Auf dem Genfer Immobilienmarkt herrschte in den vergangenen Jahren Angebotsschwäche, die zuweilen an Knappheit grenzte. Die Gründe dafür sind das relativ kleine Einzugsgebiet, lange Genehmigungsverfahren sowie das starke Wirtschaftswachstum. So liegt die durchschnittliche Leerstandsrate im Wohnungssegment in Genf unter 1%, was einem illiquiden Markt entspricht.

Diese Situation hat logischerweise zu einem Anstieg der Verkaufspreise von Wohnungen und Einfamilienhäusern geführt, deren Quadratmeterpreis im Stadtgebiet zwischen 8000 und 12 000 Fr. liegt und in den begehrtesten Vierteln sogar 15 000 bis 20 000 Fr. erreicht. Bei Mietwohnungen zeichnet sich die gleiche Tendenz ab, insbesondere am See oder im Stadtteil Champel.

Insgesamt relativ stabile Preise

Im Bereich der gewerblichen Objekte, insbesondere der Büro-räume, erhöhten sich die Mieten im Stadtzentrum infolge des starken Wachstums im Dienstleistungssektor auf durchschnittlich 850 Fr. pro m2/Jahr, wobei in den besten Lagen 1000 Fr. pro m2/Jahr überschritten wurden. Der Einfluss der Angebotsschwäche auf den Preisanstieg wurde jedoch ohne Zweifel dadurch gedämpft, dass das Genfer Umland einen Teil der ungedeckten Nachfrage absorbiert. Dieser Trend hat sich über Nyon hinaus in Richtung Lausanne und bis in das benachbarte Frankreich ausgewirkt, wo die Preise bis zur Krise der vergangenen Monate stark gestiegen sind.

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Im Übrigen wirkt sich die Krise entgegen den Erwartungen vieler Beobachter bisher kaum auf den Genfer Immobilienmarkt aus. Die Preise erweisen sich insgesamt als relativ stabil. Dennoch sollte man sich über die mögliche weitere Entwicklung Gedanken machen, insbesondere angesichts der Bedeutung des Private-Banking-Sektors in Genf. Es bestehen kaum Zweifel daran, dass der Wirtschaftskrieg um das Bankgeheimnis ein Mittel zur Erhöhung der Steuereinnahmen der betroffenen Staaten ist. Als Folge lässt sich derzeit ein Zustrom von Ausländern beobachten, die sich in Genf niederlassen ...

In Wirklichkeit werden die Einkünfte der Private-Banking-Aktivitäten stärker von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Mitleidenschaft gezogen. Im Übrigen hat die Krise im Bereich des kommerziellen Marktes Umstrukturierungen und Zusammenschlüsse nach sich gezogen, die Büroräume frei machen und das Angebot erhöhen dürften. Aber wird diese Situation eine echte Entspannung des kommerziellen Marktes und einen Rückgang der Preise in Genf herbeiführen?

Büroimmobilienpreise steigen

In Anbetracht der jüngsten Entwicklung kann man auch das bezweifeln. So stellen politische Massnahmen bezüglich der Unternehmensbesteuerung und der Boni offenbar für bestimmte Firmen einen Anreiz dar, sich in der Schweiz und - aufgrund seiner bedeutenden Wirtschaftsstrukturen im Private-Banking - insbesondere in Genf niederzulassen. Wenn diese Tendenz anhalten sollte, kann man sich gut vorstellen, dass die Büroimmobilienpreise in Genf stabil bleiben bzw. an den besten Standorten sogar noch steigen.

So hat der von mehreren Staaten geführte Steuerkrieg kurioserweise eine Stärkung des Genfer Immobilienmarktes zur Folge. Diese Situation, in der Steuerzahler «mit den Füssen wählen», birgt allerdings auch Risiken, da sie von exogenen Faktoren abhängt. In jedem Fall ist es in diesem Umfeld für Genf und die Schweiz als Wirtschaftsplätze extrem wichtig, ihre Rahmenbedingungen und Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu optimieren.