Die E-Mail verdrängt die Briefe. Deshalb seien Preiserhöhungen absehbar, sagt Post-CEO Michel Kunz im Interview mit der «Handelszeitung». «Ich glaube nicht, dass die Volumenrückgänge im Briefmarkt in Zukunft weiter bei 1 bis 2% im Jahr stehen bleiben, ich gehe davon aus, dass wir auf dem Niveau von 3 bis 4% bleiben werden», führt Kunz aus. Der Einbruch im Kerngeschäft wird in den nächsten zehn Jahren also doppelt so gross ausfallen als bisher erwartet.

Grund sei nicht die im neuen Postgesetz auf 2011/2012 vorgesehene komplette Liberalisierung, sondern die elektronische Kommunikation. Neue Angebote könnten die Rückgänge nicht kompensieren.

Kunz spricht auch erstmals Klartext, was die künftigen Abgaben an den Bund anbelangt, wenn die Post im Zuge der weiteren Liberalisierung in eine private AG umgewandelt wird. «Es ist damit zu rechnen, dass die direkten Steuerabgaben rund 20 bis 23% des Gewinns betragen werden», sagt er. Darüber hinaus könne dem Bund kein zusätzlicher Betrag abgeliefert werden. Bisher waren es gegen 200 Mio Fr. pro Jahr.

Wegen der Stärke der Bankenlobby im Parlament glaube er zudem nicht, dass eine Banklizenz für PostFinance Chancen habe. Obwohl: «In einer Volksabstimmung würde die Forderung nach einer Banklizenz eine Mehrheit finden.» Unabhängig davon erwägt die Post eine «grössere Investition». Kunz: «Im Herbst wollen wir entscheiden, ob wir eine stattliche Anzahl Poststellen mit Beratungszentren für PostFinance ausbauen.» Er erwarte in diesem Jahr keine Wertberichtigungen mehr bei PostFinance.

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