Pakete ins Ausland werden nicht teurer. Die Post verzichtet nach Intervention des Preisüberwachers Stefan Meierhans auf eine Preiserhöhung. Nicht gerüttelt wird dagegen vorerst an den höheren Gebühren für Schalterdienstleistungen wie etwa Vollmachten.

Die Post hatte Ende Jahr eine Reihe von Preiserhöhungen angekündigt. Unter anderem sollten Dienstleistungen am Schalter, einige Kategorien von eingeschriebenen Briefen sowie Pakete ins Ausland teurer werden.

Diese Tarife nahm Preisüberwacher Stefan Meierhans unter die Lupe. Nach dieser Überprüfung verzichtet die Post nun auf die Erhöhung bei den Auslandpaketen, teilte der Konzern mit.

Die Anpassungen der Post hätten die Auslandpakete um rund 15 Prozent verteuert, hielt der Preisüberwacher fest. Der zusätzliche Erlös hätte sich auf 3,4 Millionen Franken belaufen.

Preiserhöhung nicht notwendig

Die Post arbeitet laut dem Preisüberwacher in dem Geschäftsteil aber nicht nur kostendeckend, sondern erwirtschaftet bereits einen angemessenen Gewinn. Die Preiserhöhung sei deshalb nicht notwendig und würde zu einem «Übergewinn» führen.

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Die meisten Preisanpassungen setzte die Post bereits auf Anfang April um. Die Erhöhungen bei den Paketen stellte sie zurück, weil der Preisüberwacher die nötigen Unterlagen nicht rechtzeitig erhielt.

Erneute Überprüfung der Vollmacht-Kosten

Nichts ändern wird sich an den bereits eingeführten höheren Preisen am Schalter. Konsumentenorganisationen kritisierten vor allem den Preis von neu 36 Franken fürs Hinterlegen einer Vollmacht, damit eine stellvertretende Person einen Brief oder ein Paket abholen kann. Jährlich kostet der Dienst danach 24 Franken.

Diese Erhöhungen seien nach heutigem Stand nicht missbräuchlich, stellt der Preisüberwacher fest. Allerdings lagen der Behörde erst Plandaten vor, da es sich um ein neues Produkt handelt.

Deshalb könnte sich der Befund später noch ändern: «Nach rund einem Jahr werden wir den Preis aufgrund der Zahlen nochmals beurteilen», sagte Meierhans auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Vollmacht-Kosten hätten zu den meisten Reaktionen aus der Bevölkerung geführt, sagte Meierhans. Immerhin habe die Post sich bereit erklärt, Alternativen zu den Vollmachten am Schalter zu akzeptieren.

Sie nimmt auch notarielle Vollmachten an, deren Kosten einmalig und je nach Kanton deutlich tiefer sind als bei der Post. Ab 2013 gibt es zudem zusätzlich ein Internet-System.

Ab nächster Woche wird die Post ausserdem keine «Maxibriefe» mehr ohne Versicherung ins Ausland befördern. Sie hebt damit ein bestehendes Produkt auf. Dagegen verfügt die Preisüberwachung über keine Handhabe. Sie will aber mit der Postregulationsbehörde abklären, ob diese in solchen Fällen einschreiten könnte.

Alle Tarife auf dem Prüfstand

Weiter teilte der Preisüberwacher mit, dass die wichtigsten Brief- und Paketpreise derzeit geprüft würden. Die letzte Überprüfung 2009 führte zu Preissenkungen und verhinderte Erhöhungen in dreistelliger Millionenhöhe. Seither hob die Post aber ihren Gewinn bereits wieder auf das frühere Niveau an.

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Wie lange die Überprüfung dauere, lasse sich nicht abschätzen, sagte Meierhans. Die ersten Angaben seien bei der Post bereits verlangt worden. Meierhans wollte sich auch noch nicht dazu äussern, welche Tarife er ins Visier nehmen wird.

Auf die Überprüfung blickt die Post mit Gelassenheit. Sprecher Mariano Masserini erinnerte daran, dass die Meinung des Preisüberwachers nicht bindend sei; dennoch sei es dem Konzern ein Anliegen, mit dem Preisüberwacher ein gutes Einvernehmen zu haben.

Beim UVEK abgeblitzt

In der Erhöhungs-Runde auf April hob die Post auch die Preise für zwei Arten von eingeschriebenen Briefen von vier auf fünf Franken an. Auch das hatte der Preisüberwacher kritisiert. Das Umwelt-, Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsdepartement (UVEK) von Bundesrätin Doris Leuthard genehmigte die Erhöhung dennoch.

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(aho/chb/awp)