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Politik droht Mega-Rüstungsdeal zu versenken

Computer-Designstudie, des «British Royal NavyType 26 Global Combat Ship», das 2020 auf den Markt kommen soll. (Bild: Keystone)

Die Fusion zwischen der Airbus-Mutter EADS und dem Rüstungskonzern BAE Systems ist laut Medienbericht auf politischer Ebene praktisch gescheitert. Die Unternehmen geben nicht auf und dementieren.

Veröffentlicht am 05.10.2012

Die Verhandlungen um eine Fusion der europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems stecken fest. Einem Bericht von «Spiegel Online» zufolge ist das Vorhaben praktisch gescheitert. Gespräche zwischen der deutschen, französischen und britischen Regierung seien ohne Ergebnis zu Ende gegangen, berichtet die Nachrichtenseite unter Berufung auf Regierungskreise. EADS und BAE dementieren hingegen das Ende der umstrittenen Pläne.

«Wir sind von den Regierungen über den Status der Gespräche informiert worden», sagte ein EADS-Sprecher, ohne auf den Inhalt der Verhandlungen einzugehen. «Aber uns ist zu keiner Zeit vermittelt worden, dass der Deal gescheitert sei», betonte der Sprecher.

Auch BAE verneint das Ende der Bemühungen: «Wenn der Deal gescheitert wäre, dann würde BAE das mitteilen», sagte eine Sprecherin in London. EADS arbeite mit BAE weiter auf den Termin am 10. Oktober hin, bis zu dem nach britischen Recht ein Zwischenergebnis vorliegen muss.

Frankreichs Präsident nennt Bedingungen

Frankreich habe seine Bedingungen genannt, sagte Präsident François Hollande nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP. Nun liege es an den Unternehmen, ihre Verhandlungen im Wissen um die französische Position fortzusetzen.

Als Punkte für Frankreich nannte Hollande Kapitalanteil, Standorte und Sicherung der Rüstungsindustrie. Zu konkreten Einzelforderungen sagte der Präsident aber nichts.

Das für die Gespräche zuständige deutsche Wirtschaftsministerium war am Freitag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Laut «Spiegel Online» habe London in jedem Fall verhindern wollen, dass einer der drei Staaten mehr als zehn Prozent am künftigen Unternehmen hält. Die französische Seite habe aber darauf beharrt, mehr als zehn Prozent zu behalten und auch weitere Anteile an dem neuen Konzern dazukaufen zu können.

Das Ringen um den politischen Einfluss auf den neuen Rüstungsriesen ist das grösste Hindernis für den von EADS und BAE gleichermassen gewünschten Zusammenschluss.

Verhandlungen in der Sackgasse

Nach Informationen von AFP stecken die Verhandlungen auf Regierungsebene in einer Sackgasse. Danach will Deutschland einen Anteil am Kapital entsprechend dem französischen Niveau. Unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld der Verhandlungen werden neun Prozent genannt. Das berichtet online auch die «Financial Times Deutschland».

Grossbritannien will dies nach den AFP-Informationen akzeptieren, wenn Frankreich gleichzeitig darauf verzichte, Anteile des französischen Konzerns Lagardère zu übernehmen. Dies wiederum soll die französische Seite abgelehnt haben, hiess es in den Berichten. Eine Bestätigung gibt es nicht.

Grossaktionär: «Unbefriedigende Bedingungen»

Tatsächlich stehen die Pläne der Airbus-Mutter und BAE seit ihrer überraschenden Bekanntgabe unter keinem guten Stern. Zuletzt hatte der französische EADS-Grossaktionär Arnaud Lagardère die Bedingungen des Projekts als unbefriedigend kritisiert und von der Konzernspitze eine Überarbeitung der Pläne gefordert.

Schon diese Kritik galt als herber Dämpfer für die ambitionierten Pläne von EADS-Chef Tom Enders, der den Konzern mit dem britischen Branchenriesen BAE Systems fusionieren will. Die Bundesregierung hatte sich offiziell wie die Regierungen in London und Paris stets zu den Plänen bedeckt gehalten.

Unternehmen appellieren an Regierungen

Die beiden Konzernchefs Enders und Ian King hatten jüngst an die Regierungen appelliert, die Chancen der Fusion nicht zu verspielen. «Wenn sich die Gelegenheit ergibt, etwas noch Grösseres und Besseres zu schaffen, dann müssen wir zugreifen», mahnten beide in einem Zeitungsbeitrag.

Bisher verfügen Frankreich und Deutschland direkt und indirekt über jeweils gut 22 Prozent der EADS-Anteile, die deutschen Interessen nimmt dabei der Autokonzern Daimler wahr. Das Konstrukt EADS ist auch deswegen hochpolitisch und wird stark von Interessen der deutschen und französischen Seite beeinflusst.

(vst/awp)

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