auch Gemeinsamkeiten: Der neue Düsenflieger für Businessleute kann ebenfalls auf extrem kurzen Pisten landen und starten - ein Merkmal aller Pilatus-Flieger. Zum Abheben braucht der PC-24 1350 Meter, zum Absetzen nur 820 Meter. Zudem kommt er auch auf unebenen, nicht asphaltierten Landebahnen zurecht. So kann er nach Angaben von Pilatus auf 21'000 Flugplätzen weltweit landen. «Das kann kein anderer Businessjet», so Pilatus. Der PC-24 fliegt 3600 Kilometer weit.

Als weitere Verkaufsargumente bringt Pilatus den grossen Frachtraum sowie die geräumige Kabine vor. Den Inneraum nennt der Hersteller «ein Penthouse auf der 5000. Etage». Extragrosse Fenster, erlesene Materialen und eine hohe Kabinendecke sollen das Reisen für die Manager angenehmer machen.

Das Schicksal des letzten Schweizer Jets

Es ist das erste Mal seit mehr als sechzig Jahren, dass in der Schweiz mit dem PC-24 wieder ein Düsenflugzeug hergestellt wird. Ein letzter unglücklicher Versuch fand 1948 statt. Damals schrieb das Eidgenössische Militärdepartement die Entwicklung eines neuen Schweizer Kampfflugzeuges aus. Die Flugzeugwerke Emmen starteten daraufhin das Projekt N. 20, die Flug- und Fahrzeugwerke FFA begannen, an ihrem P-16 zu arbeiten.

Schon nach fünf Jahren gaben die Flugzeugwerke Emmen auf. In Altenrhein machte man weiter und startete 1955 zum ersten Testflug. Es lief zuerst gut. Beim 22. Flug jedoch versagte die Treibstoffzufuhr und die Testmaschine stürzte in den Bodensee. Die FFA Altenreihn gaben dennoch nicht auf. Die Armee bewertete den Düsenflieger denn auch als gut, das Parlament bestellte 100 Stück. Doch wenig später stürzte erneut eine Testmaschine in den See - damit war das Projekt am Ende.

Immerhin etwas vom P-16 überlebte: Die Charakteristika der Flügel flossen in den Learjet ein - dem ersten Businessflieger überhaupt. Heute wird er von Bombardier gebaut. Er ist nach wie vor ein Kassenschlager. Den Learjet wird Pilatus mit seinem PC-24 direkt konkurrieren.

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