Die praktisch ungebrochen steigenden Preise für Rohöl und Kerosin sorgen für immer weitere Treibstoffzuschläge der Fluggesellschaften. Während sie in der laufenden Sommersaison als Extrakosten entrichtet werden müssen, können sie die Reiseveranstalter auf die nächste Wintersaison hin in ihre Pauschalangebote einrechnen. Doch deswegen müssen Ferien nicht zwangsläufig teurer werden, wie eine Umfrage der «Handelszeitung» ergibt.

«Bei Arrangements mit Flug und Hotel ist dies unterschiedlich», erklärt Stefan Leser, CEO von Kuoni Schweiz. «An Zielen, wo in Dollar eingekauft wird, sind die Preiserhöhungen minim, da hier auch der Fluganteil geringer ist. Auf der Kurzstrecke, wo der Fluganteil grösser ist, ist mit zirka 3% zu rechnen.» Einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten ortet der Chef des Schweizer Marktführers dank des Verkaufs von Edelweiss Air an Lufthansa (siehe «Nachgefragt»). Leser glaubt, dass gewisse Angebote sogar günstiger werden könnten.

Wunschvorstellung Nullrunde

Thomas Stirnimann, CEO von M-Travel Switzerland (Hotelplan Schweiz und Travelhouse), wünscht sich, dass es keine Preiserhöhungen geben werde. Noch seien die Kataloge für den Winter 2008/09 aber nicht gedruckt. «Wenn es bei uns zu Preiserhöhungen kommt, dann werden sie moderat ausfallen.» Man habe gut gearbeitet und an den grossen Zielen die Landleistungen besser verhandelt, indem man den Einkauf gestrafft und konzentriert habe. In diesem Bereich hat das zweitgrösste Reiseunternehmen des Landes klar Aufholbedarf. Als allgemeinen Pluspunkt für die Kundschaft führt Stirnimann auf, dass sich die Wechselkurse zu deren Gunsten entwickelt hätten. «Damit lässt sich preislich einiges kompensieren.»

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Weniger zuversichtlich schauen die deutsch geprägten Mitbewerber in die Zukunft: Andreas Restle, Geschäftsführer von ITS Coop Travel: «Wir kommen aufgrund der Treibstoffzuschläge nicht darum herum, die Preise zu erhöhen. Ich gehe davon aus, dass sie auf der Kurzstrecke um 5% und auf der Fernstrecke bis 10% steigen.» Dies entspreche etwa der Preiserhöhung, die im Gesamtmarkt Schweiz zu erwarten sei. Der Newcomer nimmt für sich die Preisführerschaft in Anspruch. Entsprechend relativiert Restle, indem er andeutet, dass es für eine definitive Aussage zu früh sei, da man mitten in der Produktion stecke.

Bereits abgeschlossen ist dieser Prozess bei der Nummer drei. Martin Wittwer, CEO von TUI Suisse, führt aus: «Weltweit steigende Energie- und Lebensmittelkosten haben in den meisten Ferienorten zu höheren Einkaufspreisen geführt.» In einigen Fernreisezielen habe man den Anstieg aufgrund des günstigen Wechselkurses teilweise kompensieren können. Ebenso zeige der Ausbau des Frühbucherangebots preisdämpfende Wirkung. «Deshalb fällt der durchschnittliche Preisanstieg für die Kurzstrecke mit 4% sowie für die Fernstrecke mit 2% moderat und zum Teil deutlich unterhalb der aktuellen Inflationsrate aus», erklärt Wittwer.

Für die kommenden Monate gibt sich Kuoni vorsichtig optimistisch. TUI sieht im Moment noch keine Anzeichen, dass weniger gereist wird. M-Travel erwartet, dass sich der Markt dennoch marginal abkühlen dürfte.

 

 

NACHGEFRAGT


«Pauschalreisen werden vereinzelt günstiger»

Stefan Leser, Geschäftsleitungsmitglied der Kuoni Reisen Holding und CEO von Kuoni Schweiz, über die Beweggründe des Verkaufs von Edelweiss Air an Lufthansa sowie über die Synergie- effekte für Kuoni Schweiz dank der Partnerschaft mit Swiss.

Ihre Fluggesellschaft Edelweiss Air gehört ab 1. November 2008 wie Swiss zu Lufthansa. Was wird bei Kuoni Schweiz nach dem Verkauf besser?

Stefan Leser: In diese Partnerschaft mit Swiss wollten wir nicht einfach Edelweiss Air als Schwester von Swiss in ein grösseres Gebilde einbringen. Denn wir hatten mit unserer Edelweiss Air in der Vergangenheit viel Freude und kein Kostenproblem.

Sondern?

Leser: Kostensynergien in Bezug auf Infrastruktur und Maschinen hätten wir nie allein erbringen können. Das heisst, wir werden die vier Flugzeuge von Edelweiss Air mit der Hilfe von Swiss deutlich mehr in die Luft bringen und damit ein grösseres Angebot an Destination bieten. Natürlich können wir für die Kunden so eine Preisstruktur gestalten, die wir alleine nicht geschafft hätten. Und damit fängt man einen Grossteil der steigenden Treibstoffpreise auf.

Ihre Verhandlungen haben vor dem Rekordhoch des Erdöls stattgefunden. Perfektes Timing oder glückliches Händchen?

Leser: Der damalige Zeitpunkt war sicher richtig, als wir die Verkaufsgespräche geführt hatten, da wir nicht wussten, dass der Ölpreis noch so ansteigen würde. Das ist der eine Aspekt. Der andere ist, dass Swiss über ihr Internetportal eine ganz andere Möglichkeit des Einzelsitzplatzverkaufs hat, als wir es auf der Homepage von Edelweiss Air gehabt hätten. Und es ist kein Geheimnis, dass auf die Internetseite von Swiss ein paar Leute mehr klicken.

Und was hat Swiss von ihrem Engagement?

Leser: Swiss hat einen bestehenden Partner, der noch bis Ende Jahr auf ihrer Webseite Hotels anbietet. Diesen Service werden wir ab dem nächsten Jahr mit rund 15000 Hotels auf der Homepage von Swiss ermöglichen.

Wie viel Zusatzumsatz erwarten Sie dadurch?

Leser: Wir werden sehen, wie sich die Buchungen weiterentwickeln werden. Der Vorteil ist, dass wir im Kuoni Destination Management diese Hotels bereits vertraglich gesichert haben. Ich denke, es wird ein schöner Absatzkanal für neue Märkte und neue Kunden, von dem beide Unternehmen profitieren werden.

Werden dank den Kostensynergien von Edelweiss Air bei Swiss für die Kunden von Kuoni Schweiz die Ferien sogar günstiger?

Leser: Pauschalreisen werden in einzelnen Bereichen günstiger. Sie werden aber sicher nicht in dem Mass teurer, wie es den Eindruck erweckt, wenn man die heutigen Treibstoffkosten an der Tankstelle sieht. Die Preise für Flugreisen allgemein steigen massiv. In dieser Höhe geben wir die Erhöhung natürlich nicht weiter ? was wir ohne die Partnerschaft mit Swiss jedoch sicher hätten tun müssen.