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Justiz
Pilotprozess gegen Hacker in der Schweiz

Farid Essebar (m.): Erfinder des sogenannten Zotob-Wurms. Keystone

Die Schweiz klagt in einem Pilotprozess drei Hacker wegen weltweiter Phishing-Attacken an. Die Täter hatten Schweizer Banken im Visier. Einer von ihnen ist ein global bekannter Cyberkrimineller.

Von Christian Bütikofer
am 23.08.2016

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat drei Hacker wegen des Raubs von mehr als hunderttausend Kreditkarten angeklagt. Es ist der erste Prozess gegen weltweiten Datenraub dieser Art in der Schweiz. Die Beschuldigten sollen mit gefälschten E-Mails, Webseiten und Kurznachrichten Kreditkartendaten erbeutet haben. Allein in der Schweiz geht es dabei um einen Schaden von mehreren Millionen Schweizer Franken, sagte eine mit dem Fall vertraute Person gegenüber handelszeitung.ch.

Einer der beschuldigten Hacker ist ein bekannter Cyberkrimineller: Es handelt sich um Farid Essebar, den Erfinder des sogenannten Zotob-Wurms, wie handelszeitung.ch von mit dem Fall vertrauten Personen weiss. Der Computerwurm Zotob hatte vor einigen Jahren in grossem Stil Schaden bei Firmen, Behörden und Privatnutzern angerichtet. Der Wurm legte diverse Computer von CNN, dem Flughafen San Franciscos, der New York Times oder Microsofts lahm. Essebar wurde damals vom FBI in Marokko aufgegriffen und später von den zuständigen Behörden zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Schweizer Banken als Ziel

In der Schweiz wurde der gebürtige Marokkaner, der einen russischen Pass besitzt, seit 2011 gesucht. In jenem Jahr soll er in ein Schweizer Internetbanking-System eingedrungen sein und beträchtlichen Schaden angerichtet haben. Das berichtete die «Bangkok Post» bei seiner Verhaftung. Kurz darauf wurde ein weiterer Marokkaner - Yassine Gharib - in Thailand auf Ersuchen der Schweiz verhaftet.

Im jetzigen Prozess werden Essebar und die zwei Mitangeklagten beschuldigt, sie hätten mindestens 133'600 Kreditkartendaten weltweit unrechtmässig beschafft und gewerbsmässig missbraucht. Sie waren seit Oktober 2009 bis zu ihren Verhaftungen 2014, respektive 2015 aktiv. Die Tätergruppierung hat sich ihren Lebensunterhalt mit der unrechtmässigen Beschaffung von Kreditkartendaten sowie deren missbräuchlichen Verwendung via Internet verdient, schreibt die Bundesanwaltschaft.

Das Strafverfahren ist in der Schweiz ein Pilotverfahren. Es ist das erste Mal, dass hier gegen weltweit aktive Täter Anklage eingereicht wird, die sich während der Taten physisch nicht in der Schweiz aufgehalten haben. Betroffen sind Kreditkarteninhaber weltweit sowie Schweizer Geldinstitute. Die drei Beschuldigten wurden in der thailändischen Hauptstadt Bangkok verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert. Alle drei Angeklagten befinden sich im vorzeitigen Strafvollzug.

Sicherheitslücke bei Microsoft

Für Essebar ist die Erfahrung im Gefängnis ein Déjà-Vu: Der Hacker mit dem Pseudonym «Diab10» schaffte es bereits 2005 weltweit zu Bekanntheit, als er als Programmierer des Computerwurms Zotob enttarnt wurde.

«Zotob» griff über eine Sicherheitslücke Windows-Rechner an und wurde von einem Ring von Kreditkartenschwindlern namens «0x90 Team» in Auftrag gegeben. Nach erfolgreichem Angriff wurden die Computer in ein so genanntes Botnetz integriert, das für zahlreiche kriminelle Aktivitäten verwendet wurde.

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