Dunkler Kapuzenpullover, Bluejeans und schwarze Plastikschlappen – der Reichtum ist Florian Teuteberg nicht anzusehen. Der Mitgründer des Online-Shops Digitec und seine zwei Partner erhielten letztes Jahr meh­rere Millionen Franken auf ihre Konten überwiesen. Sie hatten 30 Prozent an ­ihrem Unternehmen der Migros verkauft.

Die Digitec-Gründer verhandelten damals mit vielen Investoren. Die Interessenten kamen aus dem Inland und aus dem Ausland. Böse Zungen behaupten, die Migros habe einfach am meisten ­bezahlt. Doch wie viel Geld geflossen ist, behalten Digitec und Migros für sich. Die Partner hatten den Deal als strategische Investition bezeichnet, die viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit biete.

Klarer Marktführer

Die Erwartungen sind hoch. Kürzlich hiess es im Wirtschaftsmagazin «Bilanz», die Digitec-Macher hätten den Auftrag, die Online-Plattformen der Migros «zum Glühen zu bringen». Das kommt nicht von ­ungefähr. Der Unterhaltungselektronikhändler Digitec und das dazugehörende Warenhaus Galaxus haben auf dem Schweizer Online-Markt eine Sonderstellung. Zusammen setzten sie letztes Jahr deutlich über 500 Millionen Franken um. Das Wachstum betrug laut Branchenkennern über 20 Prozent. «Digitec ist dermas­sen stark, dass er nahezu die Hälfte des Elektro-Online-Marktes dominiert», sagt Thomas Lang, E-Commerce-Experte von Carpathia. Digitec lebt mit dem Onlineshop und bald neun stationären Läden vor, was die Migros einführen will: Die Verbindung von Ladengeschäften mit OnlineShops.

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Knapp ein Jahr nach dem Handschlag ist allerdings noch nicht viel Konkretes umgesetzt. «Wir konnten in diesem Jahr dank der Migros neue Produkte vor allem für Galaxus erschliessen und haben punktuell bessere Einkaufskonditionen erhalten», sagt Teuteberg.

Ansonsten aber sind die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit erst in Planung. Ins Auge gefasst wird zum Beispiel eine ­Kooperation mit Migros-Tochter Exlibris. «Wir möchten Bücher ins Sortiment aufnehmen, da macht es Sinn, wenn wir mit Exlibris zusammenarbeiten», sagt Teuteberg. Einkauf, Logistik und Know-how seien dort bereits vorhanden. Der Name Exlibris soll auf der Galaxus-Webpage allerdings nicht zu sehen sein. Wann die Zusammenarbeit starte, sei noch offen. Auch andere Nonfood-Produkte aus dem Migros-Sor­timent will Galaxus aufnehmen. Aber ebenfalls ohne Hinweis auf die Marken der Migros.

Auf eigene Faust

Dieser Zusammenarbeit scheinen aber auch Grenzen gesetzt. Galaxus will beispielsweise eine eigene Sparte mit Möbeln einführen. «Sobald wir ein ausreichend breites Sortiment anbieten können, geht es damit los.» Dies auf eigene Faust. Eine Kooperation mit den Migros-Möbel-Töchtern Micasa und Interio sei dabei nicht geplant. «Es ist zwar möglich, dass wir einige Produkte aus deren Sortimenten anbieten.» Das bleibe aber der Einzelfall. «Wir haben ­eigene Produktmanager, die das Sortiment zusammenstellen und bewirtschaften», sagt Teuteberg. Auch umgekehrt soll es keine enge Kooperation geben. Nächsten Sommer lanciert Interio einen eigenen Online-Shop – ohne die Hilfe von Teuteberg und seinen Kollegen.

Dass das Digitec-Trio die Migros-Plattformen «zum Glühen» bringen soll, wie es hiess, war Teuteberg nicht bewusst. «Ich verstehe es nicht als meinen Auftrag, den Auftritt der E-Commerce-Kanäle der Migros zu verbessern», sagt er. Es wäre vermessen, zu meinen, dass dies nötig und möglich sei. «Natürlich findet ein Know-how-Austausch zwischen uns und der ­Migros statt, aber von einer Verwebung kann keine Rede sein.» Weder eine Zusammenlegung von Digitec mit der ­Migros-Unterhaltungselektronik-Tochter Melectronics noch die Einführung des ­Kundenbindungsprogramms Cumulus bei Galaxus sei geplant. «Wir bleiben im Auftritt eigenständig und wollen mit unserem Shop eine einheitliche Welt bieten», sagt Teuteberg. Kooperationen mit der ­Migros passierten im Hintergrund, zum Beispiel bei der Logistik.

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Einmischen geht gar nicht

Die Autonomie haben sich die Digitec-Gründer auch im täglichen Geschäft bewahrt. «Den operativen Alltag bestimmen wir zu 100 Prozent selbst», sagt Teuteberg. Beide Parteien wüssten, dass es ­keinen Sinn mache, Digitec und Galaxus zu stark in die Migros-Strukturen einzubinden. «Das wäre kontraproduktiv.»

Die Migros hat rein rechtlich gar nicht die Möglichkeit, sich bei Digitec und Galaxus einzumischen. Die Stimmrechte sind vom Aktienanteil entkoppelt. «Wir haben immer eine Parität im Verwaltungsrat», sagt Teuteberg. Hier sitzen die drei Digitec-Gründer – neben Teuteberg also Marcel Dobler und Oliver Herren. Sie sitzen Migros-Managern gegenüber, konkret Firmenchef Herbert Bolliger, Marketingchef Oskar Sager und Handelschef Ernst-Dieter Berninghaus. Das ausgeglichene Gremium trifft sich alle drei Monate. «Wir reden über den Geschäftsgang und anstehende Projekte», sagt Teuteberg. Ein Patt habe es noch nie gegeben. «Bisher ­waren alle Entscheide einstimmig.» Andernfalls müsste diskutiert werden, bis eine Lösung gefunden sei.

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Zu Diskussionen dürfte es noch manchen Anlass geben. Die paritätische Besetzung des Verwaltungsrats wird auch bestehen bleiben, wenn die Migros ihren Anteil an Digitec und Galaxus nächstes Jahr auf die Maximalmarke von 70 Prozent aufstocken wird. Den drei Digitec-Gründern beschert das weitere Millionenzahlungen. Aber der Migros keinen grösseren Einfluss beim erfolgreichen E-Commerce-Anbieter.