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Politisches Umfeld dürfte SNB auf Trab halten

Schweizerische Nationalbank
SNB: Informiert am Donnerstag über den Kurs der Geldpolitik.Quelle: Keystone .

Ein drohender Handelskrieg und Probleme in der Eurozone: Welche Probleme die Geldpolitik der SNB bestimmen.

Veröffentlicht am 20.06.2018

Wenn die Schweizer Nationalbank (SNB) am Donnerstag ihre aktuelle Lagebeurteilung veröffentlicht, werden ihr Chef Thomas Jordan und seine Kollegen ihre Worte mit Bedacht wählen. Denn seit der letzten Sitzung im März ist der Frankenkurs ungewöhnlich volatil. 

Und nachdem die EZB eine Zinswende in Europa und damit auch in der Schweiz noch weiter in die Zukunft geschoben hat, spricht laut Ökonomen alles dafür, dass die SNB ihren aktuellen Kurs bestätigen wird. 

Wie Peter Rosenstreich von der Swissquote Bank es zusammenfasst: «Angesichts der heimischen Inflation, dem signalisierten Kurs der EZB und steigenden politischen Risiken in der EU dürfte dieser normalerweise eher schläfrige Termin eine erhöhte Aufmerksamkeit geniessen». 

Wobei schon jetzt klar ist, dass die SNB ihren aktuellen Kurs nicht verändern wird. Das heisst, sie belässt den Einlagensatz unverändert bei -0,75 Prozent und wird auch die Zielspanne für den 3-Monats-Libor bei -1,25 und -0,25 Prozent belassen. Hierin sind sich die Ökonomen einig.

Risiken im Vordergrund

Mehr Spannung versprechen die Aussagen zum Franken. Denn dieser hat zuletzt seine Rolle als sicherer Hafen wiedergefunden. Wie UBS-Ökonom Alessandro Bee gegenüber der Nachrichtenagentur AWP erklärt, könne er sich durchaus vorstellen, dass Jordan der Diskussion über Risiken wieder mehr Platz einräumt als bei den letzten Medienkonferenzen. 

«Mit dem möglichen Handelskrieg USA-China-Europa, den geopolitischen Spannungen und der Lage in Italien haben sich die Risiken im Vergleich zu vor drei Monaten oder einem halben Jahr doch deutlich erhöht.» 

Tatsächlich ist der Franken in den Monaten seit der letzten Lagebeurteilung im März für seine Verhältnisse Achterbahn gefahren. Im April kletterte das Euro-Franken-Paar noch knapp über die psychologisch wichtige Marke von 1,20 Franken, bevor sich die Schweizer Währung seit Anfang Mai gegenüber dem Euro wieder klar aufgewertet hat. 

Auslöser waren vor allem die politischen Turbulenzen in Italien. Diese Entwicklung hat laut Strategieanalyst Patrick Häfeli von der St. Galler Kantonalbank gezeigt, wie schnell der Schweizer Franken wieder stärker werden kann.

Aufwertung vermeiden

Neben den Interventionen am Devisenmarkt gilt die Zinsdifferenz zum Euroraum als einer der Eckpfeiler der Geldpolitik der SNB, wie ZKB-Chefökonom Manuel Ferreira sagt. Hier wurden die Schweizer Währungshüter von der EZB vergangene Woche ausgebremst. 

Die EZB hat zwar ein Ende ihrer Anleihenkäufe per Ende 2018 in Aussucht gestellt. Sie hat aber gleichzeitig signalisiert, dass sie die Zinsen noch mindestens bis Sommer 2019 niedrig halten werde. 

Ebenso wie Jordan und seine Direktoriumsmitglieder jeglichen Kommentar vermeiden werden, der eine Aufwertung des Franken hervorrufen könnte, werden sich auch hüten, die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank direkt zu kommentieren. Vielmehr dürfte die SNB einmal mehr bekräftigen, dass sie den Franken nach wie vor für überbewertet hält.

SNB könnte vor EZB agieren

Bleibt die Frage: Wartet die SNB tatsächlich auf die EZB? Die Mehrzahl der Experten geht davon aus, dass sie sich erst rühren wird, wenn die EZB einen ersten Schritt gemacht hat. Sie alle verweisen auf die mögliche Aufwertungsgefahr für den Franken, der mit einer vorzeitigen Straffung einherginge. 

Gleichwohl gibt es auch andere Stimmen. Sowohl Sarasin-Chefökonom Karsten Junius, als auch UBS-Experte Bee halten es für durchaus möglich, dass die SNB doch vor den Europäern agiert. «Es ist möglich, dass die SNB kurz vor der EZB aktiv wird, wenn klar absehbar ist, dass die EZB auch tatsächlich beabsichtigt, ihre Zinsen zu erhöhen», erklärt Junius. 

Bei der St. Galler Kantonalbank wiederum war man bislang davon ausgegangen, dass sich die SNB nach einer ersten Zinserhöhung in der Eurozone etwas Zeit nehmen würde, bevor sie die Zinsen in der Schweiz anhebt. «Diese ‹Pause› erwarten wir nicht mehr, sondern wir erwarten, dass die SNB parallel zur EZB die Zinsen jeweils erhöht», führt Häfeli aus.

Uneins bei Inflationsprognose

Ähnlich uneins wie bei dem Zeitpunkt für den ersten Zinsschritt sind sich die Experten auch bei den Aussagen der SNB zur Inflation. 

UBS-Experte Bee etwa rechnet mit einer leichten Revision der Erwartungen nach oben. So habe die Kündigung des Nukleardeals mit dem Iran durch die USA zu einem deutlichen Anstieg der Ölpreise geführt, was sich auch auf die Inflationszahlen in der Schweiz durchschlagen werde.

(sda/ise)

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