Die Ölpreise haben sich in Jahresfrist halbiert. Ölförderer hat der Preiszerfall hart getroffen. Innert Monaten klaffte eine gewaltige Lücke in der Einnahmenseite. Deshalb strichen sie auf der Ausgabenseite: Sparprogramme wurden aufgegleist, Investitionen zurückgefahren, Förderprojekte auf Eis gelegt. Und es wurden massenhaft Menschen entlassen. Mittlerweile liegt die Zahl laut Bloomberg bei über 100'000 Personen weltweit.

Diese Kündigungswelle kann sich fortsetzen, sollte die Erholung der vergangenen Wochen nicht von Dauer sein: Die US-Grossbank Citi hält einen Ölpreis-Rückgang um nochmals mehr als die Hälfte auf bis zu 20 Dollar pro Fass (159 Liter) für denkbar. Ein so niedriger Preis würde zu weiteren drastischen Schritten führen.

Australien besonders hart getroffen

Besonders hart getroffen hat es bisher Australien, dessen Arbeitskräfte bereits unter dem Rückgang der Minenindustrie zu leiden hatten. Energieunternehmen wie der britische Konzern BG Group und die australische Woodside Petroleum investierten mehr als 70 Milliarden in Erdgasförderprojekte, die jetzt vorerst nicht weitergeführt werden. In Ländern wie Brasilien und Mexiko wiederholt sich diese Geschichte.

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Auch in den USA stehen zahlreiche Projekte – und damit Arbeitsstellen – vor dem Aus. Wie der Ölfeldausrüster Baker Hughes kürzlich meldete, hat es Mitte Januar den stärksten wöchentlichen Rückgang bei der Zahl der Öl- und Gasbohrtürme in den USA gegeben seit Januar 2009 und den drittstärkten Einbruch seit dem Jahr 2000. Für das erste Quartal erwartet der Konzern aus Houston in Texas sogar einen Rückgang der US-Bohrtürme um 15 Prozent. Und es könnte noch schlimmer kommen. Der Konzern will deshalb 7000 Jobs streichen.

Schweiz bleibt grösstenteils verschont

In der Schweiz sieht die Situation besser aus. Das Land gilt sogar als Profiteur des Ölpreiszerfalls. Tiefe Energiepreise dürften das hiesige Wirtschaftswachstum ankurbeln. Vor der Aufhebung der Kursuntergrenze zum Euro erwarteten Experten des Lausanner Konjunkturforschungsinstituts Créa, dass die Konjunktur auf diese Weise um 0,3 bis 0,6 Prozent angeschoben werden könnte.

Schweizer Firmen spüren tendenziell positive Auswirkungen. Unter den zwanzig europäischen Firmen mit den grössten Kursgewinnen bei fallendem Ölpreis stammen vier aus der Schweiz, wie eine Analyse von Morgan Stanley zeigt: Der Hersteller von Aromen und Duftstoffen Givaudan führt die Rangliste der Gewinner sogar an, Schindler folgt auf Platz elf, Geberit rangiert auf zwölf und Syngenta liegt auf Platz 18.

Genfer Händler freuen sich sogar

Schwer wiegen die tiefen Preise nur bei einigen wenige Firmen, sicherlich aber für Transocean. Das Mineralölunternehmen musste zuletzt einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar hinnehmen. Die wirklich schwierigen Zeiten können sogar erst noch auf Transocean zukommen. Als Ölservicefirma zeigt sich der zerstörerische Effekt auf die Firmenbilanz erst mit Verzögerung – im Gegensatz zu Ölförderern.

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Rohstoffhändler hingegen freuen sich regelrecht über den Preiseinbruch. Die weltgrössten Rohstoff-Handelshäuser, die von Genf aus rund ein Drittel des weltweiten Öls kaufen und verkaufen, geniessen den Rückfall in einen «Bärenmarkt».

Allerdings bremst hier der Franken-Schock: Mercuria Energie zum Beispiel, viertgrösster Rohstoffhändler weltweit, erwägt Jobaufbau eher im Ausland als hierzulande. Mitgründer und CEO Marco Dunand sagt gegenüber Bloomberg: «Es würde mich überraschen, wenn wir die Anzahl der Mitarbeiter in der Schweiz erhöhen.»