Die portugiesische Bank Espirito Santo (BES) fürchtet keine Kapitalknappheit durch die finanziellen Probleme ihrer Gründerfamilie. «Der Vorstand von BES glaubt, dass die potenziellen Verluste aus dem Engagement bei der Espirito Santo Group die Einhaltung der Kapitalvorgaben der Regulierer nicht gefährden», teilte die Bank in der Nacht zu Freitag mit.

Ihr Kapital habe zum Ende des ersten Quartals um 2,1 Milliarden Euro über den Mindestanforderungen gelegen. Seitdem habe die Bank durch eine Kapitalerhöhung weitere 1,045 Milliarden Euro eingenommen, wodurch die Familie Espirito Santo die Kontrolle über die Bank verlor. Die portugiesische Zentralbank war der BES zuvor beigesprungen. «Die Liquidität von BES ist ausreichend», sagte ein Sprecher der Notenbank am Donnerstagabend.

Aktien vom Handel ausgesetzt

Die BES-Aktien waren am Donnerstagmittag vom Handel ausgesetzt worden. Zuvor waren sie um bis zu 19 Prozent auf ein Zwölf-Monats-Tief von 0,50 Euro gefallen. Käufe und Verkäufe von Papieren des BES-Grossaktionärs Espirito Santo Financial waren bereits am Vormittag gestoppt worden. Auch andere Finanztitel in Europa gerieten in diesen Abwärtsstrudel. Die Kosten, zu denen sich Portugal Geld am Kapitalmarkt leihen kann, zogen deutlich an.

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Banco Espirito Santo zählt zu den Grossbanken in der Euro-Zone, die ab November von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigt werden sollen und damit auch dem Stresstest unterzogen werden. Hintergrund der Spekulationen um das Geldhaus sind erhebliche Schwierigkeiten der Muttergesellschaft Espirito Santo International (ESI).

Gegen die in Luxemburg ansässige Holding ermitteln die Behörden seit einiger Zeit wegen Unregelmässigkeiten. Laut Medienberichten soll die Gesellschaft über sieben Milliarden Euro Schulden haben, die sie nicht komplett bedienen kann. Finanzkreisen zufolge wird mit Hochdruck an einem Rettungsplan gearbeitet.

Gefährliches Potenzial

Auch an den New Yorker Aktienmärkten haben die Sorgen um die portugiesische Grossbank für Unsicherheit gesorgt. Der Leitindex Dow Jones Industrial ging 0,42 Prozent tiefer bei 16 915,07 Punkten aus dem Handel. Der marktbreite S&P-500-Index verlor 0,41 Prozent auf 1964,68 Punkte. Vor einer Woche hatten die Indizes noch Rekordhochs erreicht, bröckelten dann aber in einer Korrektur ab. An der Technologiebörse schloss der Auswahlindex Nasdaq 100 am Donnerstag 0,33 Prozent tiefer bei 3880,04 Punkten.

«Die Situation in Portugal hat das Potenzial, das europäische Bankensystem wieder ins Wanken zu bringen», sagten beispielsweise die Experten vom Broker ETX Capital. Auf der Suche nach sicheren Anlagen hätten Investoren Aktien eher gemieden, hiess es an der Wall Street.
 

(sda/awp/me/dbe)