Es gibt jede Menge visionäre Genies unter den Chefs amerikanischer Hightech-Firmen. Es gibt auch kongeniale Querdenker, schroffe Grossmäuler und intrigante Tyrannen. Doch wohl nur ein Tech-Boss kann sich all diese Titel samt Attitüden auf die Stirn schreiben: Steven P. Jobs, kurz Steve Jobs.

Der ist nicht nur Gründer und Chef der Silicon-Valley-Computerfirma Apple. Er ist auch CEO des kalifornischen Animationsstudios Pixar. Dieses wiederum ist weltweit bekannt für die Zeichentrick-Kinohits wie «Findet Nemo», «Toy Story» oder «Das grosse Krabbeln».

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Als oberster Herr der Pixel hat Jobs nun seinem Bad-Boy-Image wieder mal alle Ehre gemacht und seinen eigentlichen Verbündeten Disney mächtig vor den Kopf gestossen: Pixar habe die Micky-Maus-Company längst als «beste und wichtigste Animationsfirma» der Welt abgelöst, sagte der 48-Jährige vergangene Woche gegenüber Analysten. Zudem konnte er es nicht lassen, über Disney-Trickfilm-Eigenproduktionen zu lästern und diese gar als «peinliche Blindgänger» zu bezeichnen.

Krach zwischen den Chefs

Hintergrund des rauen öffentlichen Tons ist der schon seit langem schwelende und jüngst eskalierte Krach zwischen Jobs und dem in den eigenen Reihen mächtig angeschlagenen Disney-Vorsitzenden Michael Eisner. Obwohl die beiden Unternehmen seit 1991 überaus erfolgreich beim Vertrieb und teilweise bei der Finanzierung von Pixar-Trickfilmen kooperieren und alleine an den Kinokassen mit fünf Produktionen global gut 2,6 Mrd US-Dollar einspielten, konnte man sich jetzt trotz zehnmonatigen Verhandlungen nicht mehr über die Bedingungen einer weiteren Zusammenarbeit verständigen.

Derzeit sucht Pixar nach einem anderen Partner, der anstelle von Disney ab 2006 die Distribution seiner Filme übernehmen kann. Potenzielle Kandidaten sollen US-Medienberichten zufolge beim 15-fach Oscar-gekrönten Spezialisten für computeranimierte Trickfilme längst Spalier stehen. So etwa Time Warners Filmableger Warner Bros., Twentieth Century Fox von Rupert Murdochs News Corp., Viacoms Paramount Pictures, Sony Pictures Entertainment sowie Metro-Goldwyn Mayer.

Gegenüber Analysten äusserte sich Jobs allerdings auch schon, dass Pixar künftig im Alleingang Top-Trickkunst produzieren könnte schliesslich sitze das Unternehmen, das kürzlich erst Rekordzahlen (Nettogewinn 2003: 124 Mio Dollar) vorlegen konnte, auf Barreserven von 521 Mio US-Dollar. Ausserdem soll Jobs Privatvermögen weit über 1 Mrd Dollar schwer sein.

Nicht zuletzt buhlt derzeit auch Brian Roberts, Chef des US-Fernsehkabelriesen Comcast, um die Gunst von Jobs. Comcast hegt nämlich Pläne, für 66 Mrd Dollar Disney zu übernehmen. Sollte der Deal klappen, möchte Roberts unbedingt Pixar an Bord haben. Denn Disney einst ja mit Cartoons gross geworden hat einen kreativen Partner wie Pixar bitter nötig: Seit Jahren treffen Disneys Eigenwerke, sprich Produktionen ohne Beteiligung von Pixars «Cutting edge»-Pixel-Animationskünstler um den Branchenstar John Lasseter, kaum noch den Geschmack des Publikums. Die Filme «Treasure Planet» oder «Brother Bear» erwiesen sich etwa als gigantische Flops.

Der beste Name

Der exzentrische Pixar-Boss, der das Unternehmen 1986 vom obersten Sternenkrieger George Lucas übernommen hatte, hält dieser Tage also alle Trümpfe in der Hand. Diese kann er gemäss Branchenbeobachtern wie Paul Saffo vom Institute for the Future in Palo Alto nun ebenso in der Unterhaltungs- wie der Technologieindustrie ausspielen. Als Boss von Pixar und des Computer-Trendsetters Apple geniesse Jobs als «einziger Unternehmer gleichfalls im Silicon Valley und in Hollywood Respekt und Bewunderung», so Saffo. Jobs gutem Ruf in der Entertainment-Szene ist es mitunter auch zu verdanken, dass er die Musiklabels im vergangenen Jahr davon überzeugen konnte, ihre Titelkataloge mehr oder weniger unbegrenzt an Online-Musikdienste darunter natürlich zuerst an Apples iTunes Music Store zu lizenzieren.

Doch Jobs wäre nicht Jobs, wenn er sich damit zufrieden geben würde, als Vater der kommerziell funktionierenden Web-Musik in die Digi-Geschichte einzugehen. Vielmehr möchte der Mann mit dem schwarzen Rolli zum nächsten Walt Disney aufsteigen. Diese Pläne kündigte er ja bereits 1995 an: In dem Jahr, in dem Pixar an die Börse ging und das Studio mit seinem ersten Hit «Toy Story» absahnte, hatte Jobs potenziellen Investoren versprochen, dass Pixar «das nächste Disney» wird.

Glaubt man Alan Deutschman, Autor der Jobs-Biografie «The Second Coming of Steve Jobs», scheint der arrogant-geniale Pixar-Apple-CEO auf dem besten Weg dorthin: «Disney hatte einst den besten Namen in der Entertainmentbranche. Neben all den Millionen hat diesen nun Pixar», so Deutschman.