Die anstehenden Finanzierungen der Private-Equity-Deals verunsichern derzeit die Anleger. Es wird befürchtet, dass bei der Platzierung der Kredite Schwierigkeiten auftreten werden, die weitere Wellen an den internationalen Märkten schlagen.

Im April, als das Private-Equity-Haus Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) die Übernahme des Kreditkarten-Abrechners First Data ankündigte, befand sich die Branche noch in der «besten aller Welten». Die in den Deal involvierten Investmentbanken – unter anderem die Credit Suisse – gewährten KKR einen Überbrückungskredit. Sie wussten, dass sie diesen problemlos und zu sehr vorteilhaften Konditionen an verschiedene Anleger weiterreichen konnten. Im Zuge der Kreditkrise hat sich die Wahrnehmung der Investoren jedoch schlagartig geändert. Jetzt stehen nicht mehr die Renditen, sondern die Risiken im Vordergrund. Die Refinanzierung der Übernahme von First Data musste denn auch bereits einmal verschoben werden. Jetzt wird ein neuer Anlauf gewagt und dieser ist damit der erste Markttest seit dem Ausbruch der Kreditkrise.

«Wenn der Kredit am Anleihenmarkt refinanziert werden kann, wäre dies ein positives Signal für andere Deals und auch für die Finanzmärkte insgesamt», sagt Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin. Es würde Vertrauen schaffen, rechneten die Marktteilnehmer derzeit doch überwiegend mit Problemen bei der Finanzierung. Neben First Data sind die Blicke vor allem auf Alltel und TXU gerichtet.

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Insgesamt warten weltweit Kredite in der Höhe von über 300 Mrd Dollar auf die Platzierung. «Die meisten Deals dürften gut über die Bühne gehen», ist David Weaver, Head of International Investment Banking bei Jefferies, zuversichtlich. Einige Transaktionen müssten neu ausgehandelt werden, andere dürften vielleicht nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Wolfgang Wiehe, Head of Credit Research bei der Credit Suisse, rechnet mit einer negativen Reaktion an den Märkten. Vor allem, wenn ein grosser Deal platzen würde. «Dies werden die involvierten Parteien aber mit grossen Anstrengungen zu verhindern versuchen», so Wiehe. Bei First Data soll KKR den Banken nun offenbar entgegengekommen sein, obwohl die Investmentbanken die Kreditzusage getätigt haben und damit das Risiko zu den ursprünglichen Konditionen im Extremfall allein tragen müssten.


Keine weiteren Mega-Deals

Der Kreditmarkt muss die anstehenden Refinanzierungen zuerst aufnehmen. «Solange die Unruhe an den Finanzmärkten anhält, wird es keine grossen neuen Übernahmen geben», schätzt daher Wiehe. Das neue Risikobewusstsein an den Kreditmärkten werde auch zu Anpassungen bei den Finanzierungsbedingungen führen. Die Anleger fordern nun eine angemessene Entschädigung für ihr Risiko. «Was wir jetzt sehen, ist also eine gesunde Entwicklung, welche auch die Position der Investoren stärkt», so Weaver von Jefferies.

Für die Private-Equity-Firmen sind nun aber die Zeiten der billigen Kredite vorbei. Weil damit die Triebfeder für viele Transaktionen fehlt, erwartet Weaver eine allgemeine Abschwächung im Geschäft mit fremdfinanzierten Übernahmen. Zudem dürften die Deals kleiner ausfallen und künftig stärker mit Eigenmitteln unterlegt werden. An der Wall Street herrscht keine Goldgräberstimmung mehr.

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Duell an der Spitze: Mächtige Private-Equity-Häuser

Laut dem US-Wirtschaftsmagazin «Fortune» ist Blackstone das derzeit einflussreichste Private-Equity-Haus. Auf Platz zwei rangiert KKR.

Blackstone: CEO Steve A.Schwarzman hatte ein glückliches Händchen. Kurz vor Ausbruch der Krise gelang Blackstone im Juni ein fulminantes Börsendebüt. Seither ist die Aktie aber 30% eingebrochen. Blackstone hat jüngst erstmals eine Beteiligung in China erworben.

Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR): Die Private-Equity-Ikone Henry Kravis gehört zu den Gründern von KKR. Im Februar 2007 hat er zusammen mit anderen Private-Equity-Häusern die Rekordübernahme des Energieunternehmens TXU in der Höhe von 44,4 Mrd Dollar angekündigt. Die Refinanzierung des Deals ist für die nächsten Wochen
geplant.