Kaviar, Cüpli und endlose Beinfreiheit in der Business-Class oder First-Class sind für die meisten viel fliegenden Manager vorerst kein Bestandteil ihrer Dienstreise mehr. Kosten- und Spardruck, ausgelöst durch die globale Finanzkrise, dominieren die Reiseabteilungen etlicher Konzerne. Die Luft für Luxus am Himmel ist dünner geworden.

Sparmassnahmen ausgelöst

Von einem dramatischen Einbruch könne zwar noch nicht die Rede sein, beruhigt Klaus Stapel, CEO der Schweizer Niederlassung von Air Plus, einer internationalen Finanzdienstleisterin, die Unternehmen mit massgeschneiderten Lösungen für Abrechnung und Analyse unterstützt, ihr Travel Management zu optimieren. In allen relevanten Märkten sei die Entwicklung bei den Geschäftsreisen vorerst noch stabil. Erste Sparmassnahmen habe die Finanzkrise in einigen Betrieben gleichwohl ausgelöst. «Einerseits werden bei Geschäftsreisen vermehrt Flüge von der Business-Class auf die Economy-Class zurückgestuft. Anderseits versuchen Firmen, bestimmte Reisen nach Möglichkeit durch alternative Konferenzmöglichkeiten mit elektronischen Hilfsmitteln zu ersetzen», sagt Stapel. Air Plus offeriert ihre Dienstleistungen allen Unternehmen, vom Grosskonzern bis zum KMU.

Bestätigt werden diese Beobachtungen von den führenden Geschäftsreiseveranstaltern Hogg Robinson Group (HRG) und Carlson Wagonlit Travel (CWT). Seit Beginn des laufenden Jahres hätten die abflauende Konjunktur sowie die finanziellen Verluste einen wachsenden Einfluss auf die Reisepolitik der Unternehmen genommen, bestätigt Beat Bürer, CEO von HRG Switzerland.

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Bei CWT Switzerland ist der Rückgang gemäss CEO Walter Ruggli seit Juni 2008 so richtig spürbar. Reisen und Flüge für interne Meetings würden von Firmen vermehrt gestrichen und bei stattfindenden Business-Trips stärker auf die Kosten geachtet, stellt Ruggli fest. «Die Gründe für Geschäftsreisen werden intensiver hinterfragt, die internen Reiserichtlinien dahingehend angepasst», erläutert Bürer das Verhalten vieler seiner Kunden.

Gegenmassnahmen eingeleitet

Statt dem sich abzeichnenden Rückgang ihres Geschäfts tatenlos zuzusehen, wollen die Geschäftsreiseanbieter die Kundschaft mit umfangreichen Dienstleistungen zur Steigerung der Kosteneffizienz bei der Stange halten. So bemüht man sich bei CWT aktiv, die strengeren Reiserichtlinien der Firmen mit günstigeren Angeboten für Reiserouten und Unterkünfte durchzusetzen. «Wir offerieren für den Transport zum Beispiel vermehrt die Bahn oder Low Cost Carrier», erklärt Ruggli.

Wie CWT nutzt auch der Mitbewerber im Einkauf sein globales Netzwerk, um den Kunden günstigere Marktpreise zu offerieren. Laut Bürer steht bei HRG längst nicht mehr nur der Verkauf von Geschäftsreisen im Vordergrund. «Eine unserer Kernkompetenzen ist die ganzheitliche Beratung rund um alle Geschäftsreiseausgaben und die damit verbundene Analyse sämtlicher Prozesse.»

Solche Massnahmen und daraus resultierende Einsparungen sind in Zeiten wie diesen, wo ein wachsender Kostendruck die Reisebudgets vieler Unternehmen bedroht, besonders wichtig. Entscheidend ist für Geschäftsreisende im Moment vor allem, dass sie schon vor Antritt der Reise sämtliche Kosten detailliert und transparent einsehen können.

HRG bietet ihren Kunden anhand des elektronischen Daten-Report-Systems Travel Watch vorgängig eine Online-Kontrolle für die Einhaltung der Reisericht- linien sowie alle Ausgaben. CWT offeriert sogenannte Pre-Trip-Statistiken. «Sie sind für den Kunden eine zusätzliche Hilfe bei der Entscheidung, ob die Geschäftsreise angetreten werden soll oder nicht», sagt Walter Ruggli.

Die durch Vorleistungen von Geschäftsreiseprofis wie HRG, CWT oder Air Plus geschaffene Preistransparenz erleichtert es den Reiseverantwortlichen von Unternehmen, mit schlagkräftigen Argumenten direkt in Verhandlungen um Rabatte mit Fluggesellschaften, Hotelketten oder Mietwagenanbietern zu steigen.

Billigere Fluglösungen gefragt

Der damit erzeugte Preisdruck dürfte vor allem bei Linienverbindungen noch erheblich zunehmen. Einerseits reisen Geschäftsreisekunden heute öfter per Billigflieger. Anderseits haben auch Anbieter von Privatjets die gewachsene Preissensibilität der Geschäftsreisekunden erkannt und darauf reagiert. Inhabern ihrer neuen Jet Card bietet etwa Air Partner, eine internationale Anbieterin von Charterflugzeugen mit Niederlassungen in Zürich und Genf, garantierte Verfügbarkeiten in Privatjets zu einem im Voraus fixierten und «konkurrenzlos günstigen» Preis an. Die Geschäftsfliegerei revolutionieren möchte im nächsten Jahr der Ex-Swissair-Manager Hansjörg Hunziker mit seiner günstigen Privatfluggesellschaft Jet Bird, welche die Konkurrenz preislich um 50% unterbieten will. Die Finanzkrise dürfte ihm entgegenkommen.