Der 58-jährige Waadtländer Claude Béglé, der nächstes Jahr die Nachfolge von Postverwaltungsratspräsident Anton Menth antritt, hat klare Vorstellungen über die Zukunft der Post. In seiner Funktion als CEO der privaten Paketpost DPD, einer Tochter der französischen GeoPost, hatte er 2005 im Interview mit der «Handelszeitung» gesagt: «Es gibt für die Schweizerische Post zwei Strategien: Entweder geht sie eine Allianz mit einem grösseren Postnetzwerk ein – ähnlich wie der Beitritt zu einer Airline-Allianz. Oder sie bleibt unabhängig und macht die Arbeit für alle. Ganz allein ist die Schweizer Post zu schwach.»

Heute betont Béglé zwar, dass die Post sich auf die Erwartungen des Besitzers und des Volkswillens konzentrieren müsse. Doch zur Strategie der Post hat er seine Meinung nicht geändert. Béglé: «Die nationalen Postmärkte sind immer mehr voneinander abhängig. Eine isolationistische Einstellung könnte eine längerfristige Abhängigkeit von etablierten Netzwerken bedeuten.» Weiter sagt er: «Wir müssen in Europa und global künftige Partnerschaften strategisch überprüfen.» Die Post müsse berücksichtigen, wie sich der Postmarkt die nächsten zehn Jahre entwickle. Béglé kennt nicht nur die Deutsche Post und DPD von innen, sondern war auch Vizepräsident von TNT und bei Nestlé, Philip Morris und dem IKRK tätig.

Bei den bisherigen Auslandpartnerschaften der Post handelt es sich vor allem um Vertriebspartnerschaften. Enger sind die Kooperationen in gewisssen Nischen wie der Express- und Kuriergesellschaft TNT Swiss Post International. Diese ist ein Gemeinschaftsunternehmen der holländischen TNT-Tochter TNT Express und Swiss Post International.

Anzeige

Der Verband der Privatpöstler KEP&Mail fordert, die Post solle die Arbeit für alle tun und ein Infrastrukturanbieter werden. Das ist die Alternativstrategie, die Béglé 2005 zur Ausland-Allianz genannt hat. Laut KEP&Mail-Präsident Peter Sutterlüti ist die Post heute nur ein Dienstleister: «Ähnlich wie im Schienenverkehr muss die Post aber künftig für alle privaten Dienstleister den Zugang zu ihrer Infrastruktur ermöglichen.» Zudem seien die Infrastrukturen sowieso nur dank Monopolgeldern ermöglicht worden.

Gygi auch auf Allianzsuche

Oben auf der Agenda wird das Thema Auslandallianz auch für den abtretenden Post-CEO Ulrich Gygi sein, wenn er per Anfang 2009 das Verwaltungsratspräsidum der SBB übernimmt. Die Sorgentochter SBB Cargo kann nur in Partnerschaft mit ausländischen Bahnen in die schwarzen Zahlen fahren.