Sie galten als Fels in der Brandung. Nobel, stabil, diskret – so stellten sich die klassischen Schweizer Privatbanken dar, deren Teilhaber mit ihrem gesamten persönlichen Vermögen unbeschränkt für die Verbindlichkeiten ihres Hauses hafteten. So verkörperten Häuser wie Pictet oder Lombard Odier das unvergleichliche Swiss Banking – jahrhundertelang.

Damit ist nun Schluss. Denn mit der Aufgabe ihres Privatbanken-Status’ und der Mutation zu Aktiengesellschaften offenbaren die beiden grössten Schweizer Privatbanken, dass ihre Gesellschaftsform ausgedient hat, wie sie heute an einer ganz kurzfristig anberaumten Medienkonferenz in Genf überraschend bekanntgaben.

Oder anders formuliert: Nach UBS-Offshore-Debakel in den USA, Libor-Skandal, ewigem Steuerstreit mit Europa und permanent verschärfter Regeln und Gesetze sind die Risiken für ein traditionelles Schweizer Geldinstitut offensichtlich so gross geworden, dass sie von einzelnen Bankiers nicht mehr geschultert werden können.

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Zu unwägbar, erbarmungslos und komplex erweisen sich mittlerweile die Prozesse und Abläufe in der heutigen Hyper-Finanz, so dass die Risiken eine Bank durchaus zerstören können. Vor diesem Hintergrund ist der jüngste Entscheid aus der Rhônestadt zu deuten. In gewisser Weise mag er durchaus präventiv sein, gleichzeitig offenbart er aber auch, dass den Banken noch einige Unbill in Sachen «Schwarzgeld» droht, denn auch bei dieser Thematik geht es um Risiken und Haftung.

Als Alternative zu den Grossbanken profiliert

Das Ende der klassischen Privatbank am Beispiel von Pictet und Lombard Odier ist aber auch eindeutig ein weiterer Rückschlag für den seit nunmehr fünf Jahren permanent unter Druck stehenden Schweizer Finanzplatz.

Gerade die klassischen Privatbanken hatten sich lange als echte Alternative zu den Grossbanken profiliert – mit Recht sogar. Umso tragischer ist es nun, dass sie gerade auf Grund der dreisten Machenschaften ihrer mächtigen Konkurrenten nun selbst unliebsame Konsequenzen zu tragen haben.