Swisscom wartete unlängst mit der Erfolgsmeldung auf, dass die 4000. Schule an das weltweite Netz angeschlossen worden sei. Damit haben in über 80% der Schweizer Schulen - Schülerinnen und Schüler Zugriff auf das Internet. Allerdings machen nicht alle von dieser Möglichkeit Gebrauch: Jugendliche ausländischer Herkunft, aus niedrigeren sozialen Schichten, oder solche, die einen Grundschultyp besuchen, nutzen die Schul-PC laut der jüngsten Auswertung der PISA-Erhebung von 2003 eher häufiger zum Surfen.

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Überdurchschnittlich hoch ist die Nutzung in den Kantonen Zürich, Thurgau und dem Wallis, deutlich zurück liegen die Kantone aus den Romandie sowie der Kanton Aargau. Mädchen nutzen Computer zwar weniger als Jungen, aber wenn sie PC gebrauchen, dann praktisch gleich häufig als praktisches Arbeitsinstrument für die Textverarbeitung.

Übung macht den Meister

Allerdings ist die Nutzung der Computer in den Schulen im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich tief - lediglich 30% der Jugendlichen der Pisa-Befragung gebrauchten den PC in der Schule. In Grossbritannien hingegen sind es 70%, in Liechtenstein, Österreich und Italien über 50% und Finnland sowie Kanada erreichen rund 40%.

In Ländern mit hoher Nutzung verwenden die Jugendlichen die Schul-PC vor allem für Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. «Die häufige Nutzung von Programmen geht in allen untersuchten Ländern mit Ausnahme von Italien einher mit einer vergleichsweise hohen Sicherheit beim Ausführen von Routineaufgaben», folgert Thomas Holzer, im Bundesamt für Statistik (BfS) Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Projektleitung von Pisa.

Die Schweiz liegt bei der PC-Nutzung und der Sicherheit im Umgang mit Standardprogrammen hinter allen Ländern mit Ausnahme von Italien zurück. «Das sollte zu denken geben, weil in der heutigen Arbeitswelt zumindest einfache Computeranwenderkenntnisse in den meisten Berufen unerlässlich sind», meint Holzer.

«Die Befunde überraschen mich nicht», sagt Herbert Bruderer, Dozent am Informatikdepartement an der ETH, «der Niedergang der Informatik an Gymnasien steht im Widerspruch zur Bedeutung der Informationstechnik im Alltag und zum kräftigen Ausbau der Informatikausstattung an vielen öffentlichen und privaten Schulen.»

Mit dem Maturitätsanerkennungsreglement von 1995 war die Informatik als eigenständiges Pflichtfach an Schweizer Gymnasien weitgehend abgeschafft worden. In den letzten Jahren war der Informatikunterricht teilweise von der Sekundarstufe II zur Sekundarstufe I verlagert worden. «Dabei wird übersehen, dass die Schülerinnen und -schüler mit recht unterschiedlichen Informatikkenntnissen kommen», beobachtet Bruderer, «aber dieses Vorwissen wird allgemein stark überschätzt.»

Weg zurück ist schwierig

Laut Bruderer scheitert der Informatikunterricht oft an fehlenden Kenntnissen der Lehrpersonen und aus Zeitmangel. Der Weg zurück sei aufgrund einer Reihe von Gründen schwierig: «Ständiger Wandel des Unterrichtsinhalts, uneinheitliche Lehrpläne, mangelhaft ausgebildete Informatiklehrpersonen, wenige geeignete Lehrmittel, eine ungenügende Ausstattung und Wartung der Informatikmittel und eine starke Ausrichtung auf die Produktschulung.»

«Das Thema hat eben gegenwärtig keine Priorität in der Politik», sagt Maya Lalive d'Epinay, Präsidentin von ICT Switzerland, dem schweizerischen Dachverband der Informations- und Kommunikationstechnologie und gleichzeitig Präsidentin von «Schweizer Jugend forscht». Sie ortet den Schwachpunkt bei der unzureichenden Lehrerausbildung respektive Lehrerweiterbildung auf diesem Gebiet sowie daran, dass die Notwendigkeit hoher auch «handwerklicher» ICT-Kenntnisse für die künftige Entwicklung der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft von vielen Meinungsbildnern unterschätzt wird. «Es liegt weniger an den Jugendlichen, die unserer Erfahrung nach offen wären, es liegt viel mehr oft an der Art und Weise der Wissens- und Kompetenzvermittlung», sagt Lalive.


Wirtschafts- und Politikprominenz für E-Power: Dringlichkeit der ICT-Förderung erkannt

Wenn die Schweiz eine Wissensgesellschaft sein will, dann muss ein wesentlicher Teil des Wirtschaftswachstums von Seiten der Informatik und Telekommunikation kommen. Die Voraussetzungen dafür sind aber derzeit nicht optimal die ICT-Branche macht heute nur 8% des Bruttoinlandproduktes aus. Darum haben Vertreter von Wirtschaft und Politik letzten Monat die «ePower-Initiative» lanciert (siehe auch www.epower-initiative.ch). Zu den 250 Erstunterzeichnern zählen Jens Alder, Swisscom-CEO, Hans Peter Baumgartner, CEO von Sunrise, Ulrich Gygi, Post-CEO, Bundesrat Joseph Deiss sowie etliche Parlamentarier und Vertreter aus der Bundesverwaltung wie der ComCom-Präsident Marc Furrer.

Die ehrgeizigen Zielen der breiten Allianz sind folgende: Von den grossen ICT-Firmen sollen bis 2010 zwölf Firmen weltweite oder europäische Hauptsitze oder Forschungslabore in der Schweiz ansiedeln. Alle Suva- AHV-/IV-Kontakte und -Rechnungen sollen elektronisch abwickelbar sein. Ab 2010 sollen auch alle Bürgerinnen und Bürger die administrativen Transaktionen im Gesundheitswesen elektronisch abwickeln können. Geplant ist zudem, dass wesentliche Teile des Grundstudiums an Hochschulen auf Internet-Basis ortsunabhängg angeboten werden. Die Erstunterzeichner wollen bis Frühling 2006 Kontroll-Gruppen etablieren, welche die Umsetzung vorantreiben, und parlamentarische Mustervorstösse für alle Stufen des Landes erarbeiten. Zu diesem Zeitpunkt findet ein «ePower-Kongress» für Politiker statt. Neben selbstverpflichtenden Zielen der Industrie und konkreten Forderungen an die Verwaltung soll mit der Initiative zudem politischer Druck geschaffen werden, damit die Modernisierung der ICT-Infrastruktur des Staates die Priorität erhält: Der Staat soll zur Steigerung seiner Effizienz und zum Nutzen der Bürger und der Wirtschaft ein führender Anwender im ICT-Bereich werden. Ein Beispiel für ein Versprechen: Die Post verpflichtet sich unter anderem, den elektronischen Einschreibebrief einzuführen.

Laut den Initianten ist es eine Grundvoraussetzung für die E-Schweiz, dass ab 2008 alle Schulabgänger mit PC und Internet so umgehen, dass sie mit den Besten in Europa mithalten können. Ausserdem soll der Rechtsrahmen in der Schweiz so gestaltet sein, dass der Einsatz von Risikokapital für ICT-Investitionen in Infrastruktur und Dienstleistungen im Europa-Vergleich in der Schweiz am attraktivsten ist. (clu)