Seit der Öffnung des Schweizer Güterbahnmarktes fressen Hauptkonkurrentin Railion, das Partnerunternehmen von BLS Cargo und Deutsche Bahn, sowie zahlreiche kleine Cargounternehmen dem Ex-Monopolisten SBB Cargo Marktanteile weg. Auf dem Heimmarkt hält SBB Cargo noch 60%. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) weist derzeit 35 Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) aus, die auf Schweizer Strecken lizenziert sind, viele davon sind kleine Cargo-Player: Neben den etablierten Schweizer Bahnen sind dies unter anderem Crossrail, Bayrische Cargo, Rail4Chem, die DB-Güterbahn Railion, TX Logistik und Rail Traction Services RTS.

Grosse Schlagkraft Veolias

Just während einer der massivsten Krisen in ihrer Geschichte bekommt SBB Cargo jetzt eine Konkurrentin anderen Kalibers. Für einmal handelt es sich auch nicht um einen Staatsbetrieb, der im Heimmarkt Rücksicht auf Service-Public-Anliegen nehmen muss. Mit der Schlagkraft des Veolia-Konzerns, der vor Wochenfrist Rail4chem den Aktionären Bertschi AG, BASF, Hoyer und VTG abgekauft hat, ist nicht zu spassen. Veolia (früher Connex) betreibt heute in 15 Ländern 240 Bahn- und Busnetze und erzielt knapp 5 Mrd Euro Umsatz. Der französische Konzern hat sich in Deutschland innert weniger Jahre zum gröss- ten privaten Verkehrsbetrieb hochgearbeitet. Mit dem Kauf von Rail4Chem erzielt Veolia Cargo einen Jahresumsatz von 122 Mio Euro und steigt damit zum führenden privaten Güteranbieter auf Europas Schienen auf. Ziel von Veolia Cargo ist es, in diesem Jahr im internationa- len Schienengüterverkehr rund 7% zu wachsen. Den Schweizer Markt hat bisher Rail4Chem transalpin, die Schweizer Tochter, befahren. Das Logo von Veolia wird im Transportwesen hierzulande aber nicht ganz neu sein. Begleitet von grossen Befürchtungen ist Veolia vor sechs Jahren in den Busbetrieb eingestiegen. Die Partnerschaft mit den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland (VZO) hat Veolia hohe Investitionen gekostet. Die Erfahrungen dagegen, die Veolia für weitere Ausschreibungen nutzen wollte, führten nicht zum Erfolg: Mit ihren weiteren Konzessionsgesuchen blitzte sie ab. Nun haben sich die Franzosen auf der Schiene quasi in die Schweiz eingekauft.