Banken mit Fokus Private Banking müssen in der Lage sein, ihren internationalen Kunden ein Steuerreporting zu bieten, das den Bestimmungen ihres Steuerdomizillandes gerecht wird. Die gleichzeitige Verwaltung unterschiedlicher Steuersysteme wird zu einer Herausforderung für die IT-Systeme und Backoffices dieser Banken.

Steuerreporting leicht gemacht

«Einheimisches» Steuerreporting für Kunden mit Steuerdomizil im Land, in dem sich die Bank befindet, und «ausländisches» Steuerreporting für Kunden mit Steuerdomizil in einem anderen Land sind verschiedene Dinge. Ein Steuerreporting-Dokument auszustellen reicht nicht. Gefragt ist vielmehr ein umfassendes Dienstleistungsangebot:

• Bereitstellung von Informationen, anhand deren der Kunde seine Ertrags-, Kapitalgewinn- oder Vermögenssteuererklärung ausfüllen kann;

• Einbehaltung von Steuern für bestimmte Ertragskomponenten oder Kapitalgewinne des Kunden und Abführung an die in- oder ausländische Steuerbehörde;

• Belege für die Steuerbehörden;

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• Tools zur Simulierung der steuerliche Auswirkungen von Vermögensverwaltungsentscheidungen;

• Angebot eines Beratungsservice in Steuerfragen seitens der Banken.

Dazu muss die Bank im Besitz der relevanten Informationen sein. Darunter fallen personenbezogene Daten des Kunden und Informationen zu den relevanten Finanzinstrumenten. Weiter müssen der Bank die operativen Daten zur Verfügung stehen, mit denen die Bemessungsgrundlage und die einschlägigen Steuersätze ermittelt werden können. Diese Daten können sich durch Anpassung der Steuergesetzgebung eines Landes ändern. Eine Bank muss die Informationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Rahmen eines kohärenten IT-Systems verwalten, um sie automatisiert miteinander zu kombinieren, damit detaillierte Belege zu den Kosten erstellt werden.

Anforderungen an Banken-IT steigen

Die internationalen Anforderungen nehmen zu. Der Grossteil der Banken in der Schweiz ist in der Lage, die Anforderungen des US-Steuerrechts (QI-Status) und des europäischen Zinssteuerrechts zu erfüllen. Einige Banken haben bereits Erfahrung mit der Führung von internationalen Buchungszentren und sind daher auch mit den unterschiedlichen Steuersystemen vertraut. Die Banken der Nachbarländer besitzen zwar Know-how für das Steuerreporting im eigenen Land, deren IT-Systeme sind jedoch meist nicht in der Lage, Informationen aus anderen Steuergesetzgebungen zu verarbeiten.

Die wichtigsten Schweizer Banken-Softwareprogramme erlauben ein Steuerreporting für die Schweiz. Mehrere Anbieter führen Versionen, die auf andere Länder abgestimmt sind und inländisches Steuerreporting ermöglichen. Der Umgang mit verschiedenen Steuersystemen gleichzeitig bringt jedoch eine höhere Komplexität. So muss etwa die Wertpapierdatenbank die Einstufung der Finanzinstrumente nach den unterschiedlichen Steuergesetzgebungen bewältigen und ausgehend von den Quellen der Finanzinformationen automatisierte Aktualisierungen vornehmen können. Bei der Verarbeitung von Erträgen (Coupons) muss zwischen der Komponente «Ertrag» und der Komponente «Kapitalgewinn» des Coupons unterschieden werden. Bei Investmentfonds ist bei bestimmten Steuergesetzgebungen eine Aufsplittung der Erträge in Kategorien erforderlich (Aktien, Obligationen usw.).

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Bei Wertpapiertransaktionen müssen die Steuerbeträge verwaltet werden, die von der Transaktion, von der Wertpapierposition oder dem Kunden bzw. von mehreren dieser Elemente abhängen. Weitere Funktionen des Steuerreportings sind Steuer- oder Quellensteuersätze, die befreienden oder nicht befreienden Charakter haben können. Darüber hinaus ist es auch wichtig, dass im Backoffice die notwendigen Kompetenzen für die diversen Steuergesetzgebungen vorhanden sind.