Beim Begriff Eisenmangel fällt einem unweigerlich der Zeichentrickfilmheld «Popeye, der Seemann» ein, der immer, wenn ihn die körperlichen Kräfte verlassen, Spinat in rauen Mengen vertilgt und danach wieder in Hochform ist. Gianni Zampieri, Senior Vice President von Vifor Pharma, lacht laut heraus, wenn man ihm dieses Ammenmärchen erzählt. «Das ist längst widerlegt - aber dieser Popeye scheint untödlich zu sein.»

Also ein halbwegs missglückter Einstieg zum Gespräch über den Eisenmangel, an dem viele Menschen leiden. Zampieri nennt die wichtigsten Gruppen - allen voran Frauen, die während und nach der Schwangerschaft an einem Manko dieses Elements darben, aber auch Dialysepatienten, die während ihrer regelmässigen Blutwäsche rote Blutkörperchen verlieren, aber auch Unfallopfer. Nicht zu vergessen sämtliche Frauen, die in der Menstruation Blut verlieren.

Im Gespräch mit Zampieri wird rasch klar: Vifor Pharma hat mit dem wachsenden Markt für Eisenpräparate mitgehalten und den Umsatz in zehn Jahren verfünffacht. Dabei kann sich die Galenica-Tochter eigentlich auf zwei Pfeiler stützen: Der eine könnte als eine Art Basis bezeichnet werden. Es sind die vorhin erwähnten Gruppen. Insbesondere die Länder Brasilien, Türkei und Mexiko sind heute wichtige Abnehmer für Eisenpräparate von Vifor Pharma. Und schliesslich - nicht zu vergessen - alle jene, die gar nicht wissen, dass ihnen das wichtige Element fehlt. Welches könnten die Anzeichen dafür sein? Zampieri muss sich nicht lange studieren: «Ermüdungserscheinungen, Konzentrationsschwäche oder Entwicklungs- und Wachstumsstörungen.»

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Steriler als in einem Spital

Vifor Pharma ist auch für diese Entwicklung bestens vorbereitet. Derzeit werden pro Tag 2 t dieses Grundmaterials für die Herstellung von verschiedenen Darreichungsformen produziert: Eisenmangel kann oral - also mit Tabletten oder flüssig - oder intra- venös behandelt werden. Die Produktionsstätte, die sich nicht am Hauptsitz in Glattbrugg ZH, sondern im Sittertobel SG befindet, ist nach einem Ausbau angesichts der wachsenden Nachfrage auf das Doppelte ausgerichtet, wie Ma-nuel Senn, Leiter Produktegruppe, auf dem Rundgang durch den modernen Trakt bestätigt. Der Besucher wähnt sich in einem Spital: Nicht nur, dass er von Kopf bis Fuss vermummt wird. Auch die Hallen erinnern an Besuche bei Leuten, die sogar ein Niesen gefährdet. Alle Böden, Wände und Apparaturen werden ständig gereinigt und man könnte sich in ihnen spiegeln. «Vergessen Sie einfach eines nicht: Unsere Produkte werden auch intravenös verabreicht, das erträgt nicht die geringste Verunreinigung», sagen Zampieri und Senn wie aus einem Rohr geschossen, wenn sie auf die sterile Atmosphäre angesprochen werden.

Dann fällt der Blick auf die Umgebung, in der die Produktionsstätte angesiedelt ist - vor rund 25 Jahren durch Galenica von den Laboratorien Hausmann erworben. Heute würde man sagen: «Auf der grünen Wiese.» Draussen stehen fette Kühe. Der Weg zur Fabrik ist mit dichten Laubbäumen gesäumt, und ein paar Meter weiter könnte man in der Sitter - das ist ein relativ grosser Fluss, der diese Gegend durchquert - mit dem Kanu herumpaddeln. «Unsere Mitarbeiter schätzen diese Arbeitsatmosphäre», so Zampieri.

Auch Etienne Jornod, CEO und VRP von Galenica, gefällt die Oase, weil «seine Tochter» dazu beitrage, die Ergebnisse «der Mutter» noch weiter zu verbessern. Wie er anlässlich eines Besuches im St. Galler Sittertobel gegenüber der «Handelszeitung» erklärt, schätze er die Professionalität, mit der hier gearbeitet wird und auch das Potenzial, das Eisenpräparate hätten.

Wermutstropfen in den USA

Einziger Wermutstropfen für Jornod und Zampieri ist - das darf nicht verschwiegen werden - die Verspätung der Registrierung des neuen Eisenpräparates Ferinject in Amerika. Die US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat verlangt, noch weitere Tests mit Injectafer, so heisst Ferinject in Amerika, zu machen, bevor der Wirkstoff in den USA zugelassen wird. Die entsprechenden Studien sind lanciert. Zampieri weiss: Diese Form der intravenösen Verabreichung von Eisen kann die Gesundheitskosten reduzieren, weil mit einer einzigen Zufuhr bis zu zehnmal mehr verabreicht werden kann als mit herkömmlichen Mitteln.