Das Wirtschaftswachstum innerhalb Europas hat zur Folge, dass auch das Gütervolumen in den einzelnen Volkswirtschaften stetig ansteigt. Doch wie soll das zunehmende Transportvolumen bewältigt werden? Mit dieser Frage befassen sich unzählige Logistikdienstleister, aber auch Industrie- und Handelsunternehmen sowie - nicht zuletzt - zahlreiche politische Gremien in den einzelnen europäischen Ländern.

In Zukunft werden nach Ansicht von Professor Wolfgang Stölzle, Ordinarius für Logistikmanagement an der Universität St. Gallen, die Leistungsanforderungen der Endkunden hinsichtlich Zeit, Kosten und Qualität in den einzelnen Wertschöpfungsnetzwerken (Supply Chains) weiter steigen. Damit auch die neuen Performance-Aspekte wie die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit (Stichwort: Green Logistics), Zuverlässigkeit oder Flexibilität (Losgrösse 1 und kundenorientierte Fertigung) berücksichtigt werden können, muss eine ausreichende Konkurrenzfähigkeit zwischen der Schiene und dem unimodalen Strassenverkehr gegeben sein.

Derzeit allerdings stehen die zahlreichen regulatorischen Rahmenbedingungen auf Strasse und Schiene (zum Beispiel Fahrverbote, Gewichtsbeschränkungen, Prioritätenregelung zwischen Personen- und Güterverkehr, Trasseverfügbarkeit) den steigenden Leistungsanforderungen moderner Supply Chains oft gegenüber.

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Bei der Integration des Schienengüterverkehrs in die Logistik- und Supply-Chain-Konzepte beispielsweise werden die Rahmenbedingungen von den Verladern oft als kompliziert wahrgenommen. Aufgrund dieser Tatsache findet eine gezielte Auseinandersetzung mit diesen Bedingungen meist nicht statt. Soll jedoch eine effiziente Planung der zur Güterverlagerung notwendigen Investitionen gewährleistet sein, muss der verladenden Industrie nach Ansicht von Professor Stölzle eine hohe Planungssicherheit garantiert werden. Es braucht konkret eine langfristig angesetzte international harmonisierte Verkehrspolitik. Im Weiteren müssen stärker als bisher alternative Verkehrswege erschlossen werden.

Angesichts des stetig und teilweise kräftig ansteigenden Güterverkehrvolumens in ganz Europa müssen in Zukunft die verkehrspolitischen Weichen so gestellt werden, dass die verschiedenen Verkehrsträger - Strasse, Schiene, Wasser, Luft - auch optimal genutzt werden können. Die von der Europäischen Union initiierte Schaffung eines transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V), welches alle Verkehrsträger umfasst und 2020 realisiert sein soll, geht in die richtige Richtung.