Rohstoffe haben den Grossteil der scharfen Preisrückgänge des 2. Halbjahres 2008 wieder aufgeholt. Und dieser Preisanstieg dürfte vor dem Hintergrund der Euro-Schwäche und der Staatsverschuldung weitergehen: Auf Euro-Basis haben die Rohstoff-Indizes seit Jahresbeginn um 16% zugelegt, auf Dollar-Basis um 5%. Diese Entwicklung beeinflusst auch zunehmend das Potenzial von an der SIX Swiss Exchange gelisteten Unternehmen.

Airlines leiden besonders

So hatte sich beim letzten Zyklus gezeigt, dass die Betriebsgewinnmargen in einigen Sektoren stark unter Druck gerieten, als die Rohstoffpreise stiegen. Besonders deutlich waren diese Effekte bei Autoherstellern und ihren Zulieferern wie Rieter, bei Baumaterialkonzernen wie Holcim, Investitionsgüterherstellern wie ABB, Chemiewerten wie Clariant und Minenkonzernen wie Xstrata.

Ebenfalls Probleme bekundeten die Fluggesellschaften wie die Swiss-Muttergesellschaft Lufthansa, Air France-KLM und British Airways. Hier traten gleich zwei Herausforderungen auf: Einerseits konnten die gestiegenen Rohölpreise aufgrund der Wettbewerbssituation nur teilweise weitergegeben werden, anderseits erwiesen sich die Absicherungstransaktionen gegen hohe Kerosen-Preise (das sogenannte «Hedging») als kostspielig.

Anzeige

Gefürchtete Preisinflation

Relativ gut gehalten hatten sich im letzten Zyklus dagegen Nahrungsmittel- und Getränkehersteller wie Nestlé und Barry Callebaut. Keine nennenswerten Schwierigkeiten ergaben sich auch bei Dienstleistern wie der Finanzin-dustrie oder Telekom-Netzbetreibern. Die Grossbanken wie UBS und Credit Suisse sind zwar im Rohwarengeschäft tätig, aber hier ist der Handel inzwischen wieder wichtiger als die Eigenpositionen.

Ob sich die Margen der 2009 besonders stark unter Druck gekommenen Aktien wieder erholen, hängt auch vom Makro-Szenario für die Euro-Zone ab. Hier prognostizieren etliche Analysten aufgrund des schwachen Euro gegenüber dem Dollar, der Währung, in der die meisten Rohstoffe gehandelt werden, eine «Rohwarenpreisinflation». Das wiederum schränkt die Möglichkeiten der Hersteller ein, steigende Rohstoffpreise 1:1 an ihre Kunden weiterzugeben. Eine schwächere Heimwährung ist lediglich hinsichtlich der besseren Exportmöglichkeiten und der positiven Währungseffekte für stark exportlastige Firmen günstig. Welcher Effekt stärker ist, hängt vom Umsatzanteil ab, der in aufstrebenden und prosperierenden Ländern erzeugt wird. Beim Düngemittelkonzern Syngenta liegt dieser Anteil bei 34%, bei Nestlé um 35%, Clariant kommt auf 40% und ABB auf 45%. Am besten von den Schweizer Blue Chips steht Holcim mit 53% da.

Anderseits entfällt bei Zementherstellern ein Viertel der Produktionskosten auf Energie; steigende Energiepreise schlagen innert neun bis zwölf Monaten auf die Kostenbasis durch.

Bei Chemiewerten sind Spezialitätenchemiehersteller wie Clariant laut den Analysten viel exponierter als Düngemittelproduzenten wie Syngenta oder Industriegasspezialisten wie Linde. Die meisten Chemiekonzerne «hed-gen» die Schwankungen bei Rohstoffen dabei nur marginal ab. Die deutsche BASF bildet aufgrund der Zusammensetzung der Geschäftsfelder gar einen natürlichen Hedge das Spezialitätengeschäft würde unter steigenden Rohölpreisen leiden, die anderen Bereiche aber teilweise davon profitieren.

Brands sichern den Vorsprung

Ebenfalls grosse Auswirkungen auf die Margen bestehen bei Raffineriebetreibern wie Petroplus und Förderplattformenbetreiben wie Transocean, wenn der Rohölpreis steigt. Petroplus meldete für das letzte Quartal «keine grossen Effekte» der gestiegenen Rohölpreise auf die Erfolgsrechnung. Hier spielt auch die Lagerbewertung eine grosse Rolle. Theoretisch steigen zudem die Preisdifferenzen zwischen schweren und leichten (teuren) Destillaten, wenn die Rohölpreise steigen.

Für Transocean sind steigende Rohölpreise grundsätzlich gut. 90% der in den letzten Jahren neu entdeckten Lagerstätten liegen im Meer und der Grossteil davon in der Tiefsee. Solche Lager lassen sich nur mit teuren Plattformen erschliessen und ausbeuten. In diesem Geschäft sind deshalb die Eintrittshürden hoch.

Robust dürften laut den Analysten die Margen bei den grossen Lebensmittelherstellern wie Nestlé, Unilever und Danone bleiben. Ausschlaggebend sind hier die grossen Markennamen. Kleinere Hersteller ohne weltbekannte Brands hingegen können lediglich einen Teil der Rohwarenpreise weitergeben.

Problematisch wird es laut den Analysten der Bank of America erst, wenn aus einer Rohwarenpreisinflation eine breite Inflationswelle mit Lohn-Preis-Spiralen inklusive steigender Immobilienpreise kommt. Finanzwerte wie die Banken- und Versicherungsaktien beispielsweise würden bei leichter Inflation eher profitieren, bei steigenden Raten indes zu den schlechtesten Aktien zählen. Eine galoppierende, breite Inflation wäre Gift für alle Aktien.