Die Postfinance ist seit Mitte Jahr eine Aktiengesellschaft, hat eine Banklizenz und ist der Finanzmarktaufsicht unterstellt. In die Bankiervereinigung will sie aber offenbar nicht. «Wir haben bis jetzt weder ein Beitrittsgesuch gestellt, noch haben wir eine entsprechende Einladung erhalten», sagt Postfinance-Chef Hansruedi Köng der Zeitung «Schweiz am Sonntag». 

«Aber wir führen regelmässig Gespräche mit der Bankiervereinigung über aktuelle Fragen, wie zum Beispiel jetzt über das 'Joint Statement' mit den USA. Die Bankiervereinigung wird dazu nun eine Arbeitsgruppe einsetzen, an der wir uns allenfalls beteiligen werden.» Die Postfinance habe nichts zu verstecken, betont Köng.

Vorreiter-Rolle bei Facta

Doch ihr Name dürfte auf den Leaverlisten stehen, die jetzt in die USA gehen. «Jede mittlere und grössere Bank wird auf diesen Leaverlisten auftauchen», sagt Köng. «Alles andere zu denken, wäre utopisch.» Die Postfinance nimmt auch eine Vorreiter-Rolle bei Fatca ein: «Wir werden die Fatca-Bestimmungen bereits ab diesem November umsetzen. Das heisst: Jeder neue US-Kunde muss uns die nötigen Fatca-Formulare bereits unterschrieben einreichen, wenn er ein Konto eröffnen will», sagt Köng.

Anzeige

«Das werden wir dann auch nach und nach von den bestehenden US-Persons verlangen.» Weiter äussert sich Köng zur neuen Anlagepolitik der Postfinance: Im Vorfeld der Umwandlung der Postfinance in eine AG habe es Unsicherheiten gegeben. «Wir wussten nicht genau, ob und wie viel Kundengelder deshalb abfliessen werden. Deshalb waren wir sehr vorsichtig und haben viel Liquidität aufgebaut.»

Anlagepolitik normaliesieren

Doch jetzt sei klar: «Es gab seit der Umwandlung keine grossen Mittelabflüsse.» Das heisse: „Jetzt können wir unsere Anlagepolitik normalisieren und wieder substanzielle Beträge investieren.“ Investieren will Köng vor allem in Pfandbriefe und öffentlich-rechtlich Körperschaften wie Städte und Kantone, staatsnahe Institutionen oder multinationale Schuldner.

Überlegungen stellt Köng auch an, wie er die „umfassenden Informationen, die wir dank des Zahlungsverkehrs haben, gewinnbringend nutzen könnte. «Wir wissen zum Beispiel, wer in Interlaken teure Schuhe kauft - und vieles mehr. Zwei Drittel des Schweizer Zahlungsverkehrs läuft über uns. Alle reden von Big Data, wir haben Big Data.»

Die Auflagen des Datenschutzes will Köng respektieren. «Hingegen könnten Geschäftskunden mit einem Angebot für bestimmte Privatkunden zu uns kommen. Denn wir wissen ja, wen das allenfalls interessieren könnte. Wir könnten eine Plattform bieten, eine Vermittlerrolle zwischen Anbieter und Nachfrager einnehmen.»

(aho)