Die US-Tochter Pimco bleibt eine der grössten Baustellen im Allianz-Konzern. Obwohl Privatanleger und grosse Fonds zu Jahresbeginn rund um den Globus viel Geld anlegen, verliert die auf Anleihen spezialisierte Investmentgesellschaft weiter an Boden. Allein im ersten Quartal gab es bei ihr Mittelabflüsse von 68 Milliarden Euro, wie die Allianz am Dienstag mitteilte. Das bremst die Vermögensverwaltung, die jahrelang der Wachstumstreiber bei Europas grösstem Versicherer war. Und das dürfte auch den neuen Allianz-Chef Oliver Bäte umtreiben. Er hat das Ruder vor wenigen Tagen vom langjährigen Konzernlenker Michael Diekmann übernommen und arbeitet nun an einer strategischen Agenda für die nächsten Jahre. Die Entwicklung bei Pimco wird er sich wohl besonders genau anschauen.

Insgesamt ist die Allianz gut ins Jahr gestartet, wie sie bereits auf der Hauptversammlung berichtet hatte: Das operative Ergebnis legte um fünf Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu, im Gesamtjahr werden weiter 10,0 bis 10,8 Milliarden Euro angepeilt. Im besten Fall würde der Konzern damit den Vorjahreswert erneut übertreffen.

Schwächelnde Vermögensverwaltung

Allerdings schwächelte im Auftaktquartal die Vermögensverwaltung, wo das Ergebnis um 14 Prozent auf 555 Millionen Euro schrumpfte. Pimco-Gründer Bill Gross hatte im September im Streit überraschend das Handtuch geworfen. Das verschreckte viele Kunden. Der von Gross über Jahrzehnte persönlich gemanagte Fonds Total Return hat seinen Titel als weltgrösster Anleihefonds inzwischen verloren. Die Allianz installierte nach Gross' Abgang eine breiter angelegte Führungsmannschaft bei Pimco, ausserdem wurden neue Produkte an den Start gebracht, wie Finanzchef Dieter Wemmer erklärte. Er hofft nun auf eine Trendwende bis zum Jahresende. Für Wemmer ist entscheidend, dass sich die Mittelabflüsse von Monat zu Monat – auch im April – abgeschwächt haben. Das werde sich im zweiten oder dritten Quartal «ausspielen», betonte er. «Und dann werden wir wieder auf Wachstum schalten.»

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Zu den hausgemachten Problemen bei Pimco kommen nun allerdings auch steigende Kosten – nicht zuletzt, weil der Führungswechsel Geld verschlang. Dagegen mausert sich die kleinere, konzerneigene Rivalin Allianz Global Investors zur Perle. Sie setzt von jeher stärker auf Aktien, die im Niedrigzinsumfeld gefragt sind, und sammelte in den ersten drei Monaten gut sechs Milliarden Euro neu ein. An der Entwicklung des insgesamt verwalteten Vermögens lässt sich die Pimco-Schwäche nicht ablesen: Es stieg seit Ende 2014 dank des starken Dollars um sieben Prozent auf 1,9 Billionen Euro, Allianz-Gelder eingeschlossen.

Mehr Naturkatastrophen

Auch in der Schaden- und Unfallversicherung gab es im ersten Quartal Bremsspuren: Hier stiegen zwar die Prämien an, aber das Ergebnis sank auf 1,3 (Vorjahr: 1,5) Milliarden Euro. Einerseits musste die Allianz Restrukturierungslasten wegen der Zerlegung ihrer US-Tochter Fireman's Fund schultern. Es gab zu Jahresbeginn aber auch mehr Naturkatastrophen, etwa schwere Stürme in Europa, die mit 222 Millionen Euro zu Buche schlugen, wie Wemmer erklärte. Die Allianz war zudem einer der Versicherer der in Südfrankreich verunglückten Germanwings-Maschine. Weil viel durch die Rückversicherung abgedeckt sei, dürften sich die Kosten für die Allianz laut Wemmer unter dem Strich auf 20 bis 30 Millionen Dollar belaufen.

Lichtblick war das Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen, wo das Ergebnis um gut ein Viertel auf 1,1 Milliarden Euro kletterte. Die Allianz verwies auf eine hohe Nachfrage nach fondsgebundenen Produkten im Ausland. Im Heimatmarkt laufen zudem die neuen Lebensversicherungen ohne die bisher üblichen lebenslangen Zinsgarantien gut. Allerdings bröckelt wegen der Zinsflaute die Neugeschäftsmarge ab.

(reuters/ise)