Der Verwaltungsratspräsident der Post, Claude Béglé, will mit dem neuen CEO Jürg Bucher neue Wachstumsfelder erschliessen und so das rückläufige Kerngeschäft kompensieren. Potenzial sieht er nicht nur im Finanzbereich, sondern auch bei der elektronischen Post, wo er mit Renditen von 5 bis 10% rechnet. Der abtretende CEO, Michael Kunz, hatte aus Sicht von Béglé zu fest aufs Sparen anstatt aufs Wachsen gesetzt.

Wenig Flair dürfte Kunz auch für Béglés internationale Netzwerkambitionen gehabt haben. Der 60-jährige Waadtländer hat klare Vorstellungen über die Zukunft der Post. «Wir müssen mittels Fusionen, Übernahmen und Allianzen wachsen sowie in unser eigenes Know-how und in die Entwicklung investieren», sagt Béglé gegenüber der «Handelszeitung». Bucher teile seine Vision.

Auf Anfrage äussert sich Bucher, seit vergangenem Montag Post-Konzernchef und PostFinance-CEO in Personalunion, auffällig zurückhaltend zu den Plänen seines Präsidenten: Internationale Allianzen seien sicher interessant, das Schwergewicht bleibe aber auf dem Heimmarkt. Gerade PostFinance habe im Schweizer Retailbanking noch viel Potenzial.

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Auch Béglé räumt ein, dass die Post sich auf die Erwartungen des Besitzers und auf den Volkswillen konzentrieren müsse. Doch zur Strategie der Post hat er seine Meinung nicht geändert. Béglé: «Die nationalen Postmärkte sind immer mehr voneinander abhängig. Eine isolationistische Einstellung könnte eine längerfristige Abhängigkeit von etablierten Netzwerken bedeuten.» Weiter sagt er: «Wir müssen in Europa und global künftige Partnerschaften strategisch überprüfen.»

Ob Béglé mit seinen ambitionierten Wachstumsplänen durchkommt, ist offen: Trotz Wechsel an der Konzernspitze darf nicht vergessen werden, dass den strategischen Plänen des VR enge Grenzen gesetzt sind. Die Post hat sich an die Regeln des Postmarktes und an die Leistungsvereinbarung des Bundesrates, ihres Eigners, zu halten.

PostFinance soll mitspielen

Reibungsflächen gibt es genug, etwa beim Thema PostFinance: Sowohl Bundesrat als auch Ständerat haben sich gegen eine Banklizenz für die Finanzdienstleisterin ausgesprochen. Béglé schlägt in dieser Sache nun versöhnliche Töne an. «Dass PostFinance auch ohne Banklizenz ganz gut leben kann, haben wir bewiesen», sagte Béglé der «Handelszeitung» am Rande einer Veranstaltung der Aussenhandelsorganisation Osec in Bern. Zwar signalisierte Béglé, dass er den Kampf um eine Banklizenz nicht aufgebe: «Es muss PostFinance erlaubt werden, selbstständig Hypotheken und Kredite anbieten zu können und damit einen grossen Teil ihrer Kundengelder in der Schweiz in unsere Wirtschaft zu investieren.» Auch Jürg Bucher ist nach wie vor der Meinung, dass eine Banklizenz die «beste Lösung» wäre.

Béglé bekräftigt unterdessen den Weg, den PostFinance nun zu beschreiten hat. «Wir werden uns über Partnerschaften mit Banken weiterentwickeln», erklärte er. PostFinance führt bereits Kooperationen mit der Valiant und der Münchener Hypothekenbank. Weiteren Partnerschaften gegenüber ist Béglé nicht abgeneigt. «Wir sind immer offen für neue Wege, derzeit führen wir aber keine konkreten Verhandlungen.» Auf jeden Fall will der Post-Präsident «alles dafür tun», um PostFinance «so schnell wie möglich» den Regeln der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) zu unterstellen. «Ob wir nun offiziell eine Bank sind oder nicht: Wir verwalten Kundengelder in der Höhe von rund 73 Mrd Fr. und sind daher ein Finanzinstitut von valabler Grösse. Deshalb erachten wir es als sinnvoll, uns der Finma zu unterstellen.»

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Finma-Gespräch weit gediehen

Laut Bucher ist die Finma-Unterstellung bereits weit vorangeschritten. Nur noch zwei Lücken seien zu füllen. «Diese betreffen die Corporate Governance, indem für die künftige PostFinance AG ein neuer Verwaltungsrat zu bilden ist.» Die neue AG sollte 2011 ihre Arbeit aufnehmen, so Bucher. «Bis dahin amte ich weiter als Leiter von PostFinance.» Die zweite Lücke betreffe die bankregulatorische Kapitalisierung. «Wir erfüllen schon heute die Kriterien von Basel II, werden aber künftig unser Eigenkapital über die Thesaurierung von Gewinnen weiter erhöhen», sagt Bucher.

Im Rahmen der Revision der Postgesetzgebung hat der Ständerat vergangene Woche der Umwandlung von PostFinance in eine Aktiengesellschaft und deren Unterstellung unter die Finma zugestimmt.

Béglé sieht den Weg in die Zukunft klar: «In den nächsten drei Jahren wird Bucher die Post begleiten, und ich werde die Transformation in eine AG vollziehen.» Ob dann ein Börsengang oder eine Allianz anstehe, kann Béglé noch nicht sagen. «Dafür ist es zu früh.»