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Porsche sagt Diesel Goodbye

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Der Porsche Macan S gibt es auch als Diesel. Quelle: 2018 Manfred Schmid

Porsche steigt als erster deutscher Autokonzern aus dem Diesel aus. Autoexperte Ferndinand Dudenhöffer begrüsst den Entscheid.

Von David Torcasso
am 24.09.2018

Porsche wagt als erster deutsche Autokonzern den historischen Schritt und verabschiedet sich vom Diesel: «Für uns als Sportwagenhersteller, bei dem der Diesel traditionell eine untergeordnete Rolle gespielt hat, sind wir zu der Überzeugung gelangt, künftig ohne Diesel auskommen zu wollen», teilte Porsche am Sonntag mit.

Das Unternehmen wolle sich künftig auf das konzentrieren, was es besonders gut könne. «Das sind emotionale, leistungsstarke Benziner, Hybride und ab 2019 werden es auch reine Elektrofahrzeuge sein», sagte Porsche-Vorstandschef Oliver Blume in der Presse. Das Interesse an Hybridmodellen steige bereits enorm. Beim Modell Panamera etwa würden in Europa 63 Prozent Hybridfahrzeuge bestellt. Die Nachfrage nach Diesel-Modellen hingegen sei rückläufig.

Diesel verliert in ganz Europa

Das zeigt auch eine Kurzstudie des CAR Automotive Research Centers an der Universität Duisburg: Der Dieselverkauf in Europa ist um fast 8,4 Prozent eingebrochen. In Deutschland hat der Diesel im vergangenen Jahr über neun Prozent verloren. Der Reputationsschaden ist in der Heimat der Automobilindustrie besonders gross. Laut dem Research Center wird in mehr als 20 Städten in Deutschland ein Dieselverbot erwartet. Die Studie kommt auch zum Schluss, dass Autobauer ihre Dieselangebote bei Kleinwagen, aber teilweise auch Kompaktwagen streichen. Porsche hat das nun in die Tat umgesetzt. 

Der Rückzug der VW-Tochter ist eine Reaktion auf die Dieselkrise. «Wir haben nie selbst Dieselmotoren entwickelt und produziert, dennoch hat das Image von Porsche gelitten. Die Dieselkrise hat uns viel Ärger bereitet», sagte Blume. Als weiteren Grund für den Ausstieg nannte der Porsche-Chef die Schärfung des sportlichen Markenkerns. «Für uns ist schon wichtig, dass sich Motoren sportlich fahren lassen.» Einen Benziner könne man da ganz anders auslegen. «Porsche wird in Zukunft noch mehr Porsche sein als in der Vergangenheit - stark auf Leistung und Effizienz getrimmt.» Der Diesel ziele auf andere Fahreigenschaften ab.

Autoexperte begrüsst den Entscheid

Der Leiter des CAR Research Centers an der Universität Duisburg, Ferdinand Dudenhöffer, findet den Entscheid von Porsche richtig. «Das katastrophale Image von Dieselantrieben passt nicht zu einem Premiumhersteller.» Die Kundenentäuschungen seien eine grosse Belastung für Porsche. Man könne Porsche nur zu dem Schritt gratulieren, meint Dudenhöffer.

In der Vergangenheit habe sich ja schon Volvo vom Diesel verabschiedet, ebenso wie Toyota. In den USA werde es den Diesel als Personenwagen nicht mehr geben, in China sei er noch nie vertreten gewesen und auf seiner letzten Bastion – Europa – verliere er deutlich, sagt der Experte. Durch die neueren Abgasregelungen werde der Diesel-Wagen teurer und damit im Zeitverlauf bei den Autos immer weniger zu sehen sein, sagt Dudenhöffer. «Bereits heute ist er im Angebot aus Klein- und Kompaktwagen so gut wie verschwunden.» 

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«Die Schweizer waren intelligenter als die Deutschen»

Dudenhöffer lobt die Schweiz und sagt: «Die Schweizer waren intelligenter als die Deutschen und haben den Dieselkraftstoff nicht steuerlich privilegiert.» In Deutschland habe man ja immer noch 18 Cent Steuervorteil pro Liter Diesel gegenüber Benzin. Diesel sei in der Schweiz sowieso nie richtig beliebt gewesen, sagt der Experte. «Die Schweizer lieben Premiumfahrzeuge – und da passt der Diesel wirklich nicht mehr rein».

Ganz abrupt verabschiedet sich Porsche aber noch nicht vom Diesel: Seine bisherigen Diesel-Kunden will der Luxuswagenhersteller weiter betreuen. «Halter von Porsche-Diesel-Fahrzeugen müssen sich um den Service keine Sorgen machen», sagte Blume. Porsche hat fast zehn Jahre Diesel-Fahrzeuge angeboten. Zuletzt ist das Unternehmen aber auch in den Sog der Dieselaffäre in Deutschland geraten: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelte bei Porsche wegen Betrugs zuletzt gegen drei Beschuldigte, darunter Entwicklungsvorstand Michael Steiner.

Ein ehemaliger Motorenchef des Stuttgarter Autobauers kam vorübergehend in Untersuchungshaft. Porsche entwickelt zwar selbst keine Dieselmotoren, soll dem Verdacht zufolge aber manipulierte Motoren der VW-Tochter Audi wissentlich übernommen haben.

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Dr. Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom Car Research Center der Universität Duisburg-Essen.
Quelle: ZVG

Motor-Manipulation für besseren Sound

Unterdessen steht Porsche nach Informationen der «Bild am Sonntag» im Verdacht, Motoren manipuliert zu haben. Mit einer «Emotionalisierungsfunktion» sei der Motorensound auf der Strasse verbessert worden. Die Funktion sei auf dem Prüfstand nicht aktiv.

«Im Einzelfall des 8-Zylinder Cayenne EU5 wurde eine Motorladungssteuerung vom Kraftfahrt-Bundesamt als nicht gesetzeskonform eingestuft», bestätigte Porsche-Chef Blume der Zeitung. Bei allen Fahrzeugen gebe es verschiedene Fahrstufen, die Drehzahl und damit auch den Klang beeinflussen. «Bei diesem Thema muss man genau zwischen emotionalem Sound und Abgasthemen trennen.»

Mit Material von Reuters