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Machtvakuum
Post mit Problemen bei der Ruoff-Nachfolge

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Ausrisse aus dem Stellenprofil: Post-Präsident Urs Schwaller sucht ein «Vorbild in Werthaltung».Quelle: Keystone/HZ

Die Suche nach einem Nachfolger für Susanne Ruoff gestaltet sich schwierig. Die Politik macht den Job unattraktiv. Der Lohn soll sinken.

Iseli
Von Marc Iseli und David Vonplon
am 04.09.2018

Seit dem Abgang von Susanne Ruoff gibt es ein Vakuum an der Spitze der Schweizerischen Post. Der Chefposten ist nur interimistisch besetzt. Nach einem neuen Konzernchef oder einer neuen Konzernchefin wird fieberhaft Ausschau gehalten.  

Die Suche gestaltet sich aber schwierig, wie Stimmen aus dem Konzern, aus Gewerkschaftskreisen und aus dem Umfeld eines bekannten Headhunters sagen. Die Macht der Politik mache den Job unattraktiv, heisst es. Zu viele Baustellen seien offen, so der Tenor. Dazu komme ein Geldproblem: Der Bund fordert eine Lohnsenkung. Der neue Chefpöstler soll dem Vernehmen nach nur noch maximal 800'000 Franken kassieren. 

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Das Generalsekretariat des UVEK bestätigt, dass eine Reduktion angedacht ist. «Der Bundesrat erwartet von den bundesnahen Unternehmen eine substanzielle Senkung der maximalen Gesamtbeträge für die Vergütung des obersten Kaders», sagt Sprecher Harald Hammel. Eine präzise Zahl nenne der Bundesrat aber nicht. «Die Umsetzung obliegt den Unternehmen», heisst es aus der Schaltzentrale des Departements von Doris Leuthard

Die Marke von 800'000, die aus Post-Kreisen verlautbart wird, klingt aber plausibel. Sie bewegt sich innerhalb dessen, was die Politik als Obergrenze definieren möchte. Gleich zwei Vorstösse haben sich in letzter Zeit mit dem Thema beschäftigt. Sie stammen von SP-Nationalrat Corrado Pardini und SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer. Als Folge ist nun ein Vorentwurf für eine konkrete Gesetzesänderung in Ausarbeitung. Künftig soll der höchste Lohn in einem bundesnahen Unternehmen das Bruttosalär eines Bundesrates nicht übersteigen. Mit Einbezug des Ruhegehalts liegt dieses genau in dieser Grössenordnung.

Das verdienen die Chefs bei den Unternehmen und Anstalten des Bundes:

  • Angesiedelt beim EDI:
    Die Schweizerische Unfallversicherung (Suva): 588'375 CHF (102'910 CHF)
    Swissmedic: 301'538 CHF (42'000 CHF)
    Schweizerisches Nationalmuseum: 251'752 CHF (3422 CHF)
    Pro Helvetia: 233'329 CHF (24'300 CHF)
    Compenswiss: 384'803 CHF (93'882 CHF)
     
  • Angesiedelt beim EJPD:
    Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum: 272'712 CHF (10'540 CHF)
    Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde: 333'849 CHF (82'000 CHF )
    Eidgenössisches Institut für Metrologie: 306'750 CHF (22'000 CHF)
     
  • Angesiedelt beim VBS:
    RUAG Holding: 795'330 CHF (198'000 CHF)
     
  • Angesiedelt beim EFD:
    Pensionskasse des Bundes (PUBLICA): 309'000 CHF (36'000 CHF)
    Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA): 552'510 CHF (336'510 CHF)
     
  • Angesiedelt beim WBF:
    ETH Zürich: 350'172 CHF (290'592 CHF – Präsidium ETH-Rat)
    ETH Lausanne: 349'474 CHF (290'592 CHF – Präsidium ETH-Rat)
    EAWAG 303'328 CHF (290'592 CHF – Präsidium ETH-Rat)
    EMPA: 312'519 CHF (290'592 CHF – Präsidium ETH-Rat)
    PSI: 319'412 CHF (290'592 CHF – Präsidium ETH-Rat)
    WSL: 299'131 CHF (290'592 CHF – Präsidium ETH-Rat)
    Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung: 248'562 CHF (61'135 CHF)
    Schweizerische Exportrisikoversicherung: 345'028 CHF (129'425 CHF)
    Schweiz Tourismus: 324'572 CHF (48'500 CHF)
    Identitas: 248'939 CHF (37'625 CHF)
     
  • Angesiedelt beim UVEK:
    Schweizerische Post: 970'425 CHF (253'470 CHF)
    Schweizerische Bundesbahnen: 1'007'235 CHF (279'155 CHF)
    Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat: 321'960 CHF (150'150 CHF)
    PostFinance: 833'751 CHF (226'135 CHF)
    Skyguide: 519'883 CHF (138'045 CHF)
    SRG SSR: 529'346 CHF (153'300 CHF)
    Technology and Production Center Switzerland: 353'952 CHF (6000 CHF)

(Quelle: Kaderlohnreporting 2017. In Klammern steht der Lohn des Präsidenten.)

Sollte die neue Post-Spitze tatsächlich nur noch maximal 800'000 Franken beziehen, käme das einer klaren Senkung gleich. Susanne Ruoff kassierte letztes Jahr 970'000 Franken, wie der Vergütungsbericht des Unternehmens zeigt. Ein Drittel des Lohns ist aber blockiert. Das Geld wird erst nach Abschluss der Untersuchungen zu den Verletzungen des Subventionsrechts im Fall Postauto freigegeben. Der Betrag kann sich auch noch reduzieren. 2016 kassierte Ruoff 974'000 Franken. 

Im Vergleich zu den Bezügen bei der Post-Bankentochter ist das neue Salär aber relativ bescheiden. Postfinance-Chef Hansruedi Köng erhielt für 2017 eine Vergütung von 833'751 Franken. Im Vorjahr waren es 810'000 Franken. Er war damit hinter Ruoff der bestbezahlte Post-Angestellte. Ein durchschnittliches Mitglied der Post-Geschäftsleitung erhielt letztes Jahr 559'000 Franken.  

Post-Präsident Urs Schwaller begnügte sich mit rund 250'000 Franken. Gemessen an seiner aktuellen Aufgabe ist das ein Taschengeld. Schwaller steht in der Postauto-Affäre im Rampenlicht. Und er vertritt die Interessen der Post gegenüber der Politik. Als im August die beiden Verkehrskommissionen des Nationalrats und Ständerats wieder einmal über die Post debattierten, stand der Freiburger CVP-Mann Red und Antwort. Interimschef Ulrich Hurni hielt sich zurück und überliess dem erfahrenen Politiker die Bühne.

Susann Ruoff
Susanne Ruoff: War bis zum Juni 2018 Chefin der Post.
Quelle: Keystone

Das ist wahrscheinlich auch besser so. Hurni eckt an im Bundeshaus. Er hätte von den Tricksereien bei Postauto wissen müssen, heisst es. Er sei immer wieder auf Konfrontationskurs mit den Gewerkschaften gewesen. Und er habe ganz allgemein ein schlechtes Gespür für politisch sensible Themen bewiesen. Ein Beispiel ist das inzwischen gestoppte Pilotprojekt in Vietnam. Die Post wollte unleserliche Schweizer Briefadressen in Südostasien bearbeiten lassen, krebste aber zurück, nachdem sich Widerstand in Bundesbern breit machte. 

Ruoff machte in dieser Angelegenheit auch keine gute Falle. Die über den Postauto-Skandal gestolperte Managerin hat sich unter anderem deshalb einen zweifelhaften Ruf in Bern erarbeitet. Sie wird gelobt für ihr betriebswirtschaftliches Denken. Gleichzeitig kritisieren Politiker die 59-Jährige dafür, wie sie die Transformation beim Bundesbetrieb vorangetrieben hat. Unter ihrer Führung sei die Orientierung an einem Service-Public-Gedanken verloren gegangen. Die Stimmen der Politiker seien ihr zuweilen ein Dorn im betriebswirtschaftlichen Fleisch gewesen. Sie habe das Einmischen der Politik als störend empfunden.   

Aus dem Bundeshaus heisst es nun, dass der neue Konzernchef ein politisches Gespür mitbringen müsse, das jenem des Post-Präsidenten entspreche. «Schwaller ist mit Herz und Seele dabei – zugunsten des Unternehmens», sagt der Bündner Nationalrat Martin Candinas, der wie Schwaller der CVP angehört und die Post in zahlreichen Vorstössen kritisiert hat. «Schwaller löst das Transparenzversprechen ein, das er im Fall Postauto abgegeben hat», urteilt auch Claude Janiak. Der Basellandschaftliche SP-Politiker präsidiert die ständerätliche Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, die Schwaller Mitte August stundenlang gelöchert hat.

Der Headhunter

Die Firma Amrop Executive Search in Zumikon ist damit beauftragt, den neuen «Mister Post» oder die neue «Miss Post» zu finden. Das Unternehmen gehört zu den grössten Headhunter-Firmen der Welt. Es hat unter anderem Roger de Weck an die SRG und Christian Bock an die Eidgenössische Zollverwaltung vermittelt.

Claudia Bucheli Ruffieux und Fredy Hausammann arbeiten auf dem Mandat. Hausammann ist seit 20 Jahren bei der Firma engagiert, Bucheli Ruffieux seit 2004. Hausammann, ein begeisterter Fliegenfischer und Jazz-Liebhaber, arbeitete vorher bei der UBS in Zürich, London und New York. Bucheli-Ruffieux, die den Verband Zürcher Handelsfirmen präsidiert, stand vorher im Sold der Credit Suisse.

Voll des Lobes ist auch die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Sie präsidiert die Verkehrskommission des Nationalrats. Schwaller habe Sympathisanten von links bis rechts. Er geniesse eine breite Unterstützung, sei jeder Einladung der nationalrätlichen Verkehrskommission gefolgt, habe Kritik akzeptiert und Aufträge ernst genommen. Dass sich die Politik zu stark in die Belange der Post einmische, hält Graf-Litscher für Unfug. «Der Bund handelt als Eigentümer der Post», sagt die 54-Jährige. «Wir müssen auch beim Lohn genau hinschauen.»    

Graf-Litscher stellt fest, dass ein Umdenken stattgefunden hat beim Post-Konzern. In ihrer Wahrnehmung wird heute dem Verständnis der politischen Prozesse mehr Platz eingeräumt. Dass dem tatsächlich so ist, zeigt das im Juli fertig gestellte Stellenprofil für den vakanten Chefposten. Konkret heisst es darin, dass eine «zielorientierte» Person gesucht werde, «mit Sinn für das politisch und unternehmerisch Machbare und Sinnvolle». Sie soll «authentisch, gradlinig, eigenständig, begeisterungsfähig, überzeugend, bodenständig und belastbar» sein. Ein Vorbild in «Werthaltung und Verhalten». Eine «Vernetzung mit Schweizer Wirtschaft und dem öffentlichen Bereich» wird gefordert. Und ein «ausgeprägtes Corporate Governance-Verständnis».

Chronik: Der Postauto-Skandal

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Bekannt wird der Postauto-Skandal im Februar 2018. Die Vorfälle selbst reichen jedoch viel weiter zurück: Von 2007 bis 2015 hat die Postauto AG im subventionierten Geschäftsbereich Gewinne erzielt und diese Erträge umgebucht und in anderen Sparten versteckt. In Folge hat die Post-Tochter zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen bezogen. Insgesamt geht es um 78,3 Millionen Franken. Wie wurden die Vorfälle schliesslich aufgedeckt?
Quelle: Keystone .