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Regulierung
Postfinance-Dilemma: «Wir gehören ja dem Steuerzahler»

Hansruedi Köng: «Meilenstein für unser Institut.»  Keystone

Die Postfinance ist systemrelevant. Wie gut gerüstet ist die Bank? Wird nun das Angebot für Privatkunden teurer? CEO Hansruedi Köng spricht über ein besonderes Problem, das auf die Bank zukommt.

Von Christian Bütikofer
am 01.09.2015

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat entschieden: Die Postfinance ist systemrelevant für das Schweizer Finanzsystem und die Volkswirtschaft. Vor allem die bedeutende Stellung des Finanzinstituts im inländischen Einlagegeschäft und die starke Position im Zahlungsverkehr in der Schweiz waren für den Schritt der SNB ausschlaggebend.

Was sind nun die nächsten Schritte? Haben die zusätzlichen Auflagen für die Bank Folgen für die Kunden? Das sagt Postfinance-CEO Hansruedi Köng zu den wichtigsten Fragen:

Was der neue Status für die Postfinance bedeutet. Hansruedi Köng: «Er zeigt unsere wichtige Rolle für das Schweizer Finanzsystem und trägt zu dessen Stabilität und einer robusten Schweizer Volkswirtschaft bei. Deshalb begrüsse ich den Entscheid der SNB. Zwei Jahre nach der Umwandlung in eine AG und dem Erhalt der Banklizenz ist dies ein weiterer Meilenstein für unser Institut.»

Ob der Entscheid überraschend kam. «Der Entscheid der SNB trifft uns nicht unvorbereitet. Wir betreiben zum Beispiel seit mehreren Jahren zwei redundante Rechenzentren in Bern und Zofigen. Bei den Eigenmitteln übertreffen wir bereits heute die gesetzlichen Vorgaben. Und unsere Leverage-Ratio beträgt 4,4 Prozent, gefordert sind 3 Prozent.»

Welche Massnahmen die Postfinance als nächstes trifft – in punkto Eigenkapital und Notfallplan. «Aus heutiger Sicht brauchen wir kein zusätzliches Eigenkapital. Schon jetzt haben wir 5,3 Milliarden Franken ausgewiesen per Mitte Jahr – das entspricht einer Eigenkapitalquote von 20,1 Prozent - 14 Prozent sind bei systemrelevanten Finanzinstituten vorgeschrieben. Für den Moment sind wir sehr gut kapitalisiert.
Zum Notfallplan kann ich noch keine detaillierten Aussagen machen. Die Ausarbeitung gehen wir nun gemeinsam mit der Finma an. Es wird interessant zu sehen sein, wie wir das organisatorisch lösen. Wir haben ja den Grundversorgungsauftrag: Kontoführung und flächendeckenden Zahlungsverkehr müssen wir anbieten - das ist unser Kerngeschäft und ist systemrelevant. Worauf man im Krisenfall allenfalls verzichten könnte, wird sich weisen.»

Wie sich der Notfallplan im Vergleich zu anderen systemrelevanten Schweizer Banken unterscheidet. «Wir unterstehen nicht nur der Finma sondern auch der Grundversorgungsaufsicht des Bakom. Dies gilt es zu berücksichtigen. Die Too-Big-To-Fail-Verordnung hat ja eigentlich zum Ziel, dass bei einem Krisenfall nicht der Steuerzahler für die Bank einspringen muss. Nur: Postfinance gehört ja dem Steuerzahler. Wie also unter diesen Voraussetzungen der Notfallplan konkret ausgestaltet wird, ist noch unklar.»

Wie teuer der  SNB-Entscheid für die Postfinance wird – auch für die Kunden. «Verglichen mit anderen systemrelevanten Banken dürften die Kostenfolgen für Postfinance klein sein. Wir müssen zum Beispiel nicht eine rechtliche Einheit aus einem multinationalen Gebilde ausgliedern. Die Systemrelevanz wird zu keiner Gebührenerhöhung für unsere Kunden führen. Wir bieten im heutigen Marktumfeld nach wie vor attraktive Konditionen an. Das soll auch in Zukunft so bleiben.»

Ob die Postfinance nun eine Teilprivatisierung ins Auge fassen wird. «Im Moment laufen keine Bestrebungen, eine Teilprivatisierung durchzuführen.»

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