Die Milliardenpleite der Banco Espirito Santo (BES) bringt immer mehr unschöne Details mit Schweizbezug hervor. So wurde nun bekannt, dass eine einzige Person für die Überprüfung der Bücher des internationalen Geschäfts der Bank zuständig war: Francisco Machado da Cruz war ein langjähriger Angestellter von Eurofin Holding mit Sitz in Lausanne und prüfte die BES-Bücher seit Juni 2011, schreibt das «Wall Street Journal».

Unabhängigkeit darf bezweifelt werden

Für Konzerne von der Grösse BES' ist es unüblich, für solche Prüfungsaufgaben nicht auf etablierte unabhängige Revisoren zurückzugreifen. Da Cruz trat erst am 19. Juni aus dem Veraltungsrat von Eurofin Holding zurück. Während seiner Zeit bei BES - auch als Buchprüfer - sass er in den BES-Töchtern Rioforte Investments und BES Angola.

Eurofin unterhalte diverse Geschäftsbeziehungen zu den Portugiesen, so das Blatt weiter. Indirekt seien die Schweizer mit dem neuen Finanzchef der Bank, Joao Moreiro Rato, verbandelt. Der Ex-Lehman-Brothers-Trader war im Hedgefonds Nau Capital involviert, der von Eurofin aufgekauft wurde. Nau Capital wird heute vom Neffen des Ex-BES-CEOs Ricardo Espirito Santo Salgado geführt. 

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Weitverzweigtes Netz

Im Umfeld der Eurofin Holding tummeln sich diverse weitere Aktiengesellschaften, in denen Alexandre Cadosch ein Mandat hält  (Eurofin Capital, Eurofin Estate, Eurofin Hospitality, Eurofin Medical, Eurofin Securities, Eurofin Ventures). In Zug ist Cadosch in der Informatikfirma Beach Road Capital tätig. Neben dem Sitz in Lausanne unterhält Eurofin Dependancen in Grossbritannien, Portugal und Luxemburg

Laut WSJ entwickelte Eurofin für BES Finanzprodukte, die noch bis vor kurzem Privatanlegern angedreht wurden und die, so der Verdacht portugiesischer Aufsichtsbehörden, dazu gedient haben könnten, Teile des BES-Konglomerats zu stützen.

Die Banco Espirito Santo deponierte übers Wochenende die Bilanz. Mit gegen 5 Milliarden Euro soll der gesunde Teil am Leben erhalten bleiben, der Rest wird in eine Bad Bank ausgegliedert.

Eurofins diverse Tätigkeiten haben nun die volle Aufmerksamkeit der portugiesischen Regulatoren. Gegenüber WSJ meinte eine mit Eurofin vertraute Person, man habe nie direkt Finanzprodukte an Anleger verkauft und geltendes Recht jeweils beachtet.

Ex-UBS-Topamanager hatte Mandat

Neben der Lausanner-Connection tritt eine weitere Verbindung der BES in die Schweiz hervor: Ex-UBS-Topshot Martin Liechti, der mit seinem Geständnis vor einem US-Ausschuss den Anfang des Steuerstreits zwischen den Schweizer Grossbanken und den USA von Nahem mitbekam, hatte ein Mandat für den Schweizer Ableger der BES, schreibt Insideparadeplatz. Er war offenbar ein Intimus der Besitzerfamilie und beriet Ricardo Salgado, der Ex-CEO, der nach Jahrzehnten im Sattel vor kurzem zurücktreten musste.

Salgado wurde vor wenigen Tagen verhaftet und gegen eine 3-Millionen-Kaution freigelassen. Auch seine Tochter Catarina sass bis vor wenigen Tagen im Verwaltungsrat der Schweizer Espirito mit Sitz im Waadtland. Auch sie war eine Vertraute von Martin Liechti, so der Finanzblog.

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