Die Vorstände der Autobauer Volkswagen und Porsche haben die Gespräche über eine Zusammenführung der beiden Konzerne offenbar wieder aufgenommen. Ziel ist es offenbar, bis Mitte Juni eine grundsätzliche Einigung über die Schaffung eines «integrierten Automobilkonzerns» mit zehn eigenständigen Marken unter einer einheitlichen Führung zu erzielen. Wie weit man bis dahin kommt, ist allerdings offen.

Der VW-Konzern und der Wolfsburger VW-Betriebsrat hatten zuletzt die Gespräche auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Als Grund wurde die fehlende Transparenz seitens der Stuttgarter über deren Lage und die fehlende Klarheit über die Ziele Porsches genannt. Von einem normalen Verhältnis kann man derzeit aber noch nicht sprechen. «Porsche muss eine Verhandlungsposition entwickeln», heisst es in mit den Vorgängen vertrauten Kreisen.

Spekulationen angeblich falsch

Der Sportwagenhersteller ist durch die Übernahme von 51% an VW mit rund 9 Mrd Euro verschuldet. Dafür werden hohe Zinszahlungen fällig, die das Ergebnis mindern. Zur Finanzierung von Leasinggeschäften sowie zur Bezahlung von Importeuren, Zulieferern und Händlern benötige Porsche derzeit einen «Betriebsmittelkredit» über insgesamt 2,5 Mrd Euro, sagte ein Porsche-Sprecher. Zuletzt hatte sich der Autobauer einen Kredit über 750 Mio Euro bei einer Privatbank gesichert. «Wir verhandeln noch mit mehreren Banken, darunter der KfW», sagte der Porsche-Sprecher. Einen Zeitrahmen für Gespräche zur Beschaffung der Mittel, um die Finanzierungslücke von 1,75 Mrd Euro zu schliessen, gibt es nicht.

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Porsche wies derweil Gerüchte zurück, wonach Porsche in den drei Tagen vom 22. bis 24. März gegen eine möglicherweise drohende Pleite kämpfte. «Wir standen nicht vor der Insolvenz.» Man habe immer gesagt, dass die Situation nicht einfach sei. Das Unternehmen bestätigte aber, dass Europas grösster Automobilhersteller dem kleineren Sportwagenhersteller 700 Mio Euro geliehen habe. Der Kredit hat eine Laufzeit von sechs Monaten.

Um den VW-Kredit abzusichern, sprangen die Eigentümerfamilien des Sportwagenbauers, die Familien Porsche und Piëch, als Bürgen in die Bresche. Anteile an der im Privatbesitz der Familien befindlichen österreichischen Vertriebsgesellschaft Porsche Holding GmbH dienen VW als Sicherheit für das Darlehen, wie eine mit der Situation vertraute Person sagte. Porsche und VW wollten dazu nichts sagen.

Frisches Geld in die Kassen von Porsche könnte auch ein neuer Investor spülen, möglicherweise um die Emirate Abu Dhabi und Katar. Wie sich Investoren beteiligen können, ist noch unklar. Geprüft wird, ob sie sich an einer Kapitalerhöhung beteiligen.