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Postfinance bietet keine Abgeltungssteuer an

Postfinance bietet keine Abgeltungssteuer an
Die Lösung entspreche der Weissgeld-Strategie der Postfinance am besten, heisst es. (Bild: Keystone)

Bei der Postfinance werden Kunden aus Deutschland, Grossbritannien und Österreich ihr Geld nicht anonym parkieren können. Mit dieser Weissgeld-Strategie nimmt das Institut eine Kundenflucht in Kauf.

Die Postfinance verlangt von ihren Kunden, dass sie ihre Daten freiwillig an die jeweiligen Steuerbehörden weitergeben.

Die in den Steuerabkommen vorgesehene Abgeltungssteuer will Postfinance nicht anbieten. Sprecher Marc Andrey bestätigte einen Bericht der «Berner Zeitung» vom Mittwoch. Die Abkommen sehen beide Möglichkeiten vor: Entweder leitet das Schweizer Finanzinstitut die Kundendaten oder aber die Abgeltungssteuer an die ausländischen Steuerbehörden weiter.

Weissgeld-Strategie

Bei Postfinance gibt es diese Auswahl nicht: Neukunden müssen ab Inkrafttreten der Abkommen ihr Einverständnis geben, dass ihre Kundendaten via Eidgenössische Steuerverwaltung an die ausländischen Behörden weitergeleitet werden können. Verweigern sie ihre Zustimmung, müssen sie sich ein anderes Finanzinstitut suchen.

Diese Lösung entspreche der Weissgeld-Strategie der Postfinance am besten, sagte der Sprecher. Zudem könnten so die hohen Kosten für die Durchführung der Abgeltungssteuer vermieden werden. Dafür nimmt die Postfinance auch in Kauf, einen Teil der mehreren zehntausend deutschen und einigen tausend britischen und österreichischen Kunden zu verlieren.

Wahlfreiheit bei Banken

Die meisten Schweizer Finanzinstitute werden ihren Kunden dagegen die Wahl lassen, wie Sindy Schmiegel Werner, Sprecherin der Schweizerischen Bankiervereinigung, auf Anfrage sagte. Wenn ein Kunde seine Privatsphäre gewahrt wissen wolle, werde er eine Bank wählen, die ihm eine Abgeltungssteuer-Lösung anbiete.

Vor allem für kleine Finanzinstitute könnte dieser Service aber teuer werden. Die Bankiervereinigung rechnet damit, dass die Schweizer Banken insgesamt rund 500 Millionen Franken in die Einführung der Abgeltungssteuer investieren müssen, vor allem für Informatik und Personalschulung.

Die Grossbank UBS will ihrer Kundschaft alle in den Staatsverträgen vorgesehenen Optionen anbieten. Die Kantonalbanken entscheiden eigenständig, wie eine Sprecherin der Gruppe der Kantonalbanken sagte. Sie erinnert aber daran, dass 99 Prozent der Einlagen bei den Kantonalbanken von Schweizer Kunden stammen.

(laf/aho/sda)

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