Still und heimlich ging vor kurzem ein gewichtiger Hoteldeal über die Bühne: Anfang April verkaufte der saudiarabische Multimilliardär Prinz Al-Waleed über seine Kingdom Holding 40% der Hotelgruppe Fairmont Raffles ins Nachbarreich Katar. Neuer Grossakationär ist eine Gesellschaft der Qatari Diar Real Estate Investment Company, die zu 100% den Scheichs des Emirats gehört (siehe Kasten).

Schweiz gleich doppelt tantigiert

Diese Übernahme tangiert die Schweiz gleich doppelt: Zum einen gehört zur Hotelgruppe Fairmont Raffles auch die Traditionsmarke Swissôtel - die ehemalige Swissair-Tochter hat ihren Hauptsitz nach wie vor in der Schweiz, nämlich am Balsberg bei Kloten, wo vor dem Grounding auch die SAir Group angesiedelt war.

Zum andern ist die vom Staat Katar kontrollierte Investmentgesellschaft seit knapp einem halben Jahr in der Schweiz aktiv, nachdem die Barwa Real Estate Company ihr Schweizer Hotelportfolio an die Qatari Diar transferiert hat. Es handelt sich um die Häuser auf dem Bürgenstock über dem Vierwaldstättersee sowie das Hotel Royal Savoy in Lausanne und das Hotel Schweizerhof in Bern. Diese drei Objekte werden derzeit für rund 500 Mio Fr. komplett umgebaut, um ab dem nächsten Jahr sukzessive wieder zu eröffnen.

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Swissôtel als Betreiber denkbar

Noch nicht bekannt ist, unter welchen Marken die Schweizer Häuser im Besitz der Katarer betrieben werden. Bruno H. Schöpfer, hiesiger Projektleiter von Qatari Diar und ehemaliger CEO der Mövenpick Group, erklärte kürzlich gegenüber der Fachzeitung «Hotelrevue»: «Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder von einer internationalen Hotelkette, von den Investoren selber oder einer Kombination von beiden.»

Aufgrund der namhaften Beteiligung von Qatari Diar an Fairmont Raffles samt Swissôtel liegt die dritte Variante auf der Hand. Besonders, da auf dem Bürgenstock in den nächsten vier Jahren ein Resort mit drei Hotels entsteht, die alle unter einzelnen Marken geführt werden können. Aber auch die Häuser in Bern und Lausanne kommen in Frage, obwohl sie traditionsreiche Namen tragen.

Auf Anfrage der «Handelszeitung» erklärt Eva-Maria Panzer, Pressesprecherin von Swissôtel, dass man auf Seiten Fairmont Raffles bislang nur vernommen habe, die drei Marken sollen im Zuge des Einstiegs von Qatari Diar gestärkt werden. Konkrete Pläne für spezifische Objekte seien noch nicht bekannt. Weil Qatari Diar neben den drei Schweizer Projekten verteilt über die Welt rund 80 Einzelhäuser besitze, sei ein Rebranding zu Fairmont, Raffles und/oder Swissôtel über die Landesgrenzen hinweg denkbar. Vorderhand hätten die neuen Besitzverhältnisse keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft. Von Qatari Diar wollte bzw. konnte sich zu diesem Thema niemand äussern.

Katarer global auf Einkaufstour

Wie ernst es die Qatari Diar Real Estate Investment Company mit ihrem Engagement in der Luxushotellerie meint, fasste Bruno H. Schöpfer gegenüber der «Hotelrevue» so zusammen: «Sie kauft fast jeden Tag ein Hotel. Die letzten zwei in Paris und Mailand.»

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